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Alt  09.11.2013, 12:32   # 1
kuching
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Fernsehserien sind die besseren Spielfilme??!!

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diane-kruger-the-bridge.jpg   Hank Wade - Ted Livine.jpg   Charlotte - Annabeth Gish.jpg   thomas m. wright.jpg   Marco Ruiz.jpg  

Vorbemerkung

Eine gewagte These, dummes Geschwätz oder doch wenigstens zum Teil richtig? Jedenfalls lässt sich sagen, dass es seit einiger Zeit ein paar sehr gut gemachte Serien gibt, die nicht von zweitklassigen Autoren, Regisseuren und Schauspielern produziert wurden und, es gibt zumindest in den USA einen Trend hin zu Kabel-Produktionen. Woran liegt das wohl? Ein Zitat dazu (Quelle mir unbekannt):

Solche Filme wie «The Bridge» oder zum Beispiel auch «Breaking Bad» werden einfach nicht mehr im Kinoformat gemacht. Die amerikanischen Studios machen Blockbuster und Komödien, die sich gut verkaufen, aber intime Charakter-Dramen werden nicht mehr fürs Kino gemacht. Es gibt einen riesen Trend zum Kabel. Für normale Fernsehserien werden ungefähr neun Monate im Jahr gedreht für 22 Episoden, wir machen 13 Folgen und arbeiten vier Monate, also quasi wie bei einem Film.

Es gibt also nicht wenige Fälle, in denen die üblichen 100 – 120 Minuten auf der Kinoleinwand nicht ausreichen um einen Charakter vollständig zu entwickeln und zu vermeiden, dass die Figuren etwas holzschnittartig daher kommen. Ein weiterer (Zeit-)Vorteil ist sicher, dass sich parallele, weitere Erzählstränge einbauen lassen, die nicht nur angerissen werden können, sondern eine eigene Geschichte in der Geschichte darstellen. Ganz besonders geglückt ist das meines Erachtens nach in der dänischen Polit-Serie „Borgen“ (lief bei uns auf Arte), die neben der reinen Story des Aufstiegs einer Politikerin z.B. auch die Geschichte „Was ist seriöser politischer Journalismus?“ einbaute. Da bietet die Serie genug Zeit, das nicht nur mal eben so kurz anzureißen, sondern wirklich zu beleuchten.

Ähnliches ist auch bei "The Bridge – America" gelungen. Ein paar (gute) Serien werden nun nicht verhindern, dass ich weiter mit Begeisterung ins Kino gehen werde. Es gibt Stoffe und deren Bilder, die einfach nur im Kino funktionieren, die eine große Leinwand und eventuell ein größeres Budget brauchen, die eben gemacht sind für 120 oder von mir aus auch für 180 Minuten, wenn sie denn nicht durch den Schnitt noch „verstümmelt“ werden („Apokalypse Now Redux“ , die Langfassung von Francis Ford „God“ Coppola, gewinnt z.B. durch die Sequenzen mit den Franzosen und der unrühmlichen Szenen mit den Playboy-Bunnies noch einmal so richtig an Schärfe).

The Bridge – America

Die Serie ist eine Adaption der dänisch-schwedisch-deutschen Produktion „Die Brücke – Transit in den Tod“ in der die Öresund-Brücke die Rolle spielt, die hier in der amerikanisch Fassung eben „The Bridge of the Americas“ (Plural!) ist. Produzenten: Meredith Stiehm („Homeland“) und u.a. Lars Blomgren (dänisches Original)

Auf jeden Fall passt der eigens für die Serie geschriebene Song von Ryan Bingham „Until I´m one with you" bestens für den Schauplatz in den USA.



Leider ist im Netz nirgends der Vorspann untermalt mit dem Song zu finden. Schon im Vorspann beginnt der Zuschauer etwas zu ahnen von den großen Gegensätzen an der Grenze, allein diese Umsetzung ist schon das Zuschauen wert.

Die Geschichte

Auf der „Bridge of the Americas“, genau auf der Grenze zwischen Ciudad Juárez und El Paso wird eine – wie sich kurze Zeit später herausstellt – zweigeteilte Frauenleiche gefunden: der Oberkörper einer amerikanischen Richterin, die streng gegen die mexikanischen Einwanderer vorgeht und der Unterkörper einer der vielen vermissten mexikanischen Frauen, die vor Monaten bereits spurlos verschwunden ist. Der mexikanische Ermittler Marco Ruiz (Chihuahua State Police) und Sonya Cross (El Paso PD) ermitteln zusammen und suchen nach dem Mörder, der ein Serienkiller ist – allerdings nicht nach dem üblichen Muster.

Neben der eher konventionellen „Whodunit?“-Geschichte spielt die politische Dimension des Falles eine besondere Rolle und es ist als ein absoluter Glücksgriff der Produzenten, dass sie die adaptierte Geschichte eben an diese Grenze gelegt haben. Bis heute sind Hunderte Frauen in Ciudad Juárez vermisst und ermordet worden, meistens junge Frauen, die in den grenznahen Fabriken internationaler Konzerne arbeiten.

Zitat aus Wiki:

Als Hintergrund für die Frauenmorde gilt allgemein der von Ciudad Juárez von den Gangs organisierte internationale Menschenhandel mit jungen Frauen für die Prostitution. Die Frauen werden dabei nach der Entführung zumeist geschlagen, mit Drogen hörig gemacht und ihren Familien entwöhnt. Frauen, die sich auch dann noch nicht auf ein neues Leben als Prostituierte einlassen wollen, werden getötet und entsorgt, insbesondere um die anderen Frauen abzuschrecken.
Andererseits kommen viele Frauen auch als Drogenkuriere um, wenn sie von konkurrierenden Kartellen aufgegriffen werden. Oft werden in Mexiko noch viele Jahre später Massengräber mit den Leichen lange vermisster Personen gefunden. Verbreitet ist bei Drogenkartellen auch die völlige Auflösung der Leichen in Säure, wie z. B. hundertfach durchgeführt durch das verhaftete Tijuana-Kartellmitglied Santiago Meza Lopez.
Aus Sicht der mexikanischen Justiz gibt es keine spezielle Frauenmordserie. Es gibt nur die sehr zahlreichen weiblichen Opfer im mexikanischen Drogenkrieg, die im Hinblick auf die Vermisstenzahlen bis heute nicht nachgelassen haben. Seit die Jugendstrafen für Mord ab 2012 verdreifacht wurden, ist die Zahl der Frauenopfer drastisch zurückgegangen.


Wenn eine Amerikanerin ermordet wird, wird alles getan um das aufzuklären, keiner interessiert sich für die vielen jungen Frauen auf der anderen Seite, die ermordet, entführt, geschändet werden. Das ist so etwas wie die Quintessenz dieser Serie. Natürlich kommen die korrupten mexikanischen Polizisten nicht gut weg. Allerdings, und das sei ausdrücklich erwähnt, die amerikanischen Polizisten bekleckern sich auch nicht Ruhm, ja, sie sind sogar teilweise beteiligt an den Vorgängen jenseits der Grenze. Es ist also keine klassische „Wir-gegen-die-Geschichte“, eher wird hier der Finger in die Wunde gelegt, dass es keinen wirklich interessiert, was da vor sich geht: „How long can El Paso look away?“

Die Grenze, die Brücke und die Wüste spielen eine nicht zu unterschätzende „Hauptrolle“ in der Serie. Die Farben sind satte Braun- und Gelbtöne, die mexikanischen Parts werden zumeist im Original gesprochen und deutsch untertitelt. 13 Folgen à ca. 45 Minuten bedeuten viel Zeit die Charaktere zu entwickeln und fortzuführen, nicht wenige Sequenzen sind kammerspielartig, tot gequatscht wird nichts und wir erfahren einiges über die Vergangenheit und das Innenleben der Protagonisten.

Die Charaktere

Sonya Cross (Diane Kruger) leidet unter dem Asperger Syndrom, einer leichten Form des Autismus. So zeigen vom Asperger Syndrom Betroffene kaum eigene Emotionen, können sich nicht in die Gedankenwelt anderer Menschen hineinversetzen und auch nicht an deren Mimik die jeweilige Gefühlslage ablesen: sie sagen, was sie denken. Es wird in der Serie nie eindeutig gesagt, dass sie diese Erkrankung hat, alles deutet aber daraufhin (Diane Kruger hatte am Set einen Berater, der unter dem Asperger Syndrom leidet). Ihr „väterlicher“ Mentor Lt. Hank Wade beschützt und „betreut“ sie und ist auf eine besondere Weise mit dem Schicksal von Sonya und ihrer Schwester verbunden. Alles das ergibt sich im weiteren Verlauf der Serie. Sonya ist eine akribische und detailverliebte Arbeiterin und hat von daher mit

Marco Ruiz (Demián Bechir) so manches Mal ihre Schwierigkeiten. Marco ist ein (der letzte?) aufrechte Bulle auf der mexikanischen Seite, ein gemütlicher Brummbär mit Familie, der die Finger von den Röcken nicht lassen kann und sich in dem Feld der Korruption und unseriösen Angeboten zu behaupten versucht.

Lt. Hank Wade (Ted Levine) ist der gütige Polizeichef, menschlich, kollegial, beschützend, bedächtig, das große Ganze im Blick habend und zugleich der Mentor von Sonya. Er weiß wie es läuft und er behält den Überblick. Jedenfalls ist er das krasse Gegenteil der mit Klischees beladenen Vorstellungen über einen texanischen Polizisten. Die gibt es nämlich auch in der Serie.

Charlotte Millwright (Annabeth Gish) ist ein ehemaliges Escort-Girl aus Florida, deren Mann stirbt und ihr ein Anwesen hinterlässt. Auch sie muss erkennen, dass das Leben nun besondere Herausforderungen an sie stellt und sie mit „Aufgaben“ konfrontiert, die sie so nicht erwartet hatte. Ihr Anwesen spielt eine besondere Rolle in diesem Grenzgebiet und ist ein weiteres Detail an dieser so mörderischen Grenze.

Ihr zur Seite steht in erster Linie ihr Angestellter Cesar (Alejandro Patino), die gute und wissende Seele des Hauses, der die Entwicklung von Charlotte nicht unbedeutend mit voran treibt.

Daniel Fry (Matthew Lillard) ein versoffenes und zynisches Journalisten-Arschloch und seine junge lesbische Partnerin Adrianne Perez (Emiliy Rios) bilden ein weiteres Paar in der Serie und versuchen den fürchterlichen Vorgängen an der Grenze nachzugehen.

Und da wäre dann noch der unglaublich verschrobene Steven Linder (Thomas M. Wright), ein Helfer der besonderen Sorte, anrührend und mysteriös zugleich, der eine dermaßen präsente und zugleich extrem reduzierte Performance abliefert, dass er für mich – trotz weniger Auftritte – der eigentliche Star der Serie ist. Er verliebt in Eva Guerra (Stephanie Sigman).

Alle „Paare“ sind gegensätzlicher, wie sie es nicht sein könnten, sie kommen sich aber näher, peu à peu und doch nicht zusammen. Dennoch sind es ihre inneren Beziehungen, die sich im Laufe entwickeln, die eben den weiteren Reiz der Serie an sich ausmachen. Wir haben viel Zeit uns auf die Charaktere einzulassen, der Fluss in der Serie ist in gemäßigtem Tempo, die Entwicklung der Protagonisten ist nachvollziehbar und langsam erkennen wir auch die andere Seite der Personen. Sie entwickeln sich fort von ihrer etwas eindimensionalen Einführung in die Geschichte, werden vielschichtiger und lassen so manches Mal eine Seite erkennen, die zunächst nicht zu erwarten war. Das gilt selbst (in Maßen!) für den Kartellboss Fausto Galvan (Ramón Franco). Einzig der mexikanische Polizeichef Capitan Robles (Juan Carlos Cantu) und sein Pendant Hank Wade sind in ihren Rollen „bad guy – good guy“ relativ festgeschrieben.

Natürlich gibt es auch Schwächen in der Serie: verschiedene Regisseure für die Folgen, ein schwächerer Showdown (nicht das Ende der Serie!) und die ein oder andere kleine Länge. Dennoch gibt es eben auch Bilder von epischer Schönheit. Wenn Steven nach Eva sucht und mit anderen mexikanischen Frauen im Wüstensand nach einem möglichen Grab stochert, der Blick der mexikanischen Mutter, die vergebens am Bus auf die Tochter wartet, der Besuch von Sonya bei einem psychisch schwer kranken Mann in der Gefängnisanstalt, der unbeholfen immer die gleichen Bilder malt, die Mauer, an der die „Steckbriefe“ der verschwundenen und vermissten jungen Frauen hängen, das ist – obwohl Fernsehen – ganz großes Kino! Ein paar wenige deftige Gewaltszenen und 2 fürs amerikanische Fernsehen ungewöhnlich deftige Sex-Szenen gibt es auch.

Die Serie wurde von Fox-Channel (Kabel Deutschland) ausgestrahlt, zunächst wöchentlich eine Folge und am letzten WE in einem Rutsch alle Folgen nochmal durch. Man sollte sich - sofern möglich – diese Serien zusammenhängend ansehen, man „vergisst“ sonst zu viel zwischendurch. Die Serie wurde in USA und Deutschland nahezu zeitgleich ausgestrahlt. Sie wird von Fox sicher nochmal wiederholt und demnächst wohl auch auf DVD erscheinen.

Die zweite Staffel ist bereits in Auftrag gegeben, Beginn der Dreharbeiten demnächst.
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Alt  28.12.2017, 10:50   # 79
kuching
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BABYLON BERLIN (1+2) – Tom Tykwer, Henk Handloetgen, Achim von Borries

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BB_Moka_Efti.jpg   BB_Gereon_Rath.jpg   BB_Charlotte_Ritter.jpg   BB_Bruno_Wolter.jpg   BB_Svetlana.jpg  

Vorbemerkung

Lange, sehr lange hat es nun gedauert, von der Bekanntmachung des Projekts bis zur Realisierung der Serie „Babylon Berlin“: vier Jahre und ein endgültiges Scheitern war nicht ausgeschlossen bis es dann zur ersten Zusammenarbeit eines Privatsenders (Sky) und eines ÖR-Senders (ARD) kam. Die teuerste, die aufwändigste, die glamouröseste deutsche Serie, hieß es. Fast 40 Mio. Produktionskosten (davon 16 Mio. – 8.000 qm - allein für den Nachbau von Berliner Straßen in Babelsberg), 5.000 Komparsen, knapp 300 Drehorte. Für eine deutsche Serie tatsächlich alles Superlative. Verkauft wurde die Serie in 60 Länder (darunter Europa und Nord-Amerika), eine Premiere in L.A. (der Partnerstadt von Berlin) wurde sehr wohlwollend aufgenommen…“awesome stuff“…

Aber nicht nur in Babelsberg wurde gedreht, andere Drehorte wie Museumsinsel, Friedrichstraße, Grunewald usw. sind original, teilweise aber natürlich digital nachbearbeitet um eine gewisse „Tiefe“ zu erlangen. Eine große Riege sehr guter und bekannter deutscher Schauspieler sind dabei: Matthias Brandt, Peter Kurth, Udo Samel, Benno Führmann, Thomas Thieme, Günter Lamprecht, Lars Eidinger, Hannah Herzsprung, Mišel Matičević…. Die Hauptrollen werden aber von nicht sooo bekannten Schauspielern verkörpert: Volker Bruch („Unsere Väter, unsere Mütter“) als Kommissar Gereon Rath und Liv Lisa Fries als Charlotte Ritter („Und morgen Mittag bin ich tot“). Eine sehr gute Idee bei den Hauptdarstellern auf „unverbrauchte“ Gesichter zu setzen, vor allem Liv Lisa Fries ist einfach nur umwerfend, manchmal feenhaft, dann wieder schnoddrig, schlagfertig.

„Babylon Berlin“ ist eine Adaption der Bücher von Volker Kutscher (hier „Der nasse Fisch“), also eine recht freie Verwertung der Geschichten um Gereon Rath, dem Kommissar im Berlin der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Wenige Filme und noch weniger Serien haben wir hier in Deutschland aus dieser Zeit, die dunkle Zeit des 3. Reichs ist überbordend vertreten.

Von daher ist es sehr reizvoll nun auf diese Zeit zu blicken und hier ins Jahr 1929: „schwarzer Donnerstag“ am 24.10.29 an der Wall Street, Beginn der Weltwirtschaftskrise (in Deutschland am 25.10.29, dem „schwarzen Freitag“), Nobelpreis für Thomas Mann, „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin erscheint, das Stummfilmkino „Bayblon“ (!) öffnet in Berlin, „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque erscheint und Emil Jannings erhält den ersten Oscar überhaupt als männlicher Hauptdarsteller, die Mai-Unruhen („Blut-Mai“) fordern 33 Tote (in der Serie ist von 200 die Rede, ansonsten aber schon richtig dargestellt, da der einzige Polizist mit Schussverletzung diese sich selbst zufügte).

Staffel 1 und 2 umfassen insgesamt 16 Folgen à 45 Minuten, die ARD wird beide Staffeln Ende 2018 zeigen, Staffel 3 und 4 sind schon bestellt…bedeutet, die beiden ersten Staffeln sind jetzt schon refinanziert.



Die Handlung

Gereon Rath, ein Kölner Kommissar, lässt sich zur Sitte nach Berlin versetzen. Ein Verwandter von ihm wird mit pornographischem Material erpresst, die Drahtzieher werden in der Berliner Unterweltszene vermutet. Der erpresste Verwandte ist der OB von Köln, Konrad Adenauer(!). Die Geschichte ist natürlich erfunden…. Gereon Rath soll die Hintermänner der Erpressung überführen. Er leidet unter dem „Kriegszittern“ (Shell Shock) und ist morphiumabhängig. Ihm zur Seite steht Bruno Wolter (Peter Kurth), ein Berliner Kommissar, eine schillernde Figur und wie sich herausstellen soll, der „bad cop“.

Charlotte Ritter ist eine junge Frau, die sich tagsüber als Tagelöhnerin – hier im Polizeipräsidium, der „Roten Burg“ – verdingt und nachts als Prostituierte im „Moka Efti“, dem „Berghain“ der zwanziger Jahre, arbeitet. Sie ist der eigentliche Star der Serie und mit weiblichen Hauptrollen hat Tom Tykwer („Lola rennt“) ja Erfahrung. Sie ist die Überlebenskünstlerin zwischen Mietskaserne, Bordell und den Fängen der Mafia. Für mich DIE Entdeckung….

Und dann gibt es noch einen geheimnisvollen Zug aus Russland der nach Berlin kommt. Alle Waggons beinhalten verbotenes Giftgas, einer aber enthält einen geheimnisvollen Goldschatz. Jagd auf diesen Goldschatz machen sowohl Stalin als auch die in Berlin lebenden Trotzkisten (Leo Trotzki, russischer Revolutionär, war nach dem Zerwürfnis mit Stalin 1929 im Exil in der Türkei) und natürlich ebenso die Berliner Mafia.

Die Krimihandlung(en) nehmen – Gott sei Dank - keinen allzu großen Raum ein, vielmehr bilden sie das Skelett für ein Sitten- und Gesellschaftsbild zu dieser Zeit. Auch die „Braunhemden“ sieht man kaum, nur zum Schluss tauchen sie auf, obwohl sie in dieser Zeit allgemein schon präsenter waren.

Der Plot ist imho fast vernachlässigbar, das Besondere, das Einzigartige an dieser deutschen Serie ist der Look, die Atmosphäre, das Setting, sei es nun das Mondäne im Moka Efti oder die Hinterhöfe in Kreuzberg oder im Wedding, wo die Armen zusammengepfercht vor sich hin hausen. Auch trotz der fehlenden Braunhemden sieht man, spürt man die aufkommende und nahestehende dunkle Zeit, die das zarte „Demokratiepflänzchen“ der Weimarer Republik hinwegfegen wird. Die „Schwarze Reichswehr“, Versailler Vertrag, die Kriegstraumata des WK I. Allein die „Auflösung“ der Eingangssequenz der Serie zum Schluss der Staffel 2 hin ist grandios gelungen.

Ich kam zunächst nicht so ganz leicht in die Serie, der Flow wollte sich zu Beginn (noch) nicht einstellen. Spätestens aber zum Schluss der 1. Doppelfolge mit dem Auftritt von Swetlana Sorokina (Severija Janušauskaitė) als Sänger/in Nikoros im „Moka Efti“ mit dem Song „Zu Asche, zu Staub“, der weiteren Tanz- und Musiksequenz, geschnitten mit einer deftigen Schießerei und wieder geschnitten mit einer kleinen Sexszene zwischen Charlotte und einem Kunden im Separee des Moka Efti, da war der Flow dann da. Das war packend umgesetzt…Martin Scorsese würde wohlwollend nicken…

Ab da habe ich zunächst 8 Folgen am Stück und die restlichen 5 dann auch in einem Rutsch gesehen. Die Musikauswahl traf übrigens Bryan Ferry (Roxy Music) der auch einen Gastauftritt als Sänger hat.

Hier der Song



Aber, es gibt auch Schwächen…

Insgesamt sind es wohl an die 300 (!) Sprechrollen (zu viele wie ich finde), manche Szenen, manche Nebenstränge verlaufen leider im Nichts oder werden zum Schluss der der 2. Staffel etwas arg hoppladihopp „aufgelöst“: zack, zack, zack… Die Zugsequenz zum Schluss wirkt billig, manche Charaktere haben keine Zeit, keinen Raum sich zu entwickeln und manches wirkt auch etwas holzschnittartig. Hier wäre etwas weniger doch mehr gewesen und manches ist auch nicht so glaubwürdig aufgelöst.

Die Kritik zur Serie

Es lassen sich im Netz viele Artikel zur Serie finden. Die Bewertung reicht von „grandios“ bis „Reinfall“ (überwiegend aber positiv). Meinem Empfinden zur Serie am nächsten kommt DIE ZEIT

http://www.zeit.de/kultur/film/2017-...omplettansicht

Vorgeworfen wird der Serie vor allem, dass bei aller Eleganz die emotionale Tiefe fehle, also alles hübsch fotografiert, aber seelenlos. Nun ja, da möge sich jeder sein eigenes Urteil bilden.

Zum regelrechten „Fremdschämen“ sind allerdings so einige User-Kommentare unter den Artikeln: „Beckenrandschwimmen“…“zu deutsch“ (der Vorwurf der großen Streamingdienste an Deutschland war genau andersherum: zu wenig deutsch um eine USP zu haben!)…“kann mit den großen amerikanischen Serien nicht mithalten“ (ja, das können die allermeisten anderen Ami-Produktionen auch nicht!)…

Mein Fazit:

Mit „Babylon Berlin“ ist eine großartig verfilmte und die Atmosphäre der Zeit bestens einfangende Serie entstanden. Damit wird (noch) nicht das Serienmonopol der Skandinavier und Amerikaner gebrochen, aber Respekt haben sie damit geschaffen und das ist aller Ehren wert.

An Ende 2018 im Free TV bei der ARD. Solltet ihr nicht verpassen….





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Alt  25.12.2017, 11:57   # 78
kuching
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kuching ist offline
Bosch - Kurzreview - Staffel 3

So langsam aber sicher bin Fan von "Bosch" geworden. Habe ich die erste Staffel noch lediglich als gute Fernsehunterhaltung beschrieben, bin ich mittlerweile ein Fan der Serie geworden.

Bosch, Detective bei dem LAPD ist nach wie vor nicht korrumpierbar, immer etwas einsam auch wenn dieses Mal Tochter Meggie bei ihm eingezogen ist in sein kleines Haus in den Hollywood Hills mit dem unbezahlbaren Blick über L.A.

Michael Connollys Romane sind die Vorlage für Bosch, insgesamt 20 hat er geschrieben, ganz in der Tradition von Raymond Chandler oder Dashiell Hammet. Dieses mal sind es 2 Fälle, die Eric Overmeyer ("The Wire") zusammengezogen hat - "Schwarzes Echo" und "Dunkler als die Nacht". Titus Welliver ist wirklich eine kongeniale Besetzung von Bosch, sein Kollege Jerry Edgar (Jamie Hector) ist auch wieder mit von der Partie.

Neben den Fällen spielt auch immer noch die Suche nach dem Mörder seiner Mutter den Faden durch die Staffeln. Die 4. ist bereits beauftragt und der Cliffhanger am Schluss der jetzigen Staffel ist ziemlich gut in Szene gesetzt.



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Alt  15.12.2017, 07:43   # 77
kuching
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Countdown Copenhagen – SAM Productions/ZDF Neo

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Countdown_Copenhagen_1.jpg   Countdown_Copenhagen_Philip.jpg   Countdown_Copenhagen_Louise.jpg   Countdown_Copenhagen_Naja.jpg   Countdown_Copenhagen_Alpha.jpg  

Die ersten Szenen zeigen Philip (Johannes Lassen) als Gefangenen einer Terrorgruppe in Afghanistan, der tägliche Folter erleiden muss und für den versucht wird Lösegeld zu erpressen. Einige Szenen später wird Philip in Uniform als Held gefeiert, ist er doch seinen Peinigern entflohen und wird nun Chef einer Anti-Terror Task Force.
Philip leidet unter einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und hat eine fragile Affaire mit Louise (Sara Hjort Ditlevsen), einer Verhandlerin bei Erpressungs- und Entführungsfällen.

In Kopenhagen wird eine U-Bahn zwischen 2 Stationen von bewaffneten Männern zwangsgestoppt, 15 Menschen werden gekidnappt und in einer Baustelle im Untergrund für eine neue Linie gebracht. 4 Millionen Euro Lösegeld werden gefordert, Philip als Leiter der Task Force und Louise als eine der Verhandlerin müssen nun in 8 Folgen zusehen, wie sie die Geiseln befreien können.

Anleihen gibt es nicht wenige in dieser Serie: der Vorspann könnte auch der bei „House Of Cards“ sein, ähnlich wie bei „Homeland“ haben wir eine ehemalige Geisel in einer der Hauptrollen und bei „Entführung der U-Bahn Pelham 123“ ging es auch schon mal um die Erpressung mit Geiseln in einer Untergrundbahn. Jede der 8 Folgen zeigen einen Tag des Dramas, quasi in „Echtzeit“ und das kennen wir auch schon aus „24“.

Gedreht ist das Ganze in den typisch skandinavischen Graublau-Tönen und, auch nicht untypisch, Frauen spielen nicht die letzten Neben- sondern tragende Rollen. Nara (Paprika Steen, bekannt aus einigen Lars von Trier Filmen), eine angesehene Journalistin und Fernsehmoderatorin, wird von den Entführern kontaktiert und bringt die Story ohne Abstimmung mit Vorgesetzten ins TV. Sie wird daraufhin entlassen und versucht nun mittels crowd founding das Lösegeld zu sammeln.

Mit einigen Rückblenden wird auf das bisherige, nicht immer „störungsfreie“ Leben der Geiseln eingegangen, Rückblenden gibt es im Laufe der Geschichte auch bei Philip, Louise und Nara.

Hier hätte ich mir gerne etwas mehr gewünscht, die Ansätze dafür waren allemal spannend, trotz der dadurch verursachten Verlangsamung des Erzähltempos. Die Folgen sind mit jeweils ca. 45 Minuten eher kurz für eine Serie aus acht Teilen und das, was zuweilen bei den 10 – 12-Teilern à 60 Minuten aufgrund der Länge bisweilen zu einer gewissen Zähigkeit in der Mitte führt, ist hier nicht zu beobachten.

Aktuelles Thema, wenn auch schon mal alles dagewesen ist… warum also anschauen?

Na, weil es einerseits doch recht spannend ist. Andererseits ist der Plot gut aufgelöst und alles in allem auch stimmig. Es ist TV-Unterhaltung auf ordentlich hohem Niveau, in Kinoformat gefilmt und ohne große Längen. Wieder mal was für Serieneinsteiger….

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Alt  09.12.2017, 12:25   # 76
kuching
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Westworld - HBO

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Westworld_Titel.jpg   Westworld_Dolores.jpg   Westworld_Dr_Ford.jpg   Westworld_Maeve.jpg   Westworld_man_in_black.jpg  

„Westworld“ ist eine Sci-Fi-Western-Serie, die auf dem Roman und dem gleichnamigen Film Westworld von Michael Crichton basiert. Das Drehbuch stammt von Jonathan Nolan (Bruder von Christopher Nolan - „Memento“, Batman-Trilogie uvm.) und Lisa Joy, seiner Ehefrau.

Die Serie spielt in einem futuristischen Vergnügungspark, der dem Wilden Westen nachempfunden ist. Menschenähnliche Roboter – die Hosts – sind den Gästen dabei „behilflich“ die typischen Westerngeschichten nachzuspielen, seien es Überfälle, Goldsuche, Schießereien in Saloons, Prostitution, Vergewaltigungen. Die Gäste können mit den Schusswaffen der Hosts nicht verletzt werden, andersherum funktioniert das aber sehr wohl. Die schwer verletzen oder gar getöteten Hosts werden von den Ingenieuren repariert und wieder in die Szenerie geschickt. Ihre Erinnerungsspeicher werden dabei resettet.

Drei Handlungsstränge auf verschiedenen Zeitebenen bilden in der ersten Staffel die Handlung.

Die Querelen und Machtkämpfe innerhalb der Parkleitung. Der Park wurde von Arnold Weber und Robert Ford(!), gespielt von Anthony Hopkins, gegründet. Es kam schon vor der Eröffnung des Parks zu Querelen, weil Arnold herausfand, dass einige Hosts eben doch ein Bewusstsein entwickelten. Es ist viel die Rede von Arnold im Laufe der Serie und Bernard, der Leiter der Abteilung „Verhalten“ spielt dabei eine besondere Rolle.

Weiter spielen in dem Handlungsstrang auch die Spannungen zwischen Vorstand, Ford und verschiedenen Abteilungen eine große Rolle, da vor allem Uneinigkeit besteht bezüglich Verhalten der Hosts, Storylines usw.

Das Labyrinth spielt im zweiten Handlungsstrang eine wichtige Rolle. William ist Angestellter eines Unternehmens, das Anteile an Westworld hält. Er macht Urlaub im Park und verliebt sich in den Host Dolores (Evan Rachel Wood). Als Dolores eines Tages verschwindet, macht er sich auf die Suche nach ihr und im weiteren Verlauf auch auf die Suche nach den letzten Geheimnissen im Park. Auch hier gibt es einen aktuellen, in der Jetzt-Zeit spielenden Handlungsstrang. William ist immer noch im Park und immer noch auf der Suche nach dem Labyrinth.

Rebellion und Flucht durch die Hosts. Maeve (Thandy Newton) ist eine Saloon-Prostituierte, bei der die Speicherlöschung nicht vollständig funktioniert. Sie erpresst einen Techniker ihre Charaktereigenschaften nach ihren Vorstellungen anzupassen und versucht später zu fliehen, während die andere Hosts beginnen zu rebellieren.


Sehr häufig wird aus der Perspektive der Hosts erzählt. Von daher ist ein leichtes sich auf deren Seite zuschlagen, noch dazu wo doch die Hosts jede Menge zu erleiden haben durch die vergnügungssüchtigen Parkbesucher. Abknallen, Vergewaltigen, die Sau rauslassen? Ist ja im normalen Leben im Büro und zuhause bei der Frau nicht so angesagt. Hier aber, das geht das prima…. Macht ja auch nichts, sind ja eh bloß Maschinen.

Dumm nur, wenn die Mensch-Maschinen auf einmal ein Bewusstsein entwickeln, wenn das Ganze aus dem Ruder läuft und die Maschine eben nicht mehr so einfach steuerbar ist… Eine schöne Vorstellung ist das und wenn wir dann in nicht mehr allzu ferner Zukunft uns von diesen programmierten Maschinen transportieren, bedienen und was weiß ich nicht noch alles abnehmen lassen. Was ist, wenn das aus dem Ruder läuft?

Die Suche nach dem Sinn des Ganzen, die Frage ob die die Maschine vielleicht sogar der bessere „Mensch“ ist, unser teilweise immer noch archaisches „Steinzeit-Verhalten“ und die Gier nach Macht, Macht, Macht… Alles das ist furios in den 10 Folgen umgesetzt worden. Jonathan Nolan hat an dem Drehbuch für „Memento“ mitgeschrieben, er weiß wie man mit verschiedenen Zeitebenen umgeht (in „Memento“ sogar gegenläufig). Die Ausstattung ist allererste Sahne, gedreht wurde auf 35mm-Fim von Kodak- ist wie im Kino!

Diese Serie ist eher nix zum Nebenherschauen, aber das hätte die Serie auch nicht verdient. Man muss da schon dranbleiben, sonst kommt man nicht mehr mit und das wäre sehr schade.

An der Staffel 2 wird gerade gedreht…

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Alt  06.12.2017, 19:21   # 75
kuching
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Ozark - Netflix

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Ozark_1.jpg   Ozark_2.jpg   Ozark_3.jpeg   Ozark_4.jpg   Ozark_5.jpg  

So ganz lässt sich der Vergleich nicht vermeiden, mit „Breaking Bad“ und doch ist es ganz anders. Schon alleine deswegen, weil die Serie zum allergrößten Teil am künstlichen Ozark-Lake spielt, im tiefsten Hinterwald-Amerika, irgendwo in Missouri: „eine Küstenlinie, länger als die von Kalifornien!“.

Finanzberater Marty Bride (Jason Bateman) und sein Kollege Bruce bekommen große Probleme. Beide waschen Geld für ein mexikanisches Drogenkartell, Bruce zweigt jedoch einige Millionen ab und schon geht er dahin der amerikanische Mittelstandstraum. Einzig Marty kommt aus dem Massaker heraus, weil ihm, dem absolut rational denkenden und handelnden Mann diese blöde Idee kommt, im amerikanischen Herzland, eben den Orzarks, weiter Geld zu waschen und den Kartellboss noch reicher zu machen.

Dazu müssen die Brydes aber weg aus Chicago und in eines der größten Feriengebiete in den zentralen USA. Zu allem Überfluss betrügt Wendy Bryde (Laura Linney, 3fach nominiert für den Oscar) ihren Ehemann auch noch, die Verbindung scheint am Ende und die zwei pubertierenden Kinder machen das Ganze nicht einfacher. Die aus der Verzweiflung geborene Idee im Land der Hinterwäldler – vulgo White Trash - das Drogengeld zu waschen, lässt sich aber andere als leicht umsetzen. Die Leute dort mögen aus Sicht der Städter zwar etwas zurückgeblieben sein, blöd sind sie aber nicht, jedenfalls nicht alle.

Schnell gibt es Probleme mit dem örtlichen Drogenboss Snell und seiner Ehefrau (die eine wahre Hexe ist), der sein Revier, seinen Drogenhandel bedroht sieht. Und das FBI in Gestalt eines manisch getriebenen Agents, der auch noch dazu schwul ist, würde das Chaos schon abrunden, wäre da nicht noch die junge Ruth (Julia Garner), neben Marty der eigentliche Star der Serie. Sie, deren Vater im Knast hockt und ihr Anweisungen gibt, muss sich auch noch – obwohl kaum älter – um ihre beiden Cousins kümmern, die mit Vater und Onkel in Trailern irgendwo am See hausen und die es natürlich auch auf das zu waschende Geld von Marty abgesehen haben. Ganz das kleine Mädchen, wenn sie vor ihrem Vater auf Besuch sitzt und das toughe Mädel, wenn sie den Stripklub schmeißt.

In den Kritiken zur Serie wurde des Öfteren über das Spiegelbild der gespaltenen, amerikanischen Gesellschaft gesprochen. Hier die Trump-Wähler, abgehängt und eigentlich chancenlos und dort die etwas grundlos hochnäsigen Mittelständler in den suburbs. Das mag sein. Zumindest werden die Charaktere sehr stilsicher und sauber gezeichnet. Die Kameraführung gibt die Chance auf kleinste, reduzierte Mimik, die Ausstattung ist sehr ordentlich, die Schauspieler durch die Bank sehr gut.

Aber, es gibt auch Schwächen:

Nach einem fulminanten Beginn wird das Tempo sehr deutlich spürbar langsamer. Mit Lösung eines Problems tauchen 2 neue auf und es zieht sich ein bisschen, weil wir ja erst in der Mitte der Staffel 1 sind und da muss das ja öfter noch passieren. Es ist also fast so wie ein bisschen das Treten auf der Stelle in der Mitte. Zum Ende hin, mit den beiden letzten Folgen, zieht das Tempo wieder spürbar an und versöhnt.

Ein paar angefangene Handlungsmöglichkeiten verlaufen dagegen im Sande. Die zart angedeutete Romanze zwischen der Barbesitzerin und Marty? Die Geschichte der Kinder? Leider ein dead end…

Nein, ein „Breaking Bad“ ist das (noch?) nicht geworden. Dennoch würde ich die Serie z.B. einem Freund empfehlen der kein Seriengucker ist, aber mal in so etwas reinschmecken möchte, denn Qualität hat das allemal. Selbst ist man halt auch ein bisserl (zu) verwöhnt.

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Alt  02.11.2017, 16:55   # 74
kuching
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Das Verschwinden - ARD

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Das Verschwinden_Julia Jentsch.jpg   Das Verschwinden_Elisa Schlott.jpg   Das Verschwinden_Johanna Ingelfinger.jpg   Das Verschwinden_Saskia Rosendahl.jpg   Das Verschwinden_Hans-Christian Schmid.jpg  

Eines Tages verschwindet Janine Grabowski (Elisa Schlott) spurlos aus dem Ort Forstenau (Cham) in der Oberpfalz. Die junge Frau wird nochmal in der Nähe der tschechischen Grenze gesehen und bleibt dann verschwunden. Ihre alleinerziehende Mutter Michelle (Julia Jentsch) und ihre beiden Freundinnen Manu (Johanna Ingelfinger) und Laura (Saskia Rosendahl) versuchen herauszufinden, was passiert ist.

Hans-Christian Schmid, bekannter Filmemacher (u.a. 23; Crazy; Requiem), geboren in Altötting, hat den Vierteiler gedreht (plus Drehbuch und Produktion). Ihm ist ein Heimatfilm der besonderen Art gelungen, eine wuchtige Miniserie über den Kampf in und um die Familien und auch um „Bayerns vergessene Kinder“, wie DIE ZEIT etwas effekthascherisch titelt. Eine Schwäche hat die Serie natürlich: es fehlt gänzlich der Oberpfälzer Dialekt. Gut, man wollte wohl nicht durchgängig untertiteln…

Ein Krimi ohne Kommissar (SZ) dient als Korsett, als Gerüst für den Plot. Das wird dieser Serie zuweilen vorgeworfen, ebenso, dass zum Schluss eben dieser Krimi-Plot aufgelöst werden muss. Ich finde, das ist definitiv zu kurz gesprungen. Der „Krimi-Plot“ ist an sich unwichtig, bietet aber eben einen Leitfaden, an dem sich die eigentliche Geschichte entlanghangeln kann.

Es geht um nichts weniger als die Hoffnung, die Träume mögen sich erfüllen, auch wenn die jungen Frauen schon spüren, dass da vielleicht nichts mehr kommt und die Älteren diese Hoffnung schon längst aufgegeben haben, den Status Quo zu halten schon der größte Erfolg ist.

"Das Leben macht oft keinen Spaß, das kannst du mir glauben." - "Warum wollt ihr denn dann, dass wir so werden wie ihr?"

Eine Frage mit der Wucht eines Vollmantelgeschosses, die Manu der Mutter von Janine stellt. Man kann es kaum Kampf oder Rebellion nennen, was die „Kinder“ da gegen ihre Eltern treiben, es eher Resignation, eine tiefsitzende Trauer und Hilflosigkeit, die nur durch die der Eltern übertroffen wird.

Ja, man hätte die Geschichte um diese drei jungen Frauen länger und tiefer behandeln können, stattdessen werden bald die tragischen Verwicklungen der Familien untereinander mehr und mehr in den Blickpunkt gerichtet. Anstatt auf 8 x 45 Minuten (4 x 90 Minutenblock) hätte man den Mut und das Geld (?) haben sollen, noch eine Doppelfolge mehr zu drehen. Was solls? Es ist trotz alledem ein großer Wurf geworden!

Geschickt gewählt (oder sogar genial) ist der Schauplatz dort im Bayerischen Wald an der Grenze zu Tschechien. Die Männer fahren dort rüber zur Jagd, ein Ferienhäuschen drüben als Liebensnest, die Crystal Meth-Küchen, Zigaretten und vietnamesische Märkte und immer wieder Fälle von Verschleppung, dazu die verwunschene, fast geheimnisvolle Atmosphäre des Bayerischen Waldes. Wer dort zum Beispiel wandern geht, dem kann es bei Touren in Grenznähe durchaus passieren, dass er 2 Stunden keine einzige Menschenseele sieht. Eine Gegend, die im Gegensatz zu Wanderregionen in Oberbayern beinahe entvölkert wirkt.

Die düstere Schönheit ist die perfekte Untermalung, die Musik von The Notwist kongenial und das Schauspielerensemble perfekt.

Die „Auflösung“ des Ganzen ist nicht mehr überraschend. Sie folgt kurz einer ausgewählten Logik, die ich nicht für schwach, sondern nach dem Gesehenen für konsequent halte. Wenn man eigene Kinder hat, wird das eine oder andere vielleicht schmerzhaft zu sehen sein und wer davon nicht betroffen ist, der möge ein wenig Demut zeigen. Wen es trifft kann man sich nicht aussuchen und so manches Mal haben kleine Fehler eben doch ganz große Konsequenzen.

Läuft noch in der ARD-Mediathek. Mein Tipp: anschauen! Eine schöne und ausführliche Kritik gibt es hier:

http://www.tittelbach.tv/programm/me...ikel-4756.html





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Alt  22.10.2017, 18:36   # 73
kuching
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The Son - AMC

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The Son_2.jpg   The Son_3.jpg   The Son_4.jpg   The Son_5.jpg   The Son_1.jpg  

Die Serie lief bei uns auf TNT im Frühjahr dieses Jahres. Der amerikanische Fernsehsender AMC ist bekannt für qualitativ hochstehende Serien wie z.B. „Breaking Bad“, „The Walking Dead“,“ Mad Men“ usw. Hier wird mit „The Son“ allerdings meiner Meinung nach nur höchst durchschnittliche Serienkost gezeigt und das ist schade.

Im Mittelpunkt der Verfilmung von Philip Meyers gleichnamigem Bestsellerroman, der auf Deutsch als "Der erste Sohn" erschienen ist, stehen drei Generationen der Familie McCullough: der Patriarch Eli (Pierce Brosnan), sein Sohn Pete (Garrett Droege) und dessen heranwachsende Tochter Jeannie (Sidney Lucas). Eli ist das, was man einen harten Hund nennt: Mit eiserner Hand führt er seine Farm und seine Familie. Wenig Respekt zeigt er für seinen Nachbarn, den mexikanischstämmigen Don Pedro Garcia (Carlos Bardem) und für Mexikaner im Allgemeinen. Als sein Ölförderturm niederbrennt, lässt er kurzerhand Garcias der Tat bezichtigten Schwiegersohn entführen und foltert ihn später eigenhändig. Mehr auf Diplomatie und Vernunft aus ist Pete, der jedoch auch nicht lange fackelt, als der Entführte ihn angreift. Enkelin Jeannie tritt in den ersten Folgen nur kurz als intelligentes, aber auch auf großmäulige Art selbstbewusstes Mädchen in Erscheinung, das Arbeiter von oben herab behandelt. Richtig sympathisch ist einem jedenfalls niemand aus dieser reichen Familie.

Parallel dazu wird die Geschichte des jungen Eli erzählt, der ein Jahr nach dem amerikanisch mexikanischen Krieg bei einem Indianerüberfall von Comanchen entführt und dort versklavt wird. Im Laufe der Zeit wird er mehr und mehr zu einem vollwertigen Mitglied des Stammes als Ziehsohn des Häuptling Toshaway.

Dieser Part der Geschichte ist der eigentlich interessantere Teil, der zwar auch nicht frei von Klischees ist, aber trotzdem die Wandlung, die Anpassung des jungen Weißen an ein anderes System sehr schön zeichnet. Wahrscheinlich soll diese Geschichte auch zeigen warum der alte Eli mittlerweile ein ziemlich gnadenloser Mann geworden ist. Bis auf die durchaus gelungene Erzählung der eher gegensätzlichen Eli und dem feinfühligeren Sohn Pete bleiben die Handelnden und deren Geschichte jedoch weitgehend stereotyp und eindimensional, leider.

Natürlich wird es eine 2. Staffel geben, die dann hoffentlich besser ist.

Dass eine ausgezeichnete Ausstattung, Setting und namhafte Schauspieler mittlerweile in den USA zum Serienstandard gehören, daran sind wir gewöhnt. Aber das allein reicht dann doch (noch) nicht aus.

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Alt  01.10.2017, 07:29   # 72
kuching
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Bankerot - Dänemark (deutscher Titel: „Helden am Herd“) – ARTE

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Bankerot_1.jpg   Bankerot_2.jpg   Bankerot_3.jpg   Bankerot_4.jpg   Bankerot_5.jpg  

Immer wieder frage ich mich, warum nur die Skandinavier (und da zähle ich jetzt DK einfach mal dazu) es immer wieder schaffen, eigentlich schwierige oder dröge oder sperrige Stoffe mit einer sehr viel weiter südlich vermuteten Leichtigkeit zu erzählen. Es ist ein Phänomen und egal um welches Sujet es sich handelt – Noir, Drama, Polit – es ist (fast) immer ein Genuss zuzusehen, wenn man denn sich auf das sehr gemächliche Tempo einlässt und dabeibleibt.

Thomas (Martin Buch) ein alkoholkranker, legasthenischer Sommelier wohnt mit seinem Sohn in einer Bruchbude. Sein Sohn ist, seitdem er den Tod der Mutter mitansehen musste, verstummt. Dion (Esben Dalgaard Andersen), ein früher Freund von Thomas, wird auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen und hat noch Schulden bei einem Mafioso („Zahnfee“, denn er schlägt gerne den Schuldnern mit einem Kuhfuss die Zähne aus). Dion überredet Thomas aus der Bruchbude ein Restaurant zu machen, schließlich ist er ein begnadeter Koch und muss seine Schulden begleichen. Als würde das noch nicht reichen, tritt auch noch die naive Hannah mit einem knallroten Mantel in das Leben der beiden Freunde (sie besucht Selbsthilfegruppen von Verwitweten, denn schließlich sind diese wirklich frei, also ohne Frau).

Viele weitere bis ins kleinste Detail sehr sicher und auf den Punkt besetzte und erzählte Nebenrollen runden das Ganze ab. Natürlich werden die Hürden immer höher, die Schwierigkeiten immer größer, alles erscheint immer auswegloser und doch ist, bei aller Tristesse (gerade auch bei den Farben des Sets), immer Hoffnung da auf ein Happy End. Aufgegeben wird nicht und seien die Verwicklungen und Wendungen auch noch so entmutigend.

Es ist hart genug für eine Mafia-Story, witzig und skurril genug für eine schwarze Komödie und weich genug für eine Romanze. Aus vielen Zutaten wurde ein Feinschmecker Menü mit einer „Textur“ geschaffen, die mich verzückt hat.

Die Macher Kim Fupz Aakeson, Henrik Ruben Genz, Annette K. Olesen und Mikkel Serup sind allesamt „Berlinale“ erfahren. Da kommt also das Kino in Form einer kleinen Serie auf den Bildschirm und das so stark und kräftig und dann doch wieder so subtil, dass es einen fesseln muss. Das ist kleines und doch so großes Kino!

Einen deutschen Trailer habe ich nicht gefunden, der dänische Clip gibt aber die Atmosphäre bestens wieder.

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Alt  30.09.2017, 21:50   # 71
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Berlin Station - Epix

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BerlinStation_2.jpg   BerlinStation_1.jpg   BerlinStaion_3.jpeg  
Ein Mann läuft, nachdem er auf dem Gebäude Potsdamer Platz 1, einem stilsicher an die Art Déco Hochhäuser in den 20er Jahren in den USA erinnernd (Architekt Hans Kollhoff), auf der Aussichtsplattform etwas gesucht hat und nun das Gebäude schleunigst verlassen muss, über den Potsdamer Platz und wird in den Rücken geschossen. Ein Mann tritt auf ihn zu, untersucht ihn und fragt, wo „er es denn versteckt habe“. Der Angeschossene lächelt nur…

Szenenwechsel: eben dieser angeschossene Mann geht durch einen Bach in einem Dschungelgebiet in Panama, 2 Monate zuvor…

Schönes Bild, dieser Hinweis auf die Panama Leaks, man weiß nun auch ohne ein Wort um was es geht: der Angeschossene ist Daniel Miller (Richard Armitage), ein Analyst der CIA, der alsbald in die „Berlin Station“ versetzt wird um dort nach einem Leck zu suchen. Ein CIA-Mitarbeiter veröffentlicht über die Berliner Zeitung pikante und geheime Details über die Arbeitsweise der CIA.

Es ist, bei allem Wohlwollen und Gefallen an der Geschichte, doch eine recht konventionelle Spionage- oder Geheimdienst-Story geworden, die mit schönem Berliner Lokalkolorit versehen durchaus ihre Reize hat. Man hat hier Wert auf Authentizität gelegt und eben kein „Postkarten-Berlin“ gezeigt. Eher die tristen Ecken in Kreuzberg und dem Wedding, Platten und der nunmehr völlig heruntergekommene Teufelsberg, die alle haben Ihre Auftritte. Grau und braun, düster und wenn, dann nur mit fahler Sonne präsentiert sich ein unprätentiöses Berlin. Wenig Anklänge an das hippe Berlin…

Und ja, der CIA, der Mossad und natürlich der BND, die haben so ihre unterschiedlichen Ziele und versuchen diese jeweils auf ihre Art und Weise zu erreichen. Doppelagenten, das übliche Verwirrspiel, ein bisschen Sex mit der Deutschen aus dem Osten und nun beim BND, der Station-Leiter Steven Frost vögelt seine Assistentin, wird aber von seiner Frau dennoch, als es später eng wird, weiter unterstützt. Ein bisschen Waterboarding, ein paar Anklänge an das „Stockholm-Syndrom“, ein arabischer Mädchenhändler(?), der junge Frauen zum IS rekrutieren will oder vielleicht war es doch der rumänische Geheimdienst?

Und mittendrin Daniel Miller und sein alter Partner Hector DeJean (Rhys Ifans u.a. „Notting Hill). Hector der undurchsichtige und etwas zwielichtige Agent, der auch mal eben mit einem schwulen Saudi rummacht, weil die Infos, die müssen fließen. Die deutsche Riege ist auch nicht zu verachten (Bernhard Schütz, Mina Tander, Claudia Michaelsen und Sabin Tambreau – beide u.a. „Ku´damm 56“).

Letztendlich, wenn man genau aufpasst, wird doch schon deutlich vor dem Ende klar, wer denn der Whistleblower Thomas Shaw ist, aber wer erinnert sich schon immer an jede Szene?

Es ist nicht unspannend erzählt, man mag sich schon mit den Figuren indentifizieren und Berlin gibt einen passenden Rahmen ab. Man darf nur nicht zu viel erwarten, es ist zweifelfrei sehr ordentliche Unterhaltung, aber eben nix Neues im Westen.

Titelsong von David Bowie: I´m afraid of americans

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Alt  12.07.2017, 16:48   # 70
kuching
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4 Blocks – auf TNT (wird derzeit wiederholt)

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4-blocks.jpg   4-blocks_1.jpg   4-blocks_2.jpg   4-blocks_3.jpg   4-blocks_4.jpg  

Vorbemerkung

Eine neue deutsche Serie und dazu eine große Herausforderung, berührt sie doch ein Thema, das manchmal rational, viel häufiger jedoch emotional „diskutiert“ wird und letztendlich eines ist, bei dem alle mitreden können und wollen, weil es einerseits die Urängste vor Gesetz- und Hilflosigkeit und andererseits einfach die Schlagzeilen beherrscht, jedenfalls zuverlässig von Zeit zu Zeit.

Amerikanische Serien über die „Gesetzlosen“ gibt es zuhauf. Da es weit weg von uns spielt, ist es wesentlich leichter, Klischees erst gar nicht an sich heranzulassen, eventuell sogar „Sympathien“ für die „Gesetzlosen“ zu empfinden und den gnadenlosen Blick auf die Deformationen in der Gesellschaft sogar zu genießen. Mag man die Schauspieler, man beurteilt die filmische Erzählung, Optik, die Produktion und freut sich ehrlich über den Showrunner, der das alles im Griff hat und uns im besten Fall ein paar tolle Stunden Unterhaltung auf höchsten Niveau beschert.

Und nun Neukölln und/oder Kreuzkölln, der Görlitzer Park, die Sonnenallee, die Karl-Marx-Straße, der „Kotti“? Ein Glas wohlschmeckender, bestens gekühlter Weißwein und einen Espresso nach dem Verzehr einer schönen Portion spagetthi al pesto auf der Couch sitzend und mit wohligem Schauer die Serie anschalten, geht das überhaupt? Es kommt darauf an….

Handlung

4 Blocks handelt und spielt in Neukölln. Ein libanesischer Familien-Clan, deren Hauptprotagonisten sehr lange vor der aktuellen Flüchtlingskrise nach Deutschland kamen (in den 80igern, damals wohl vertrieben von christlichen Milizen und die in Deutschland nur zu einem kleinen Teil als anerkannte Flüchtlinge Asyl erlangten), leben als „Geduldete“ in Berlin und dürfen nicht arbeiten („Jeder Asylant hat mehr Rechte als wir“). Trotzdem fahren sie AMGs und wohnen in besonders schönen Berliner Wohnungen, haben riesige Flat-Screens und natürlich alle schöne Frauen. Die Berliner Polizisten kommen eher blass und unterprivilegiert daher. Kein Wunder, sind die Libanesen doch groß im Schutzgeld-, Drogen-, Prostitutions- und Automatengeschäft unterwegs. Die jungen Mitglieder des Clans schauen derweil, dass die Afrikaner, die den Stoff im „Görli“ verticken, auch anständig arbeiten. Dabei wird sich auch schon mal über Jogis „falsche 9“ und „Müller ist kein richtiger Stürmer“ unterhalten und das Adidas-Shirt der deutschen Nationalmannschaft scheint überaus beliebt zu sein.

Ali –„Toni“ Hamady, der Boss des Clans (gespielt von Kida Khodr Ramadan) will sich eigentlich mit Frau und Kind ins Privatleben zurückziehen. Nach 26 Jahren winkt endlich der deutsche Pass, er will sich ein Mietshaus kaufen und richtig bürgerlich werden. Da wird bei einem Polizeieinsatz sein Schwager Latif (Wasiem Taha alias Rapper „Massiv“) hochgenommen, das Rauschgift beschlagnahmt und er muss wieder ran und die Probleme lösen, vor allem Nachschub besorgen. Das ist alles andere als leicht und selbst ein weiterer Clan kann da nicht helfen („Wir haben damals in Beirut den Bürgermeister gestellt, ihr habt nur die Ziegen gehütet“). Eine Rockergang macht Ihnen auch noch Revier und Geschäft streitig und zu alledem ist auch noch ein Polizist eingeschleust worden (Vince, gespielt von Frederik Lau).

So nimmt das Unheil seinen Lauf. Alis Bruder Abbas (Veysel Gelin) überaus aggressiv, ist sowie schon der Meinung, Ali sei zu weich geworden. Seine Frau Kalila (Maryam Zaree) macht auch noch Druck und traut Ali und seinen Versprechungen von einem Ausstieg nicht mehr…

Schlussbemerkung

Die Umsetzung ist für eine deutsche Serie phänomenal gut gelungen. Da stimmt der Sound (den liefern Veysel und Massiv), die Dialoge, die Schauspielerwahl ist sehr stimmig und Berlin respektive Neukölln an der Grenze zu Kreuzberg bildet den für die Geschichte würdigen und atmosphärischen Rahmen. Die Schlussfolge bietet den passenden Höhepunkt und genug Spielraum für eine Fortsetzung.

Diedrich Diederichsen schrieb in der ZEIT:

Zitat:
Den deutschen Blick auf das arabische Leben in Berlin und den männlichen auf die Gangsterbräute erst mit ein paar Stereotypen bedienen, diese dann wieder dekonstruieren und dabei noch klar erkennbare Figuren herstellen, die nicht zu holzschnitthaft ausfallen sollten – das macht viel Arbeit.
Und diese Arbeit hat sich gelohnt. Es ist natürlich nicht das gesellschaftspolitisch erklärende oder verbrämte Einwanderungsdrama, nicht das „Zeigefinger heben“-Feature im politischen Diskurs, es ist eben doch „nur“ eine Mafia oder Familien-Clan-Geschichte, die aber dennoch nicht aus der Zeit fällt oder im leeren Raum schwebt, sondern zum Teil sehr fein gezeichnet der politischen oder gesellschaftlichen Sprengkraft ihren Platz lässt: sei es bei den Anleihen an der Böll´schen „Anekdote über die Arbeitsmoral“ oder beim Vorwurf an den jungen und hippen Kneipier, der nur englisch spricht und kann, „…er solle gefälligst deutsch reden, man sei ja schließlich in Deutschland…“ bis hin zur Aussage, dass „..wir nicht für Deutsche arbeiten…“.

Es ist wie es ist… Die Serienmacher haben sich auf die „Mafia-Geschichte“ konzentriert ohne den Rest zu verschweigen. Jeder mache sich sein eigenes Bild und bei alledem darf nie vergessen werden: dies hier ist alles nur Show im TV. Für das wirkliche Leben hat Mark Twain einen passenden Spruch:

“Truth is stranger than fiction, but it is because fiction is obliged to stick to possibilities; Truth isn't.”

Die 2. Staffel ist schon bestellt…



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Alt  03.07.2017, 12:56   # 69
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American Crime – Der amerikanische Alptraum

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American Crime.jpg  
Natürlich, wie der Name schon sagt, ist ein scheußliches Verbrechen der Aufhänger der Serie, nur dass dieses Mal nicht die Ermittler und deren kaputte Seelen im Mittelpunkt stehen, sondern die, die mit dem Verbrechen als Opfer, Angehörige oder vermeintliche Täter in Verbindung stehen. Es wird ein schonungsloser Blick auf deren Leben inmitten von Rassismus, Genderwahn, Drogen und den eigenen gescheiterten Lebensläufen geworfen. Es ist das Amerika vor Trump und wenn man sich das so ansieht, dann könnte man – vielleicht - eine Ahnung bekommen, warum nur um Himmels willen die Verzweiflung so groß gewesen sein muss irgendeinen zu wählen, nur um überhaupt was zu ändern und sei auch das alles nur vergebene Mühe.

Es ist nur deprimierend, scheinbar ausweglos und auch wenn sich Einzelne noch so sehr bemühen amerikanischer und weißer zu sein als die Etablierten, sie laufen ab einem gewissen Punkt nur gegen die Wand. Verbitterung und Hilflosigkeit allerorten und als die schnelle und einfache Lösung eben doch nicht die Lösung oder besser gesagt, die Erlösung ist, scheinen auch die Reste von vielleicht zufriedenem Leben in sich zusammen zu fallen.

“Weren’t you very desirous to be done with your father and your racist mother? It’s a show. It’s over now.”

Es ist ein schonungsloser, ja fast selbst zerfleischender Blick auf God´s Own Country, da ist kein Glamour, keine First Nation Attitude, nur noch Leere, absolute Leere. Und wieder einmal hat ein – dieses Mal sehr bekannter US-Fernsehsender, ABC – den Mut gehabt eine solche Serie in Auftrag zu geben. Wäre so etwas in Deutschland möglich, zur Prime Time in ARD oder ZDF? Nein, wohl nicht… Vielleicht auch deswegen, weil man in der amerikanischen Serie eben nicht den Zeigefinger heben will: lasst die Bilder sprechen, sie sagen mehr als 1000 Worte. So wird auf die soldatische und unehrenhafte Vergangenheit des toten Ehemanns eingegangen, aber eben nicht mit anschwellender, bedeutungsschwangerer Musik und überdeutlichem Hinweis auf die Bilder. Nein, die Photos werden fast beiläufig in der Hand des Vaters gezeigt, 3 bis 4 Stück, die er sich ansieht und dann verbrennt. Mit dieser kurzen Sequenz ist alles gesagt und gezeigt, es muss nichts mehr erklärt werden, wir wissen Bescheid.

“If we as a people cannot forgive, then we as a people are cursed to hate.”

Die Moral von der Geschichte? Es gibt keine Moral mehr, sie hat ausgedient, ist gekündigt worden… Nur das nackte Überleben zählt noch in diesem Dschungel und irgendeiner muss doch Schuld haben und bezahlen, nur nicht ich und wenn doch, was hätte ich tun sollen, wenn alle anderen auch so sind und ich es einfach nicht schaffe stärker zu sein. Und die, die sich vielleicht doch mehr lieben als die anderen verlogenen Leute um sie herum, die haben von vorneherein eigentlich keine Chance. Das Leben aller betroffenen Personen bekommt eine grundsätzliche und unumkehrbare Wendung. Auch wenn für einen Teil Flucht eine Lösung zu sein scheint, so merkt der Zuseher doch oder er befürchtet sogar, das wird das Ende noch nicht sein.

“If the only reason I’m fighting is to save me.”…“Well I don’t know how to be good to myself like that anymore.”

Das ist auch kein Spoiler, das kann nicht „verraten“ werden, es ist der Gang dieser Geschichte, wie vorbestimmt… Es gibt keinen Ausweg, jedenfalls für die meisten in der Erzählung. Es ist wie das Ende der scheinbar heilen Konsens-Welt des zivilisierten Mittelstands, die da gerade beginnt zusammen zu krachen. Man kann ihnen nicht einmal die große „Vorwurfskarte“ hinhalten. Sie sind Gefangene ihrer Biographien, sie „können“ nicht anders und letztendlich scheitern alle Versuche das Seelenheil zu erlangen. Keiner kommt unbeschädigt raus aus der Geschichte, bis auf vielleicht eine Person – aber dazu mehr später unter „Spoiler“.

Wieder einmal ist den Amis ein ganz großer Serienwurf gelungen und wieder einmal waren Leute aus Hollywood nicht unmaßgeblich beteiligt. Die Qualität der Erzählung solcher Geschichten ist nach wie vor – fast – unerreicht und führt uns dann zu meinem Eingangsposting zurück: die besseren Geschichten werden zurzeit im TV erzählt. Natürlich läuft auch dort im Seriensegment viel belangloses Zeugs aber immer wieder gibt es Großartiges zu sehen.


Produktion und Idee stammen von John Ridley (Oscar fürs Drehbuch zu „Twelve Years A Slave“).

Nachdem ihr Sohn und Kriegsveteran Matt bei einem Einbruch ermordet wird und seine Ehefrau Gwen schwer verletzt wurde, suchen die geschiedenen Eltern Barbara Hanlon (Felicity Huffman, „Desperate Housewives) und Russ Skokie (Timothy Hutton, Oscar für „Eine ganz normale Familie“) nach Gerechtigkeit für den Verlust ihres Sohnes. Auch die Schwiegereltern von Matt, deren Tochter Gwen im Koma liegt, suchen einen Weg, um mit der schwierigen Situation zurechtzukommen. Als die Polizei vier Verdächtige festnimmt, kommen ungeahnte Geheimnisse zum Vorschein, welche die beiden Familien der Opfer vor weitere Bewährungsproben stellen. Derweil kämpfen die Verdächtigen und deren Angehörige gegen Rassendiskriminierung, das amerikanische Justizsystem und die Ressentiments der Opferfamilien.





Achtung Spoiler!!!

Hector der illegale Mexikaner, der glaubte er könne einen Deal machen, um dann doch wieder zurück nach MEX zu müssen, kommt scheinbar als einziger „Gewinner“ aus der Geschichte raus.

Es wird nie klar, wer denn jetzt eigentlich das Verbrechen begangen hat und imho spricht einiges dafür, dass es Hector war, anderes wiederum aber auch nicht. Aubrey war es meiner Meinung nach nicht, auch wenn sie angeblich „Täterwissen“ hat. Sie gesteht nur, weil sie Carter retten will. Carter, der in der letzten Folge seiner Schwester etwas ins Ohr flüstert, worauf diese sehr bestürzt reagiert, könnte natürlich – und das ist dann auch die wahrscheinlichste Lösung – der Täter sein. Das würde auch das „Täterwissen“ von Aubrey erklären…


Spoilerende
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Alt  09.06.2017, 07:59   # 68
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„Mörderisches Tal - Pregau“ und „Hindafing“ – zwei Mal mit Maximilian Brückner

Ein wirklich guter Schauspieler ist er ja schon, der „Maxi“ Brückner, damals recht unsanft aus dem Saarland-Tatort geworfen und auch hier in den beiden Miniserien gibt er sein Bestes. Moderner Heimatfilm als Serie aufgeblasen oder die Neue Deutsche Serienwelle?

Jedenfalls sind beide Werke für das, was im deutschsprachigen Raum größtenteils sonst so produziert wird, doch recht gelungen und völlig frei von den üblichen Super-Peinlichkeiten, wäre da nicht wieder der – wenn auch „versteckte“ – Hinweis auf die großen Vorbilder der skandinavischen oder amerikanischen Serien Highlights. Ich kann das nur wiederholen: man sollte sich das endgültig sparen. Diese beiden Miniserien sind das nicht, was man wohl gerne hätte: die deutsche Antwort auf den schon längst in voller Fahrt rasenden Serienzug. Beide Serien spielen in der Provinz. „Pregau“ in einer kleinen Stadt in der Steiermark (Eisenerz) und „Hindafing“ ist im weiteren Donautal, irgendwo an der Grenze Oberbayern/Niederbayern, ebenfalls im „nowhere“ angesiedelt.

Die jeweilige Hauptfigur (Maximilian Brückner) darf ordentlich aufs Gas drücken, mir war das manchmal ein bisserl zu viel, vor allem bei 4 langen oder 6 kürzeren Folgen, weil die Hauptfigur eben nur eine Aufgabe hat: retten was zu retten ist und dabei natürlich nur immer tiefer in den Schlamassel gerät. Alles das ist doch vorhersehbar, die Wendungen schmal und wenn, dann etwas zu dick aufgetragen. Was ich kritisiere ist: es fehlt eine ordentliche Portion Lakonismus, etwas was ich an der Serie „Patriot“ so bewundere.

Mörderisches Tal – Pregau

Hannes Bucher, der örtliche Kriminalinspektor, aus seiner alten Dienststelle weg gemobbt, versucht mit seiner Frau Maria (mit Ursula Strauss sehr gut besetzt) einen Neuanfang. Marias Familie hat das Sagen in Pregau und liefert sich mit einer anderen Großfamilie den „Kampf“ um die Vorherrschaft im Ort. Eine Tierkörperverwertungsanstalt, eine Ortsumgehung, uralte Feindschaften und mittendrin Bucher, der einen folgenschweren Fehler begeht:

"Wenn ich diesen einen Fehler nicht gemacht hätte, dann wären niemals so viele Menschen gestorben", sagt er zu Beginn der Serie und so geht es für ihn nur noch darum das Passierte zu vertuschen und das Nachfolgende in den Griff zu bekommen. Armin Rhode darf dazu noch einen Nebenrollen-Sonderling mit der ihm eigenen Präsenz und Kraft spielen.

Nicht schlecht gemacht das Familiendrama für Erwachsene, aber nach 4 Folgen war es dann auch wirklich genug….




Hindafing

Alfons Zischl ist Bürgermeister in Hindafing, mit seinem Windpark pleite gegangen und sieht nun mit einem aus der N*S*-Zeit stammenden Bau einer Konservenfabrik die Chance auf ein modernes Öko-Donaueinkaufszentrum, bis ihm dann die Flüchtlinge, seine notorische Pleite, der andauernde Kokskonsum, Fracking, Tierabfälle aus der Ukraine beim örtlichen Schlachter, ein schwuler Pfarrer und ein türkisch-stämmiger Polizist, deutscher als das, was man sich als deutschen Beamten vorstellen könnte, in die Quere kommen.

Zischl sitzt in einem Boot mit Löchern auf einem See und versucht mit den Fingern diese Löcher zu stopfen, so habe ich das irgendwo gelesen und das trifft es ganz gut. Zwischen arrogantem Arschloch und jammerndem kleinen Kind, die ganze Bandbreite deckt Maximilian Brückner ab, durchaus virtuos, aber auch hier gilt: nach sechs Folgen war es wirklich genug. Dennoch eine grundsätzliche Empfehlung: bitterböser Witz, das gibt es ordentlich, kleine feine Anspielungen auch und wenn man sich beim teilweisen „over acting“ etwas zurückgenommen hätte, dann wäre daraus eine uneingeschränkte Empfehlung geworden.

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Alt  02.04.2017, 18:51   # 67
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Kurze Reviews – „Fortitude“ und „Trapped – Gefangen in Island“

Beide Serien spielen im hohen Norden: „Fortitude“ auf einer Insel (Inselgruppe Spitzbergen) in der Arktis und „Trapped“ eben auf Island. Beide Serien kann man als „Scandic Noir“ bezeichnen und der heimliche Hauptdarsteller ist – natürlich – die Natur.

Fortitude

Die Serie (Staffel 1, Staffel 2 läuft derzeit auf Sky) hat deutliche Mystery-Elemente, ein Teil der Handlung sei hier beschrieben (aus Wikipedia kopiert):

Nach dem Angriff eines Eisbären auf den an einen Sendemast geketteten Geologen Billy Pettigrew liegt dieser schwer verletzt im Schnee und wird bei lebendigem Leib aufgefressen. Der renommierte, aber schwer krebskranke Tierfotograf Henry Tyson beobachtet die Szene und versetzt Pettigrew vermeintlich unabsichtlich den Gnadenschuss. Wenige Monate später entdecken die spielenden Kinder Liam Sutter und Carrie Morgan ein Mammutskelett am zurückgegangenen Gletscher, in welchem Fortitudes Gouverneurin Hildur Odegard ein Eishotel errichten möchte, um den Tourismus zu fördern und Fortitude vom Bergbau unabhängiger zu machen. Kurze Zeit später wird der Wissenschaftler und Umweltschützer Charlie Stoddard brutal ermordet. Durch diese Vorkommnisse sieht die Gouverneurin ihre Pläne, den Ort für den Tourismus zu öffnen, in Gefahr. Der aus London eingeflogene Ermittler Eugene Morton soll zur Aufklärung des Mordes den hiesigen Polizeichef Dan Andersen bei den Ermittlungen unterstützen.

„Fortitude“ ist alles in allem eine gut gespielte und mit einem anständigen Plot versehene Serie, der die Mystery-Elemente guttun. Spannend ist es allemal, auch wenn es imho ein paar Längen hat. Etwas eindimensional wirkt auf Dauer die doch sehr karge Winterlandlandschaft, das muss man schon mögen. Die Figuren sind jedoch sehr fein und mehrdimensional gezeichnet und es ist keine Serie, die man mal so nebenher schaut.






Trapped – Gefangen in Island (lief vor kurzem im ZDF)

Hat mir nicht so wirklich gefallen, ich habe mich schon etwas quälen müssen. Die Geschichte ist eher herkömmliche Krimikost. Regie und Idee: Baltasar Kormakur, ein nicht unbekannter Regisseur.

Die Einwohner des Fischerdorfes sehen sich sowohl mit mysteriösen Todesfällen als auch einem eisigen Schneesturm konfrontiert, der das Dorf über Tage von der Außenwelt abschneidet. Gefangen in dieser Ausnahmesituation kommen Wahrheiten ans Licht, die das Leben aller Beteiligten verändern.

Wenn auch hier die Natur nicht eine so breite Präsenz hätte und zum Beispiel in einer „normalen“ skandinavischen Stadt spielen würde, hätte ich es beinahe banal gefunden. Die Serie hat aber gute Kritiken bekommen, nur ich konnte mit ihr wenig anfangen…

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Alt  23.03.2017, 21:54   # 66
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Vikings 1- 4 von Michael Hirst

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Ragnar Lothbrok.JPG   Lagertha.JPG   König Egbert von Wessex.JPG   Floki.JPG   Bjorn einer der Söhne Ragnars.JPG  

Es ist und bleibt natürlich nur Fernseh-Unterhaltung und kein Geschichtsseminar, was uns Showrunner Michael Hirst da in 4 Staffeln präsentiert hat. Es bleibt aber, vielleicht auch gerade deswegen, ein sehr angenehmes Gefühl zurück. Nichts zum „Niederknien“, jedoch gehobene Unterhaltung in prächtiger Ausstattung mit zum Teil sehr guten Schauspielern und jeder Menge ausführlicher Kampfszenen. Wer hier geschichtliche Genauigkeit erwartet sollte es lieber lassen, wer sich aber gerne gut unterhalten lassen möchte, dem kann ich die Serie empfehlen.

Bisher wurden 4 Staffeln gedreht, die fünfte ist beauftragt bzw. in Produktion. Die Serie betrachtet den Beginn der Wikingerzeit im Frühmittelalter und thematisiert sowohl die nordische Mythologie (ja auch der Blutadler kommt vor, Menschenopfer usw.) als auch die Berührung mit dem Christentum und der sich daraus ergebenen Zwiespälte und Widerstände sowie natürlich die Raub- und Beutezüge nach England, Paris und ins Mittelmeer. Und wie es sich gehört, ordentlich gevögelt wird auch.

Die Hauptpersonen sind Ragnar Lodbrock, König von Kattegat, die Schildmaid Lagertha und die Söhne Ragnars sowie der geniale Schiffsbauer Floki und viele mehr. Die ganze Serie wird aber sicher von Ragnar getragen, verkörpert von Travis Fimmel, der ihm genau das Ausmaß an Vielschichtigkeit gibt, das seine Faszination ausmacht. Ragnar Lodbrok ist eine Figur aus der nordischen Sagenwelt. Ob wer wirklich gelebt hat ist nicht sicher. Die Figur der Lagertha ist an eine nordische Kriegerin angelehnt. Verkörpert wird sie von Katheryn Winnick.

Wie immer sei auf die ausführlichen Reviews bei http://www.serienjunkies.de/vikings/ verwiesen und bei Wikipedia findet man auch so einiges zum Nachlesen. Zusätzlich findet man bei ganz einfacher Suche auch sauber aufgelistete „Fehler“: einer davon ist, dass die Wikinger wohl grundsätzlich immer mit Helm kämpften, was sie in der Fernsehserie nicht tun… Na ja, das war wohl der Optik wegen und ist für mich eine kleinkrämerische Feststellung: natürlich ist das hier eine eigene Kunstform, die mit der Wirklichkeit nicht Schritt halten muss. Wozu auch? Wie es ganz genau und hundertprozentig richtig war, kann eh keiner in aller Zuverlässigkeit beurteilen. Es ist, wenn auch an Geschichte stark angelehnt, eben doch Fiktion.

Vikings ist eine der Serien, die mit zunehmender Staffelanzahl/-dauer besser wird. Die Staffel 4 ist besonders lang: 20 Folgen à ca. 45 Minuten und die 2. Hälfte dieser Staffel ist für mich der Höhepunkt der Entwicklung, wenn auch mit einer – sicher ganz und gar nicht überraschenden – Entwicklung, die die Gefahr birgt, dass die Stringenz verloren geht, die Pole der Serie sich verschieben und zwar so, dass der Reiz weg sein könnte.

Achtung Spoiler!!!

Die Serie steht und fällt imho mit Ragnar Lodbrok, der von Travis Fimmel ganz wunderbar verkörpert wird. Allein die Folge, als er gefangen genommen wird, der Dialog mit König Egbert von Wessex und das Ende sind absolut sehenswert. Dem steht das Ende von Egbert wenig nach, ebenfalls unter die Haut gehend inszensiert. Da sind doch so manch andere Figuren ein wenig holzschnittartig ausgefallen.

Nun denn, in der letzten Folge der Staffel 4 tritt ganz am Schluss schon Jonathan Rhys Meyers als Bischof Heahmund auf, ein alles andere als gewöhnlicher Geistlicher. Das wird dann vielleicht doch ganz spannend zu sehen sein, wenn er auf einen Sohn von Ragnar trifft: „the ruthless and boneless“ Yvar.

Ende Spoiler!!!

Alles in allem mehr als nur gelungen und ich freue mich schon auf Staffel 5, die wohl auch wieder 20 Folgen haben soll…

Trailer Staffel 1:



Trailer Staffel 4:

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Alt  01.03.2017, 09:09   # 65
kuching
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Power – Staffel 1-3 (in Deutschland u.a. auf AXN)

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Ghost - James St. Patrick.jpg   Tommy Egan.jpg   Angela Valdes.jpg   Tasha St. Patrick.jpg   Kanan.jpg  

„Ghost“ James St. Patrick (Omari Hardwick) und Tommy Egan (Joseph Sikora) kennen sich seit der Kindheit, sind fast wie Brüder in einer üblen Gegend aufgewachsen und nun ganz dick im Drogengeschäft. „Ghost“ hat einen hippen und angesagten Club in New York, das „Truth“, über den das Drogengeld gewaschen wird. „Ghost“ und Tommy sind Partner im Drogenhandel. Tasha ist Komplizin der beiden.

Staatsanwältin Angela Valdes, die Jugendliebe von „Ghost“, tritt zufällig nach 15 Jahren wieder in sein Leben. „Ghost“ ist zwar mit Tasha verheiratet und hat mit ihr 2 Kinder, die Ehe ist jedoch nicht mehr als glücklich zu bezeichnen. „Ghost“ beginnt mit Angela wieder eine Beziehung, die natürlich mehr als nur ein wenig heikel ist, ist sie doch im Dezernat gegen den Drogenhandel eingesetzt.

„Ghost“ versucht mehr und mehr aus dem Drogenhandel auszusteigen und investiert weiter in neue Clubs, argwöhnisch von Tommy beäugt.

Soweit die grundsätzliche Geschichte der 3 Staffeln bisher. Diese Konstellation ist ja nicht so unreizvoll, in allen Beziehungen hakt es irgendwo und alle tanzen quasi auf der Rasierklinge. Die Drogen-Staatsanwältin mit dem Dealer, der endlich seriös werden will, die betrogene Ehefrau als wandelnde Zeitbombe und der durchgeknallte Ire, der nichts anders kann als Drogenhandel.

Es wird sehr viel gevögelt, nicht wenig gekokst und andauernd gemordet. Die verschiedenen Drogenkartelle sind hübsch und beinahe Trump-mäßig besetzt: Mexikaner, Südamerikaner, Albaner, Russen und Chinesen. Nachdem aber die Geschichte über 3 Staffeln gehen muss – 2 weitere sind wegen des großen Erfolgs in den USA schon beauftragt – dreht sich das alles leider auch mehr oder weniger im Kreis. Wenig neue Entwicklungen sind möglich und das Ganze noch weiter auf die Spitze treiben geht fast nicht mehr.

Einiges passiert auf erstaunliche Weise sehr schnell und leicht, anderes wiederum ist ziemlich zäh. Die Figuren entwickeln sich nicht wirklich weiter, ein ewiges Karussell. Nicht unhübsch inszeniert, tolle Ausstattung – aber eben auch oft sehr flache Dialoge.

Hm… „nette“ Unterhaltung ohne Anspruch….
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Alt  22.01.2017, 17:57   # 64
kuching
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Ray Donovan - Showtime (Staffel 1-4)

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Liev Schreiber.jpg   Jon Voight.jpg   Eddy Marsan.jpg   Dash Mihok.jpg   Paula Malcomson.jpg  



Obwohl auch im ZDF bzw. in ZDFneo laufend, findet „Ray Donovan“ in der deutschen Kritik fast nicht statt. Zu Staffel 1 gab es ein paar Zeilen der großen Blätter, eher durchwachsen, seitdem aber herrscht da fast Ruhe. 4 Staffeln wurden gedreht und gezeigt und die Staffel 5 ist schon in Auftrag gegeben. In den USA ist sie also sehr erfolgreich.

Ich finde, sie ist eine der meist unterschätzten Serien. Jedes Mal habe ich mich auf die neue Staffel gefreut und wurde nicht enttäuscht.

Die Donovans, eine irisch stämmige Familie aus South Boston hat es nach L.A. verschlagen, genauer gesagt wohnen sie Calabasas, einem noblen Vorort von L.A. Ray Donovan (Liev Schreiber) ist ein sogenannter „Fixer“, einer der die Probleme der Reichen und Schönen in L.A. möglichst diskret aber dennoch kompromisslos lösen soll. Beauftragt wird er von den Anwälten “Ezra Goldman“ (Elliot Gold) und „Lee Draxler“ (Peter Jacobson = Dr. Taub aus Dr. House).

Verheiratet ist Ray mit Abby in einer eher schlecht zu nennenden Ehe. Sie haben 2 Kinder „Bridget“ und „Connor“. Ray hat noch zwei Brüder: „Bunchy“ (Dash Mihok) ist alkoholkrank und emotional noch nicht erwachsen, „Terry“ (Eddie Marsan) betreibt ein Box-Gym und ist nach kurzer aktiver Karriere an Parkinson erkrankt. Und da gibt es noch den Halbbruder Daryll….

Einer der Gründe für den Umzug nach L.A. war die Inhaftierung des kriminellen Vaters, „Mickey Donovan“ (Jon Voight), der Hauptgrund war aber ein lange zurückliegendes Ereignis, das die Familie immer noch traumatisiert. Bei den Schlagworten, „irisch“ und damit „katholisch“ und „South Boston“ sollte klar sein worum es geht: Missbrauch durch einen katholischen Priester.

Neben allen Geschichten der einzelnen Staffeln und der Auseinandersetzung von Ray mit Mafia und anderen Schwerstkriminellen, ist es doch ein klassisches Familien-Drama mit dem roten Faden des Kindesmissbrauchs durch die katholischen Priester. Das Ganze wird umso schwieriger und explosiver, als Mickey vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird und nach L.A. kommen will, um wieder zusammen mit der Familie zu leben, was vor allem Ray um jeden Preis zu verhindern sucht.

Es ist, ohne allzu große Übertreibung, ein kleiner L.A. Noir geworden und obwohl die meiste Serien-Zeit bei Tageslicht spielt, ist alles ist düster, sehr dunkel, mit wenig Hoffnung auf langfristige Besserung. Die Serie „Ray Donovan“ könnte auch gut als „hard-boiled“ Fiction durchgehen. Familiäre Abgründe zuhauf, es wird gekokst, gemordet und betrogen und trotz allem versucht Ray die Familie zusammen zu halten, er ist das eigentliche Oberhaupt, der, der nicht nur die Schönen und Reichen retten soll, sondern auch immer die Familie. Dabei würde er selbst oft Hilfe brauchen, nur es ist zumindest bis zur 3. Staffel niemand da, der das übernehmen könnte und der ihm helfen seine Schuld erlassen zu bekommen.

Neben großartigen Staffelfinalen (vor allem Staffel 3!) überzeugen vor allem die interfamiliären Beziehungen, wobei die beiden Kinder Bridget und Conner (nur eine Lachnummer) nicht den richtigen „Anschluss“ an die Geschichte finden. Die Nebenstränge mit Abby, Bunchy, Terry und Mickey sind aber allemal überzeugend, nebst vielen kleinen Einfällen, die nochmal das Salz in der Suppe sind. Einige logische Ungenauigkeiten und auch kleine Längen seien verziehen.

Nach dem Ende der 4. Staffel, als eine nicht geglaubte Harmonie Einzug gehalten hat, kann und muss die 5. Staffel das Finale furioso werden…ohne Big Bang kann das nicht ausgehen.

Ausführliche Reviews gibt es bei den Serienjunkies:

http://www.serienjunkies.de/ray-donovan/




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Alt  09.01.2017, 08:29   # 63
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Golden Globe Awards - Serie "Atlanta"

Fast ein wenig unbeachtet vom Abräumer-Musical (Kino)-Film "La La Land" hat es in der Kategorie "Serie Comedy/Musical" Donald Glover tatsächlich geschafft, den Preis für den besten Hauptdarsteller und die beste Serie zu gewinnen.

In meinem Posting #61 war ich ja schon sehr beeindruckt und schwer begeistert. Ich kann Euch nur empfehlen die Serie zu besorgen und anzuschauen...

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Alt  07.01.2017, 18:44   # 62
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Blutsbande - Staffel 1

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Blutsbande_Oskar.jpg   Blutsbande_Lasse.jpg   Blutsbande_Jonna.jpg   Blutsbande_Liv.jpg   Blutsbande_Kim.jpg  

Ana-Lisa Waldemar führt zusammen mit ihrem Sohn Oskar und dessen Frau Liv eine etwas altbackene Pension auf eine der Aland-Inseln, gelegen zwischen Schweden und Finnland mit eigener Flagge und zu Finnland gehörend (die Einwohner sprechen aber schwedisch). Anna-Lisa, verwitwet, bittet ihre beiden anderen Kinder mittels einer Postkarte zu Beginn der Sommersaison auf die Insel in die Pension: sie müsse ihnen etwas Wichtiges mitteilen. Lasse hat ein schickes Restaurant in Stockholm, leidet aber unter finanziellen Schwierigkeiten. Zudem bringt er seine Tochter Kim mit auf die Insel. Er lebt getrennt/geschieden von seiner Frau. Jonna hat in Stockholm eine vielversprechende Theaterkarriere begonnen.

Für jedes ihrer drei Kinder hat Ana-Lisa eine kurze, etwas mystische Mitteilung. Zu Oskar sagt sie: „Du musst verzeihen.“ Lasse bekommt zu hören: „Pass auf die anderen auf“ und zu Jonna sagt sie: „Du bist nicht ich.“

Kurze Zeit später nimmt sich Ana-Lisa das Leben und hinterlässt den Dreien eine Aufgabe, ohne deren Lösung sie das gemeinsame Erbe nicht antreten können…



Es entwickelt sich, zunächst eher langsam, ein klassisches Familien-Drama auf der Insel, die Beziehungen aus der Vergangenheit kommen nach und nach zum Vorschein und – keine Überraschung – die Familie hat einen fetten (oder mehre?) dunkle Fleck(en), die nun eher ungewollt zum Vorschein kommen…bei den noch Lebenden. Ana-Lisa hat das wohl so gewollt…

Eine Mischung aus Drama und Scandic Noir, eher Drama als Noir, gefilmt und untermalt mit Aufnahmen aus der wunderschönen Natur. Im Original heißt die Serie „Dicker als Wasser“ und Wasser spielt hier eine nicht unwichtige Rolle, ebenso ein Brief aus vergangener Zeit.

Es ist, trotz viel gezeigter Natur, eine Art Kammerspiel, die Masken fallen nach und nach. Alles das ist sehr gefällig umgesetzt, Entwicklungen sind nachvollziehbar und doch ist es imho ein wenig zu lang. Nicht dass ich mich gelangweilt hätte, aber anstatt 10 Folgen à 60 Minuten hätten es z.B. 6 oder 7 Folgen auch getan. Manches wirkt leicht als „Füllmaterial“ und endet im dead end. Nichtsdestotrotz war es sehr gute Fernsehunterhaltung, ohne dass man nun in Begeisterungsstürme ausbrechen müsste.

Die erste Staffel wurde kürzlich nochmal auf arte gezeigt, die 2. Staffel beginnt nächste Woche, ebenfalls auf arte, am Donnerstag den 12.01.2017, um 21:00 Uhr.
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Alt  02.01.2017, 21:24   # 61
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Atlanta

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A_1.jpg   A_2.jpg   A_3.jpg   A_4.jpg   A_5.jpg  

Donald Glover (Idee und Hauptrolle) spielt Earnest „Earn“ Marks, den ehemaligen und abgebrochenen Princeton-Studenten, der bei seiner ehemaligen Freundin Van (Zazie Beetz) Unterschlupf findet. Beide haben eine gemeinsame Tochter. Alfred „Paperboi“ Miles (Brian Tyree Henry), sein Cousin, ist ein nach Ruhm strebender Rapper, der allerdings das Gemüt eines Teddybären hat und lieber kiffend auf der Couch liegt und nachdem sich das mit dem Ruhm und der Kohle eben nicht so leicht bewerkstelligen lässt, vertickt er halt Drogen.

„Earn“ will eigentlich nur Van ab und zu zum Essen einladen, ein zumindest halbwegs ordentlicher Vater sein (wenn er sich nicht gerade selbst wieder im Weg steht) und „Paperboi“ managen. Der Weg dorthin ist steinig und wird begleitet von Abzockereien, Verhaftungen und allerlei anderer Schmach und das obwohl „Paperboi“ nun einen kleinen Hit gelandet hat. Aber Geld, das fließt erst einmal nicht.

In 10 kurzen Folgen ist ein kleines Meisterwerk gelungen, lakonisch, mit teilweise bitterbösem Humor, lässig, traurig und alles das zugleich. In 10 x 25 Minuten wird die Welt vieler Schwarzer gezeigt, ohne Zeigefinger zu erheben, ohne Anklage, einfach nur ein, nein viele Bilder aus der Welt jenes Hood in Atlanta ganz ohne Spike Lee Ghetto-Ästhetik.

Ob es nun der verzweifelte Versuch ist, ohne Kind ein Kindermenü bei McDonalds zu bestellen oder sein Handy nicht gegen Geld im Pfandhaus zu verticken, sondern in einer schwierigen Kettentauschaktion zu versuchen noch mehr herauszuschlagen um dann doch wieder nichts zu haben oder der Typ, der seine Ethnizität zu wechseln versucht, weil er sich schon immer als „Weißer“ fühlte und nun mit blond gefärbten Haaren im TV auftritt oder die Freundin von Van, die es „geschafft“ hat in die Welt der Reichen, aber nur nicht so gern nach London fliegt, weil dort die teuer und mühsam geglätteten Haare durch die Feuchtigkeit und Regen wieder kraus werden könnten oder Earn, der bei einer Verhaftung noch nicht „im System“ ist und im Gefangenraum ausharren muss und sich aufgrund der „Show“ eines Geisteskranken eine lustige, lockere Atmosphäre entwickelt, bis es auf einmal und nicht unbegründet zu einem Gewaltexzess durch die Wärter kommt, nach dessen Ende sich wieder die lakonisch, lässigen Gespräche entwickeln…Alltag also und kein Jammern…machen wir einfach weiter…

Die ganze Serie ist voll von solch kleinen „Nadelstichen“, teils völlig skurril, teils sehr amüsant, teils bitterböse. Es ist kein großes Tempo in der Serie, eher langsam und bedächtig wird das Brennglas auf die Szenen gerichtet, es ist alles irgendwie Alltag und fast alles kommt einem so alltäglich vor, so als könnte, ja als müsste es genauso sein. Es ist sehr schwierig für mich als deutschen und weißen Zuseher alles das zu entschlüsseln, was da an Codes und Anspielungen über den Bildschirm läuft.

Aber eins hat es sicher vollbracht: die Typen, die wachsen einem ans Herz. Man kann gar nicht anders als sie mit ihren ganzen Schwächen und Misserfolgen zu lieben und sich mit ihren wenigen kleinen Erfolgen zu freuen.

Donald Glover als Hauptdarsteller und die Serie selbst sind für die Grammys nominiert. Sie werden wahrscheinlich nichts gewinnen, aber die Nominierung ist schon eine große Ehre. Mit ganz einfachen und unspektakulären Mitteln und fast spartanisch haben sie gezeigt, wie großartig Fernsehen (manchmal) sein kann.

Lief vor kurzem nochmal auf FOX Channel und wird sicher irgendwann erneut wiederholt.



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Alt  23.12.2016, 11:51   # 60
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The Knick - Steven Soderbergh

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The Knick_1.jpg   The Knick_2.jpg   The Knick_3.jpg   The Knick_4.jpg   The Knick_5.jpg  

Es hieß immer: wenn Steven Soderbergh ruft, dann kommen die Stars. Zu bewundern in vielen seiner Filme, sei es die Ocean´s Trilogy, Traffic, Out of Sight, Contagion, Erin Brokovich, die beiden Filme über Che Guevara, Haywire usw. Ich weiß noch gut, wie stark mich sein erster Flim, „Sex, Lies and Videotapes“ im Kino beeindruckt hat. Er sagte, er wolle sich vom Kino zurückziehen, zu sehr seien die Arbeitsbedingungen belastend und die Diskrepanz zwischen den Künstlern und den Produzenten würden immer größer.

Nun also „The Knick“, eine zehnteilige Fernsehserie, von der es bisher 2 Staffeln gibt und die erste lief vor kurzem wieder einmal im ZDF, spät in der Nacht.

The Knick, das ist das Knickerbocker Hospital in NYC, Downtown, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Ärztekunst noch wie die Arbeit in einer Metzgerei aussah und genauso sind auch die Bilder aus den vielen Szenen im Operationssaal. Also nichts für schwache Nerven, die Kamera bleibt drauf, kein verschämtes Wegsehen…

Dr. John W. Thackery, gespielt von Clive Owen, ist der Chefarzt im Klinikum, der sich gerne abends in einer Opiumhöhle zudröhnt und ansonsten ebenso gerne wie zwanghaft kokst. Kokain war damals Betäubungsmittel und Schmerzmittel zugleich und eben auch noch in der Coca-Cola enthalten, wie eine sehr schöne und dramatische Sequenz später einmal zeigt. Wirtschaftliche Schwierigkeiten hat das Krankenhaus aufgrund seiner „ungünstigen“ Lage Downtown, Reiche und Wohlhabende ziehen weg nach Uptown. Die Krankenhausverwaltung, im Wesentlichen dargestellt von Jeremy Bob als Herman Barrow, hat also veritable Schwierigkeiten. Der Krankenhausmarkt war also auch damals schon eine Art Wilder Westen (was heute in den USA auch nicht anders ist): fressen und gefressen werden. Ein weiterer Nebenstrang ist das Engagement von Dr. Algernon Edwards (André Holland), der zwar Absolvent der Harvard-University ist, aber eben auch schwarz und der heimlich im Untergeschoss des Knickerbocker Schwarze umsonst behandelt, die sonst keine Chance auf eine anständige Genesung hätten.

Wie in jeder guten Serie, hängt die Lust am weiteren Anschauen immer auch von den Nebensträngen ab, die hier gern etwas ausführlicher hätten sein können, aber dennoch den Reiz der Serie erst ausmachen. Da gibt es viele sehr schöne Sequenzen, sowohl hart wie auch zart. So zum Beispiel, als die heimliche Geliebte von Edwards standesgemäß heiratet und er in einer Art Selbstgeißelung den Boxkampf mit einem ungleich größeren und stärkeren Gegner sucht um wie erwartet beinahe „vernichtet“ zu werden.

Es ist teilweise der blanke Irrsinn, der da noch durch die Therapien wabert. Einer Geisteskranken werden alle (gesunden) Zähne gezogen, um somit Bakterien und Sepsis vorzubeugen… Generell nimmt die Serie in der letzten Folge nochmal so richtig Fahrt auf: der Wahnsinn geht wiederum auf die Überholspur und endet mit einem genialen Cliffhanger:



Achtung Spoiler!!!

Dr. Thackery begibt sich endgültig in eine Entzugstherapie. Der behandelnde Arzt erklärt ihm, dass er den Entzug mit einem neuen Medikament von Bayer begleiten wird, das die schlimmsten Folgen abmildern soll: „Das Medikament ist von Bayer, die auch Aspirin erfunden haben, Sie brauchen sich also keine Sorgen machen…“ Die Kamera zeigt einen zufrieden einschlafenden Thackery und schwenkt dann auf das kleine Fläschchen auf dem Nachttisch, zoomt heran, bis die Schrift zu lesen: Heroin. Blende und aus…

Spoilerende!!!



Ich kann die Serie uneingeschränkt empfehlen: Ausstattung, Kamera, Schauspieler, Geschichte mit Nebensträngen – alles erste Sahne.

Damit kann man auch wieder den Bezug herstellen zu meinem Eingangsposting. Serie ist – sofern mit hohem Anspruch an Qualität hergestellt – mittlerweile zu einer echten Alternative zu Kino geworden, mit dem Unterschied, dass man hier und jetzt einfach Zeit hat gute Geschichten zu erzählen. Und die Kino-Regisseure kommen zum Fernsehen…

Mit einem Augenzwinkern und etwas Phantasie könnte man „The Knick“ als so etwas wie das Prequel zu „Dr. House“ sehen, die m.E. nach die Mutter aller Klinikserien ist und imho sowieso (fast) unerreichbar scheint.


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Alt  19.12.2016, 19:24   # 59
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Tempel – Deutsche Miniserie auf ZDFneo

Auf sechs Folgen à 30 Minuten, dicht komprimiert, wird dem Zuseher ein kleines (oder doch großes?) Drama aus dem Wedding präsentiert. Gentrifizierung gegen alte Strukturen und mittendrin Mark Tempel, Altenpfleger, Ex-Boxer, verheiratet mit einer an den Rollstuhl gefesselten Frau, die aber noch so gar nicht aufgegeben hat und einer 16jährigen Tochter, die auch schon mehr als nur flügge ist.

Eins schönes, die Atmosphäre treffendes Zitat aus der Serie, gesprochen von Jakob (Thomas Thieme), dem Zuhälter und Box-Club-Besitzer:

"Der Kiez? Der Kiez ist wegsaniert! Guck dich doch um! Nur die arschlosen körnerfressenden Yoga-Fotzen, das ganze Yuppie-Pack. Immer schön gesund. Ficken und Koksen nur noch an Feiertagen. Kann doch keine Sau von leben!"

Mark soll einer alten krebskranken Frau Sterbehilfe leisten, der man das Fenster zugemauert hat, um dem „Entmietungsplan“ zu beschleunigen. Zur annähernd gleichen Zeit wird seine Familie vom Entmietungsmob bedroht und die Wohnung nebst der Geige der Tochter zerstört. Um sie zu ersetzen, beginnt er wieder zu boxen im Stall vom Zuhälter Jakob. Ein Malheur, ein Unglück passiert, ein Mensch stirbt, der Bruder vom bösen Kiez-Gangster Milan (Aleksandar Jovanovic), der schließlich dafür zu sorgen hat, dass die Entmietungen schnell von statten gehen.

Und so nimmt das Drama seinen Lauf im Kiez. Schnell merkt der geneigte Zuseher, dass das alles nicht so gut enden kann, irgendwann werden alle was verloren haben…

Dazwischen die passenden Bilder in Cinemascope, trotz der Kürze 2 Handlungsstränge und genügend ruhige Momente, herzergreifende Szenen und rohe Gewalt.

Das ist für deutsche Verhältnisse mehr als nur gelungen, das war richtig gut.

Die Folgen sind noch in der ZDF-Mediathek zu sehen…

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Alt  14.12.2016, 19:23   # 58
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Marseille

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Marseille_1.jpg  
Ach ja, ein französisches „House of Cards“ ist sie nicht geworden, die Serie „Marseille“ mit Gérard Depardieu als Bürgermeister Robert Taro, der nach 20 Jahren Bürgermeisterschaft nun eigentlich seinem Ziehsohn Lucas Barres (Benoît Magimel) die Stadt überlassen wollte, als dieser – böser Bub – ihm eine empfindliche Abstimmungsniederlage bei der Neugestaltung eines Hafenteils zufügt. Nun stellt er sich eben der Wiederwahl gegen jenen Lucas Barres, der wenig Skrupel zu haben scheint. Aber da geben sich beide Protagonisten wenig…

Nun ja, es wird gekokst und viel gevögelt, schöne Frauen und eine Menge Alphatiere sind zu sehen, das Velodrome bietet ein paar schöne Stimmungsbilder, wie überhaupt Marseille oft aus Drohnenperspektive zu sehen ist mit einer Mischung aus Bildern der Reichenviertel und des „Felix Pyat“ einem der ärmsten Viertel Marseilles. Maghreb und Mafia, Koks und Macht, Gier und Rache und oft enttäuschte Liebe… Eigentlich ein irrer Cocktail und die Geschichte, die da ihren Lauf nimmt, ist so schlecht nicht entwickelt, allerdings in meinen Augen doch etwas zu gefällig umgesetzt.

Alles in allem aber ganz nett anzuschauen, nicht so gut und intensiv wie „House of Cards“ oder „Borgen“ aber immer noch um Längen besser als das hölzerne und wenig elegante „Stadt der Macht“ aus Deutschland. Und Eleganz, das können die Franzosen…

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Alt  03.10.2016, 22:43   # 57
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The Night Manager – Romanvorlage: John le Carré; Regie: Susanne Bier

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Night Manager_Pine.jpg   Night Manager_Roper.jpg   Night Manager_Jed.jpg   Night Manager_Burr.jpg  
Zur Zeit des Arabischen Frühlings im Januar 2011 arbeitet der Brite Jonathan Pine (Tom Hiddleston) als Nacht Manager in einem Luxushotel in Kairo. Sophie Alekan, die Geliebte Freddie Hamids, des Angehörigen eines mächtigen ägyptischen Familienclans, übergibt dem Hotelmanager zu ihrer Sicherheit die Kopien einiger brisanter Dokumente, die ein illegales Waffengeschäft des Hamid-Clans mit einem britischen Geschäftsmann namens Richard Onslow Roper (Hugh Laurie) belegen. Pine erkennt die Brisanz der Dokumente und spielt sie der britischen Botschaft zu. Doch die britischen Behörden greifen nicht ein. Statt dessen erhält Roper eine Warnung über den Geheimnisverrat. Kurze Zeit später ist Sophie ermordet.

Vier Jahre später arbeitet Pine in einem Schweizer Hotel als Nachtmanager. Den Tod Sophies, der er vor ihrer Ermordung noch nahegekommen ist, hat er noch immer nicht verwunden. Da steigt eines Nachts jener Mann in seinem Hotel ab, dessen Namen er vier Jahre zuvor in Kairo gehört hat: Richard Onslow Roper. In seinem Gefolge befindet sich seine junge Geliebte Jed Marshall (Elizabeth Debicki), die Pine augenblicklich fasziniert.

Abermals wendet sich der Nachtmanager an die britischen Behörden, doch dieses Mal erreicht er direkt Angela Burr (Olivia Colman), die Leiterin einer kleinen, neu gegründeten Konkurrenzabteilung zum MI6, die sich seit langem gegen politische Widerstände bemüht, dem Waffenhändler Roper das Handwerk zu legen.

Burr entwickelt die Idee, Pine als Spitzel in Ropers inneren Zirkel einzuschleusen…

(aus Wikipedia kopiert)

Was habe ich mich gefreut auf diese Mini-Serie ( 6 Folgen à 60 Minuten, im ZDF wurden immer 2 Folgen zusammen gefasst und somit die Serie an drei Abenden ausgestrahlt) und letztendlich bin ich doch ziemlich enttäuscht worden.

Gewiss, schon der Vorspann verspricht Bond´sche Opulenz, der Hauptdarsteller Tom Hiddleston könnte auch – nach Daniel Craig - der nächste Bond sein und Hugh Laurie taugt allemal als Bösewicht, egal wo. Schöne Frauen sind auch dabei, Busen und Po sieht man und gevögelt wird auch: Frau an der Wand, Bein auf Kommode abgestützt und Mann steht vor ihr, kräftig stoßend. Schön, dass Susanne Bier auch auf Kleinigkeiten achtet und man den nackten und knackigen Arsch von Tom Hiddleston sieht. Okay, nur wie oft habe ich das schon gesehen? Wo sind die Brüche, wo wird das Eindimensionale mehrdimensional?

Die Story über den ehemaligen Soldaten, der sich in den Zirkel des bösesten und gefährlichsten Manns der Welt fast wie von selbst einschleusen lässt, sich natürlich in die Geliebte des Bösen verliebt, die (absichtlich?) fast hausmütterlich erscheinende MI6-Agentin (einzig, dass sie schwanger ist, ist ein netter Gag und die Colman ist schon sehr gut!), die uralte Geheimdienst-Folklore mit Treffen auf der Parkbank, die „dummen“ Araber usw…. Na ja, alles sehr schön fotografiert an schönen Orten mit schönen Menschen, aber ziemlich langweilig. Dabei hätte doch der Name Susanne Bier (Oscar für „In einer besseren Welt) als Regisseurin mehr versprochen oder ist es einfach nur die Vorlage des 20 Jahre alten Buchs?

Ein sehr herkömmlicher Geheimdienst-„Thriller“, bei dem fast alles vorhersehbar ist: banal. Da ist ja die US-Paranoia in „Homeland“ noch tausend Mal spannender…

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Alt  01.10.2016, 13:15   # 56
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Die Erbschaft - dänisches Familiendrama

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Die Erbschaft_Gro.jpg   Die Erbschaft_Frederik.jpg   Die Erbschaft_Signe.jpg   Die Erbschaft_Emil.jpg   Die Erbschaft_jesper_christensen_.jpg  

Veronika, eine berühmte Künstlerin, die bis zu ihrem Tod noch auf ihrem herrlich vergammelten Gutshof große, moderne Kunst erstellt, stirbt und hinterlässt ihr Vermögen nicht ihren Kindern Gro (Tyne Dirholm) einer Kuratorin, Frederik (Carsten Bjørnlund) einem Anwalt oder Emil (Mikkel Bøe Folsgard) dem „Taugenichts“ der Familie, sondern überraschend ihrer unehelichen Tochter Signe (Marie Bach Hansen), die als Floristin in einem kleinen Blumenladen arbeitet.

Gro, die aus dem Gutshof ein Museum machen wollte, Frederick, der das Anwesen haben will, weil es einst seinem Vater gehörte und Emil, der unbedingt Geld benötigt, um sich aus einem Schlamassel in Thailand heraus zu kaufen, müssen nun mit Signe klar kommen, die natürlich gar nicht weiß wie ihr geschieht.

Alle Figuren sind bis in die kleinste Nebenrolle sehr fein gezeichnet, die Umgebung meist düster – wie so oft in skandinavischen Serien – und die Schauspieler allesamt famos. Allen voran Tryne Dirholm als Gro, der ich noch stundenlang zuschauen hätte können.

Das Drama nimmt seinen Lauf, es wird gesoffen, gekifft, Intrigen angezettelt, mit allen Mitteln gekämpft und ein wenig kann ich schon vorweg nehmen ohne zu viel zu verraten: als echter Gewinner ohne böse Blessuren kommt keiner aus der Sache raus.

Wieder einmal ist es den Dänen gelungen eine Top-Serie zu fabrizieren. Alles nicht so super spektakulär und doch fast immer auf den Punkt gespielt. Da sitzen die Dialoge, da gibt es keine Logiksprünge die einen nur den Kopf schütteln lassen, alles ist sehr menschlich – auch und gerade in den Abgründen der Protagonisten – und damit einfach rund und sehr sehenswert.

Lief auf arte und wieder sicher mal wiederholt.

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Alt  01.10.2016, 09:58   # 55
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Quantico

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Quantico_Alex.jpg   Quantico_Ryan.jpg   Quantico_Chaleb.jpg   Quantico_Nimah und Raina.jpg   Quantico_Shelby.jpg  

Da werden sich die Geister scheiden, ich fühlte mich aber trotz aller Schwächen ganz gut unterhalten! Mit 22 Episoden für die erste Staffel - à 45 Minuten – war sie aber imho einfach zu lang. Das führte dazu, dass es X-Wendungen in der Geschichte bei der Auflösung bzw. vermeintlichen Auflösung gab und man dann spätestens nach rund 2 Dritteln der Serie „wusste“ wie der Hase läuft und dass es schließlich zum Schluss wirklich nur der oder die sein konnte.

Attraktive Menschen, immer vorteilhaft fotografiert, sind in Situationen unterwegs, in denen die Leute normalerwiese so nicht aussehen. Was mir aber gefallen hat war die Erzählstruktur:

Vorausblende:

Eine Bombe geht an der Central Station in NYC hoch und eine Agentin, Alex Parrish, erwacht aus der Bewusstlosigkeit: soeben hat der größte Anschlag in den USA seit 09/11 stattgefunden. Dem FBI wird schnell klar, dass dieser Anschlag aus den Reihen der Rekruten verübt wurde.

Rückblende:

In vielen Rückblenden wird nun die Ausbildung der Rekruten zu FBI special agents aus dem FBI Ausbildungslager Quantico erzählt. So nach und nach erfährt man die Geheimnisse der einzelnen Protagonisten, daneben bilden sich Beziehungen und werden wieder verworfen und auf das Zeigen der Abläufe und Inhalte der Ausbildung wird ebenfalls viel Wert gelegt.

Gleichzeitig läuft die Entwicklung der Geschichte zum Anschlag auf die Central Station weiter und auf die weitere Zeit danach bis zur Drohung eines weiteren Anschlags und der Auflösung der Geschichte (whodunnit?) mit einem netten Teaser für eine 2. Staffel.


Alles also einigermaßen verwirrend und Freunde von mir sind mittendrin oder zum Ende hin ausgestiegen, ob der wahrhaft großen Anzahl von Wendungen in der Geschichte, die aber dann – siehe oben – doch nicht mehr so überraschend waren. Wenn man die (Haupt-) Personen grundsätzlich sympathisch findet, das Ganze möglichst zusammenhängend anschaut und an die filmische Umsetzung nicht zu kritisch ran geht, dann ist das solide Unterhaltung – ohne weiteren Diskussionsbedarf in vertrauter Runde. Natürlich ist das alles irgendwie ziemlich „unlogisch“ und wiederum sehr amerikanisch im Bezug auf die allgemeine Paranoia der US-Gesellschaft plus einer Darstellung des FBI, das einem Werbevideo entsprungen sein könnte.

Viele „ja, aber“, gewiss! Insgesamt jedoch ordentliche Unterhaltung mit wohl grausamen Quoten im deutschen TV (ProSieben).

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