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Alt  03.03.2017, 01:11   # 1
William Masters
Sexologe
 
Benutzerbild von William Masters
 
Mitglied seit 11. May 2015

Beiträge: 38


William Masters ist offline
Liebe Freier ...

Wieder mal was Nettes aus der Presse. Erkennt ihr euch wieder?

DIE ZEIT
Es gibt keine harmlose Prostitution: Euer Geld hilft Verbrechern

Liebe Freier,

»Während wir von weiblicher Selbstbestimmung reden, werden Tausende Frauen in unser Land verschleppt und zur Prostitution gezwungen. Es wird Zeit, das zu ändern – mit einem Gesetz gegen die Freier«

Vor einigen Jahren hatte ich einen Freund. Nennen wir ihn René. René war schüchtern. Sehr schüchtern. Er war auch nicht besonders attraktiv, aber das sind ja nur wenige. Sobald er mit einer Frau reden wollte, spielten die Worte Autorennen, überholten einander, stießen zusammen, überschlugen sich. Er stammelte dann, musste warten, bis die Gedanken sich ordneten. Dann senkte er oft den Blick, wurde rot. Manchmal versuchte er es noch zu retten, indem er schneller und intensiver redete. Das machte es eigentlich nie besser.

Illustration: Joni Majer für DIE ZEIT

René hatte keine Freundin. Er hatte, bis er in seinen Zwanzigern war, mit niemandem Händchen gehalten, geknutscht, geschweige denn geschlafen. Irgendwann, in einer Sommernacht, verschwand er nachts um zwei Uhr von der Tanzfläche, auf der wir zu fünft tanzten. Er verließ den Club, ging ein paar Straßen weiter durch die laue Luft, bezahlte 100 Euro und hatte das erste Mal Sex mit einer Frau. Eine Stunde später stand er wieder auf der Tanzfläche mit einem idiotischen Lächeln im Gesicht und einem sehr ausgeprägten Mitteilungsbedürfnis. Wir hatten gar nicht bemerkt, dass er weg gewesen war.

Er ging danach immer wieder. Die Prostitution war für ihn ein Ausweg aus einer großen Ungerechtigkeit. Der Ungerechtigkeit, in einem unattraktiven Körper geboren worden zu sein. Der Ungerechtigkeit lähmender Schüchternheit. Der Ungerechtigkeit, Freunde zu haben, denen all das so viel leichter fiel. Sein wirkliches Problem löste er so nicht. Er hatte immer noch keine Ahnung, wie er Frauen ansprechen, sie unterhalten, sie faszinieren könnte.

René befördert so, ohne es zu merken, seit Jahren ein zynisches Menschenverwertungsgeschäft. Ein Geschäft, das in Rumänien, Litauen, Nigeria oder Thailand beginnt und in unseren Bordellen endet. Er denkt sich nichts Böses dabei und tut nichts Verbotenes. Doch mit seinem Geld sorgt er dafür, dass Frauen Unrecht geschieht. Wir brauchen ein Gesetz gegen ihn, ein Gesetz gegen Freier.

Die Idee ist nicht neu. Es gibt solche Gesetze schon in Schweden, Norwegen und Island, weshalb das Ganze auch als »nordisches Modell« bezeichnet wird. Prostituierte dürfen dort legal arbeiten. Aber das Kaufen von Sex ist illegal. Die Strafen für die Freier fangen zum Beispiel in Schweden bei Bußgeldern von 250 Euro an und reichen bis zu einem Jahr Gefängnis. Es wird asymmetrisch bestraft – einer büßt für beide. Was erst mal paradox erscheint, aber ziemlich clever ist.

Man weiß nicht viel über Männer, die zu Prostituierten gehen. Die wenigsten von ihnen reden gern drüber. Es gibt eine Handvoll Studien, die zumindest so viel sagen: Freier kommen aus allen Schichten, aus allen Altersgruppen, es sind Doktoren, Professoren, Stahlarbeiter, Busfahrer und Arbeitslose darunter.

Einen Weg, um herauszufinden, wie diese Männer sich und die Frauen sehen, bieten Freier-Foren im Internet. Beliebt ist dort die Bewertung von Prostituierten in Zeugnissen, mit Noten von 1 bis 6. Benotet wird in den Kategorien »Figur«, »Titten«, »Fotze«, »Gesicht« und »Gebiss«. Die Frauen werden als »Säue«, »Frischfleisch« oder »Pflaumen« bezeichnet. Man spricht sich mit »Hallo Mitficker« an und verarbeitet Frustrationen (»Ich war enttäuscht, dass ihr Gesicht etwas verlebt aussieht«).

Feministinnen wie die Philosophin Iris Marion Young bezeichnen das, was diese Männer machen, als Objektivierung des weiblichen Körpers: das Zerlegen und Bewerten, die Blindheit dafür, dass diese Frauen eine Persönlichkeit haben. Sie kaufen keine Dienstleistung, sondern eine Ware. Wie sie selbst sagen: »Fleisch«.

René würde nie so reden, nie so etwas schreiben. Und doch stellt sich die Frage: Verschiebt sich nicht auch in ihm etwas, wenn er jeden Monat losgeht und eine Frau kauft? Und bestärken wir ihn nicht darin, solange unser Recht diese Art von Geschäft erlaubt?

Sowohl in Deutschland als auch in Schweden ist die Gesetzgebung, die derzeit herrscht, das Ergebnis feministischer Politik. In Deutschland setzte die rot-grüne Bundesregierung Ende 2001 ein relativ liberales Prostitutionsgesetz durch. Die Idee: Die Frauen sollten arbeiten können, ohne sich verstecken zu müssen. Sie sollten Steuern zahlen, vom Gesundheitssystem versorgt, von der Sozialversicherung geschützt und von der Rentenversicherung abgesichert werden. Den schwedischen Feministinnen (und Feministen) dagegen geht das nicht weit genug. Sie meinen, etwas laufe grundsätzlich falsch, wenn Männer Frauen kaufen können. Sie wollen die Prostitution abschaffen.

Die betroffenen Frauen selbst sind sich ebenfalls nicht einig. Der von Prostituierten mitgegründete Verein Sisters meint, Prostitution sei »nichts anderes als Vergewaltigung«, und möchte sie verbieten. Beim Verein Hydra, einer Art Berufsverband deutscher Prostituierter, hält man dagegen, nur »konsequente Legalisierung und Entstigmatisierung« verbessere das Leben der Frauen.

Es kommt wohl darauf an, welche Frauen man meint: nur solche, die hier in Deutschland freiwillig ihrer Arbeit nachgehen? Oder auch solche, die Tausende Kilometer weit entfernt leben, in Moldawien, Rumänien, Nigeria oder Thailand? Denn unsere Gesetze betreffen auch diese Frauen. Warum? Weil es einen einfachen ökonomischen Mechanismus gibt: Je liberaler die Prostitutionsgesetzgebung, desto mehr Menschen werden von kriminellen Banden ins Land geschmuggelt.

Das Ausmaß des Menschenhandels lässt sich nur schwer beziffern. Laut einer Studie des Europaparlaments wurden 2001, also im Jahr vor der Liberalisierung, zwischen 9900 und 19 700 Frauen für die Arbeit in der Sexindustrie nach Deutschland gebracht. Schon 2002 stieg die Zahl, nachdem sie vorher jahrelang gefallen war. 2003 waren es bereits 12 300 bis 24 700 Frauen. Mit anderen Worten: Unsere Prostitutionsgesetze sind eine Einladung für Menschenhändler.

Wer diesen Anstieg für Zufall hält, dem rate ich zur Lektüre einer Studie der London School of Economics aus dem Jahr 2015. Die Wissenschaftler haben sich 150 Länder angeschaut und kommen zu dem Schluss, dass überall dort, wo Prostitution legal ist, vermehrt mit Menschen gehandelt wird.

Zahlen der Vereinten Nationen zufolge betrifft der Menschenhandel zu 55 bis 60 Prozent junge Frauen, die in die Prostitution gezwungen werden. Im Schnitt bringt jede dieser Frauen den Banden 65 000 Dollar ein. Während der Handel mit Drogen lukrativ ist, gerade weil das Gesetz ihn verbietet, gilt diese Logik bei der Prostitution nicht. Als die schwedische Polizei die Telefonate einer Bande von Menschenschmugglern abhörte, beklagten die sich darüber, wie schwierig das Geschäft geworden sei, seit man es nicht mehr auf offener Straße abwickeln könne und Apartments mieten müsse. In Schweden kommen deshalb laut einer Schätzung der Internationalen Arbeitsorganisation viermal weniger Opfer von Menschenhandel an als im deutlich kleineren Dänemark, wo Prostitution legal ist.

Es gibt zahllose Berichte von Zwangsprostituierten, die mit falschen Versprechen nach Deutschland gelockt wurden. René hat davon nie etwas mitbekommen. Ich habe ihn gefragt. Er sagte, dass er sofort abhauen würde, wenn er das Gefühl hätte, dass die Frau es nicht freiwillig macht. Vielleicht kam er ja wirklich nie in Berührung mit dieser Schattenwirtschaft. Wahrscheinlicher ist, dass die Frauen, mit denen er Sex hatte, es ihm nicht gesagt hätten, für 50 Euro die halbe Stunde.

Dass es ein Problem gibt, hat auch die Bundesregierung inzwischen eingesehen. In diesem Jahr ist ein neues Gesetz in Kraft getreten. Prostituierte müssen sich jetzt bei den Behörden anmelden und versichern, dass sie ohne Zwang arbeiten. Das ist gut gemeint, wird aber wenig helfen, solange man die Ursache des Problems nicht angeht: die Nachfrage nach gekauftem Sex.

Als das schwedische Gesetz 1999 in Kraft trat, sank die Zahl der Freier auf dem Straßenstrich um 80 Prozent. Das hatte zwar auch damit zu tun, dass sich die Prostitution in Wohnungen verlagerte, aber die meisten Schätzungen gehen davon aus, dass der Sex-Markt insgesamt geschrumpft ist.

Auch das nordische Modell hat seine Schwächen. Da es das Ziel der schwedischen Regierung ist, die Prostitution abzuschaffen, werden etwa weniger Kondome an die Frauen verteilt. Das würde nur ermutigen. Hilfen für die Frauen wurden aus dem gleichen Grund gestrichen. Und weil das Vermieten von Räumen zur Prostitution illegal ist, werden die Frauen immer wieder aus ihren Wohnungen geschmissen. Sie müssen heimlich agieren, weil die Kunden immer in der Angst leben, erwischt zu werden. Am Ende ist es eine Abwägungssache. Manchmal muss man ein kleines Unrecht begehen, um ein größeres zu verhindern. Und das größere Problem ist der Menschenhandel.

In der Prostitutionsdebatte wird gern mit diesen großen Grundgesetz-Artikel-eins-bis-zwanzig-Wörtern hantiert: Selbstbestimmung, Eigentum, Würde. Darf man mit dem eigenen Körper nicht anstellen, was man will? Wenn jemand sich für Geld nackt und in Handschellen mit Bananen bewerfen lassen möchte, dann macht er damit doch nur von seiner Freiheit Gebrauch, nicht wahr? Oder hat doch Immanuel Kant recht, wenn er schreibt, dass man Menschen »niemals bloß als Mittel« gebrauchen sollte?

Aber das Ethik-Seminar führt in dieser Frage zu nichts. Es ist ein Diskurs-Karussell, das sich frei dreht, unbeirrt von dem, was in der Welt passiert. Wir reden über Autonomie, während Mädchen und Frauen unter übelsten Umständen zu uns verschleppt werden, mehrere Tausend Jahr für Jahr. Es wird Zeit, dass sich das ändert. Und ein Gesetz gegen Freier ist dabei der beste Weg.

Und was passiert mit jemandem wie René, wenn er nicht mehr zu Prostituierten gehen darf? Wenn er mit jedem Verstoß eine Strafe und ein sehr peinliches Gerichtsverfahren riskiert? Meine Vermutung: Er würde aufhören, Geld für Sex zu bezahlen. Und da weitermachen, wo er an jenem Abend anscheinend aufgehört hat. Vielleicht würde es sogar etwas in ihm verändern, seine Sicht auf Frauen, auf Sex. Es gibt kein Recht auf körperliche Nähe. Man muss sie sich verdienen, durch Charme, Offenheit, Humor, Mut. Das gilt selbst dann, wenn man schüchtern ist und eigentlich ein feiner Kerl.

VON JOHANNES BÖHME
__________________

Im Dienst der Wissenschaft
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Alt  20.03.2017, 03:17   # 45
Don Loco
 
Mitglied seit 19. April 2015

Beiträge: 48


Don Loco ist offline
einfach nur was zum schmunzeln



Ich stell mir manchmal folgendes vor (bin ja fies und hinterhältig):

Die Evolution kommt von der Espressomaschine zurück und stellt erschreckt fest, dass diese "Menschen", die eben noch das Mammut jagten, ganz plötzlich dabei sind, die Erde zu zerstören. Sie kuckt ein bisschen zu, murmelt dann sowas wie "Hm...gierige Investmentbanker...hm...ah, die auch...aha...was mach ich da wohl..." und plötzlich strahlt sie und zückt Ihren Zauberstab.

Ein paar Tage später auf der Erde unterhalten sich 2 endgeile Sahneschnittchen in einem Londoner Café:

"Ich hab gestern übrigens Albert abserviert" "Waaas, ey, der war doch Hammer! Was der Dir alles bezahlt hat..." "Ach weißt Du, Geld, wird doch eh überbewertet, es geht doch immer nur ums shoppen und konsumieren, das ist sowas von oberflächlich, echt jetzt! Wichtig ist doch, dass wir diese wunderbare Welt retten!" "Genau, unsere Enkel wollen ja schließlich auch noch ein schönes Leben haben - Ich hab da jetzt übrigens einen tollen Typen kennengelernt - wow, ich werd' ganz feucht, wenn ich nur an ihn denke..." "Louise!...Wie sieht er denn aus?" "Hier - ich hab ein Bild!" "Äh, jaaaa..nicht gerade trainiert, oder? Und, sag mal, kann es sein, dass der 15 Jahre älter ist als Du? Und der Bart, naja...Hat er Geld?" "Nein, aber er arbeitet für Greenpeace!" "Oh mein Gott! Ja, der ist doch ganz schnuckelig...Ja, der könnte mir auch gefallen..." "Vergiss es, der gehört mir, Du Miststück!" "Schlampe" "Pfff..."

Eine Woche später in einer Investmentbank:

"Irgendwie macht's keinen Spaß mehr" "Was meinst Du?" "Naja, die Weiber sind irgendwie komisch, keine will mehr was mit mir zu tun haben, meine Alte hat mir den Laufpass gegeben, die wollte nicht mal Kohle, als ob ich 'n Ausschlag hätte oder sowas..." "Seltsam, mir geht's genauso und Bill auch - nicht mal die Nutten lassen uns mehr ran, egal wie viel wir bieten..." "Ist doch schei**e, Mann..." "Meine Rede"

3 Wochen später, bei einer NGO:

"Das war jetzt schon der 16. und wir haben noch nicht mal Frühstückszeit!" "Keine Ahnung, das geht jetzt schon seit Tagen so - Banker, Anwälte, Berater, reiche Nichtstuer - was wollen die Typen bei uns? Haben die auf einmal alle ihr schlechtes Gewissen entdeckt?" "Keine Ahnung, aber es ist noch was anders" "Und?" "Na ja, gestern war ich in einer Bar und mir ist mein NGO-Ausweis rausgefallen; plötzlich hatte ich 4,5 Mädels an mir hängen - ey ehrlich, Eine traumhafter wie die Andere! - Die haben MICH eingeladen, MICH! Normalerweise fassen die mich nicht mal mit ner Zange an und jetzt: Mit zweien hab ich die Nacht verbracht - Gott, war das geil - und von den anderen hab ich die Nummer!" "Okay, ich wollte das jetzt nicht sagen, aber ich war letztens in so, na ja Du weisst schon, so nem Etablissement" "Etablissement?" "Jaaa mit so Girls, ich will mir also eine aussuchen - da fragt mich die erste, was ich denn so beruflich mache" "Und?" "Na ja - danach hatte ich freie Auswahl - aufs Haus - und eine liebevoller wie die Andere" "Seltsam..." "Ja, schon komisch...oder?"

Ein Schelm, wer...

LG, Euer Don

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Alt  20.03.2017, 02:07   # 44
Don Loco
 
Mitglied seit 19. April 2015

Beiträge: 48


Don Loco ist offline
Lieber Wüstenwind,

Ja, was soll ich sagen, wir sind zu 100% einer Meinung! Ist doch super! Genau das sage ich ja seit Tagen:

Wenn die Tätigkeit per se menschenverachtend ist, spielen die Umstände keine Rolle - bin bei Deinen Beispielen dabei; bei den restlichen 99% "normaler" Tätigkeiten sind die Umstände entscheidend. That's it.

Da haben wir wohl einfach ein bisschen aneinander vorbei geschrieben. Kann ja mal vorkommen...

@ Stb99:

Zitat:
Wir sollten nicht dem Fehler unterliegen, Gesellschaften in der Vergangenheit nach heutigen Maßstäben zu betrachten.
Der Fehler liegt in der Beurteilung der Menschen, nicht in der Betrachtung oder Bewertung der Gesellschaften.

Richtig ist, wir dürfen Menschen aus vergangenen Epochen nicht nach unseren heutigen Maßstäben be- oder verurteilen!

Aber wir dürfen und wir müssen! gesellschaftliche Strukturen vergangener Epochen sowohl nach damaligen (im Rahmen der Geschichtsforschung) als auch nach unseren heutigen Maßstäben betrachten und bewerten.

Sachen wie Sklaverei, Folter, Leibeigenschaft, Hexenverbrennungen, Antisemitismus, Rassismus und und und...waren immer, sind immer und werden immer menschenverachtend sein!

Diese Erkenntnis ist letzten Endes ein Ergebnis der Aufklärung; daher dürfen wir die Menschen in den Zeiten davor (also etwa vor der Mitte des 17. Jhd., als der Begründer der Aufklärung, René Descartes, starb) nicht nach den seither gültigen Maßstäben verurteilen, einfach weil diese Menschen (im Mittelalter, in der Antike) dies nicht als Unrecht empfunden haben. Das heißt aber nicht, dass es damit automatisch kein Unrecht war!

Zitat:
Da war ein Versklaven geradezu menschlich.
NEIN, das war es NIEMALS, zu keiner Zeit! Sklaverei war immer mit unsäglichem Leid der Betroffenen verbunden. Eine derartige Verharmlosung ist daher absolut unangebracht.

Over and Out
LG an alle
Der Don
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Alt  19.03.2017, 19:28   # 43
Gemmazimma
A bissl wos geht imma
 
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Mitglied seit 26. July 2014

Beiträge: 558


Gemmazimma ist offline
Balsam für die geschundene Freierseele

Es gibt noch Zeichen und Wunder!

Hier ein YouTube-Video über einen Beitrag in Panorama, zwar schon aus dem Jahr 2013 aber aktueller denn je. Ab Minute 4.00 ist die Schadenfreude kaum noch auszuhalten.

http://www.youtube.com/watch?feature...&v=LjQ__khZc1s

So einen erstaunlich neutralen Bericht hätte ich in den Öffentlichen nicht erwartet. Allerdings ist die Panorama-Redaktion m.E. erst umgeschwenkt, als man auf Seiten der Prostitutionsgegner den erzkonservativen CSU-Hardliner Hans-Peter Uhl ausfindig machte.

Wenn man bedenkt, mit welcher Selbstsicherheit der hier über Dinge schwafelt(e), von denen er offensichtlich keine Ahnung hat, gewinnt man einen Eindruck, wie kompetent Politiker ganz allgemein zu den unterschiedlichsten Themen sind.

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Alt  19.03.2017, 15:27   # 42
wüstenwind
 
Mitglied seit 4. February 2015

Beiträge: 798


wüstenwind ist offline
Zitat:
Wir müssen eine Diskussion führen, so dass Männer verstehen, dass sie eine allgemeine finanzielle Verantwortung haben."
Es überrascht mich immer wieder, dass im Bereich von Sexualität eine Diskriminierung nicht nur toleriert wird sondern von manchen sogar gerne explizit erzwungen wird.

@Don Loco
Zitat:
für mich zählen eben die Umstände und nicht die Tätigkeit
Beim Toiletteputzen sind es die Umstände, die menschenverachtend sein können - nicht die Tätigkeit selbst.
Wenn dagegen z.B. ein Soldat auf ein Himmelfahrtskommando geschickt wird, oder wenn Leute in Tschernobyl in den Reaktor geschickt wurden, dann mögen die Umstände noch o.k. sein - die Tätigkeit selbst ist aber menschenverachtend.


Und generell bei solchen Artikeln - da frage ich mich immer inwiefern der Autor nicht auf den Putz haut um von eigenen Verfehlungen abzulenken. Und Verfehlungen gibt es im Bereich von Sex sicher welche. Da haben sie doch dieser Tage einen Trump-Freund im Bett mit einem Minderjährigen erwischt. Der war sicher auch einer, der vorher groß die Klappe aufgerissen hat und andere niedergebügelt hat.
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Alt  19.03.2017, 14:19   # 41
E.B.
 
Benutzerbild von E.B.
 
Mitglied seit 19. October 2014

Beiträge: 1.001


E.B. ist offline
Zitat:
Meiner Erfahrung nach vermitteln
die meisten Prostituierten ein
weitaus positiveres Menschenbild als
ein Großteil der Münchner Frauenwelt
Diese Aussage gehört gerahmt und auf dem Weg zur Damentoilette prominent aufgehängt.


Zitat:
In Schweden gibt es noch immer Prostituion.
Nicht nur das: im Baltikum gibt es jetzt auch von Schweden frequentierte Prostitution. Toller Erfolg nach dem St. Florians-Prinzip!

Wahrscheinlich hilft gegen die schwedischen Feminahdsiehs nur die harte Keule, wenn die Schwedin Gudrun Schyman Männersteuern mit der Begründung "Wir müssen eine Diskussion führen, so dass Männer verstehen, dass sie eine allgemeine finanzielle Verantwortung haben." fordern darf, dann brauchen wir auf Männerseite einen teflongeduschten Extremradikalinski, der in den Talkshows darlegt, "dass Frauen eine allgemeine sexuelle Verantwortung haben, und die Dose hinhalten müssen" Wie wäre es mit drei Jahren Vögeldienst zwischen Schule und Ausbildung?

(rein aus Verhandlungsgründen, weil man sich ja immer irgendwo in der Nähe der Mitte trifft, und man diese Mitte nicht vorher schon kampflos auf die Frauenseite driften lassen muss).
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Alt  19.03.2017, 11:32   # 40
stb99
Ruheständler
 
Mitglied seit 15. May 2002

Beiträge: 2.502


stb99 ist offline
@francoise

Zitat:
Das Faszinierende an solchen Scheiß-Artikeln ist, dass ein Autor wie dieser Herr Böhme sich beim Verfassen seines Elaborats nicht einen Zentimeter von seinem Sessel erheben muss, um sich von der Wirklichkeit ein Bild zu machen.
Ist so typischer Artikel von einem Gutmenschen. Die haben in ihrer Welt immer recht, egal was außenrum passiert. Die anderen liegen natürlich falsch und sind bloß nicht in der Lage, ihren Irrtum einzusehen. Darüber aufregen hilft nicht und ändert auch nichts daran, dass diese Leute Politik machen.

Das tolle, schwedische Modell. Was hat es geändert? Nichts. In Schweden gibt es noch immer Prostituion. Vielleicht keine legale, weil es nicht möglich ist, dafür mehr illegale. Auch der schwedische König genießt sie, obwohl sie verboten ist. Er dürfte da kein Einzelfall sein.

@TeeGe83

Zitat:
Letztlich wird Prostitution kaum der Traumberuf irgend eines Menschen sein.
Wahrscheinlich sind 95% aller Tätigkeiten nicht der Traumberuf irgend eines Menschen und sie gibt es trotzdem. Warum? Weil diese Menschen Geld verdienen müssen, um leben zu können.

Vor dem Hintergrund wäre mal eine Frage, ob es da eine Prostituierte, die selbst Grenzen setzen und einen ihr unsympatischen Mann jederzeit ablehnen kann, nicht sogar viel besser lebt, als ein Angestellter, der von einem cholerischen Chef zu idiotischen Tätigkeiten gezwungen und sich ohne Möglichkeit der Gegenwehr von Kunden anpflaumen lassen muss.

Der Grund, warum man sich auf Prostitution einschießt, dürfte eher daher kommen, dass Feministinnen ein Problem mit allem haben, was irgendwie mit Sex zu tun hat. Dazu kommen ein paar männliche Kriecher, die vor lauter politisch korrekter Überzeugung meinen, sich auf diese Strömung setzen zu müssen. Schließlich ist man so korrekt. Kann man eigentlich davon ausgehen, Herr Böhme lässt sich seine gesamte Kleidung bis hin zu Unterhose beim lokalen Schneider um die Ecke nähen?

Um zum Artikel.

Zitat:
Vielleicht würde es sogar etwas in ihm verändern, seine Sicht auf Frauen, auf Sex.
Wahrscheinlich würde sich bei ihm etwas ändern. Auch bei mir würde sich etwas ändern. Nur wahrscheinlich nicht zum positiven. Meiner Erfahrung nach vermitteln die meisten Prostituierten ein weitaus positiveres Menschenbild als ein Großteil der Münchner Frauenwelt.

Prostituierte sind ehrlicher als viele Frauen. Sie machen auch keinen Hehl daraus, dass sie mit dir Sex haben, weil sie dafür ein paar Scheinchen, selbst wenn sie bei manchen Dates durchaus auch Lust empfinden und das genießen. Und sie machen auch keinem das Leben zur Hölle, weil man gemeinsam Sex hatte.

Vor allem lachen sie sich keinen vermeintlich gutverdienenden "Idioten" an, heucheln ihm etwas von Liebe, zumindest solange bis sie schwanger sind, um ihn dann zu entsorgen und mit Unterhaltsforderungen ihr weiteres Leben zu finanzieren.

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Alt  19.03.2017, 11:06   # 39
stb99
Ruheständler
 
Mitglied seit 15. May 2002

Beiträge: 2.502


stb99 ist offline
@Don Loco

Zitat:
Felder bestellen im Mittelalter – an und für sich nicht menschenverachtend; Leibeigenschaft hingegen schon.
Wir sollten nicht dem Fehler unterliegen, Gesellschaften in der Vergangenheit nach heutigen Maßstäben zu betrachten.

Historische Gesellschaften hatten andere Normen, die damals fortschrittlich waren, auch wenn wir sie heute als antiquiert und menschenverachtend sehen.

So waren die antiken Sklavenhaltergesellschaften zu ihrer Zeit fortschrittlich. Zu früheren Zeiten war es üblich, die Bewohner einer eroberten Stadt umzubringen. Ähnliches galt für Schuldner und viele andere Dinge, mit denen man in die Sklaverei geraten konnte. Da war ein Versklaven geradezu menschlich. Für denjenigen selbst hatte es den Vorteil, am Leben zu bleiben. Für die Gesellschaft hatte es den Vorteil, die Arbeitskraft dieser Menschen nutzen zu können.

Genauso war der Feudalismus damals zu seiner Zeit fortschrittlich gegenüber den vorangegangen Gesellschaftsformen. Auch die Leibeigenschaft umfasste nicht nur Pflichten gegenüber dem Herrn, sondern auch Fürsorgepflichten gegenüber dem Leibeigenen. Wahrscheinlich war das mit den damaligen Möglichkeiten ein großer Vorteil, denn die Leibeigenschaft stellt sich erst mit dem Aufkommen der Industrialisierung als Hemmschuh dar.

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Alt  19.03.2017, 09:13   # 38
E.B.
 
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Beiträge: 1.001


E.B. ist offline
Zitat:
Wie soll ich denn jetzt die schönen Scheine in meinem Portemonnaie ansehen, die ich gerade nett und ungezwungen verdient habe?
Mit Stolz, weil du beim Pilotenspiel "Fiat-Money" immer noch mithalten kannst?

Zitat:
"Euer Geld hilft Verbrechern ...": aha.
Dann fragen wir mal andersherum: wessen Geld hilft denn beim Umlauf keinem Verbrecher?
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Alt  19.03.2017, 07:55   # 37
francoise
 
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Beiträge: 289


francoise ist offline
Das Faszinierende an solchen Scheiß-Artikeln ist, dass ein Autor wie dieser Herr Böhme sich beim Verfassen seines Elaborats nicht einen Zentimeter von seinem Sessel erheben muss, um sich von der Wirklichkeit ein Bild zu machen. Seine Recherche spielt sich allein in seiner Vorstellung ab, dazu ein paar "Studien" aus dem Netz, die er weder im Original gelesen noch deren Verfahren und Datenbasis überprüft hat.

"Euer Geld hilft Verbrechern ...": aha. Wie soll ich denn jetzt die schönen Scheine in meinem Portemonnaie ansehen, die ich gerade nett und ungezwungen verdient habe?
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Alt  19.03.2017, 03:39   # 36
Don Loco
 
Mitglied seit 19. April 2015

Beiträge: 48


Don Loco ist offline
Lieber Wüstenwind,

Du hast natürlich Recht – wir haben keine Probleme miteinander entschuldige bitte die Wortwahl.

Wir sind im Gegenteil eigentlich sogar viel näher beieinander, als es den Anschein hat:

Ich sehe das so:

- Eine menschenverachtende Tätigkeit ist immer menschenverachtend, ob nun privat oder beruflich; ob man nun viel, wenig oder gar nichts erhält – da sind wir uns eigentlich vollkommen einig.

- Alle anderen Tätigkeiten sind von Haus aus erstmal nicht menschenverachtend – auch da sind wir uns doch einig.

- Wird eine Person gezwungen, eine Tätigkeit auszuüben, die sie nicht ausüben möchte (auch nicht zum Zwecke des Gelderwerbs), wie z.B. die Zwangsprostitution, so ist das menschenverachtend – auch da dürften wir uns noch einig sein. Hierunter fällt meiner Ansicht nach auch das von Dir angesprochene klassische Rollenmodell. Hier wurde in den 50-er/60-er/70-er Jahren ein Mensch – leider auch über gesellschaftlichen Druck - gezwungen, jederzeit zu Diensten zu sein (auch in sexueller Hinsicht), das hat mit der privaten Tätigkeit, die ich im Kopf habe, überhaupt nichts zu tun und wird in modernen Partnerschaften heute hoffentlich auch nicht mehr praktiziert. Wie Du selber sagst - auch da gebe ich Dir völlig Recht - war das eigentlich eine versteckte berufliche Tätigkeit, die die Ehefrau da ausüben mußte.

- Wir differieren daher lediglich im Punkt der Bezahlung. Meine subjektive Meinung dazu ist: Wird eine (erst mal nicht menschenverachtende) besonders harte, ekelhafte, verantwortungsvolle oder gefährliche berufliche Tätigkeit unzureichend entlohnt (was ja auch eine geringe Wertschätzung ausdrückt), so ist das in meinen Augen sehr wohl menschenverachtend.

Das siehst Du anscheinend anders, was selbstverständlich auch Dein gutes Recht ist. Wenn ich das richtig interpretiere, stellst Du (im Umkehrschluss) folgende Gleichung auf:

Wenn ich nichts dafür bekomme, mein eigenes Klo zu putzen - was selbstverständlich nicht menschenverachtend ist (bis hier sind wir uns schon wieder einig), dann kann es prinzipiell auch nicht menschenverachtend sein, wenn die Putzfrau beim Sanifair nichts dafür erhält, da es sich ja um die gleiche Tätigkeit handelt (Sorry, aber da bin ich dann raus - für mich zählen eben die Umstände und nicht die Tätigkeit oder ob ich diese gern oder ungern tue).

Lg,
Der Don
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Alt  18.03.2017, 09:53   # 35
wüstenwind
 
Mitglied seit 4. February 2015

Beiträge: 798


wüstenwind ist offline
@Don Loco

Zitat:
Wir haben lediglich 2 Probleme miteinander:
Ich habe keins mit Dir. War ja auch kein Angriff von mir auf Dich.

Zitat:
Du willst nicht wirklich allen Ernstes eine private Tätigkeit mit einer beruflichen Tätigkeit zum Erwerb des Lebensunterhaltes vergleichen, oder? Das wäre nämlich vollkommen absurd.
Ich will das nicht nur vergleichen sondern ich behaupte sogar, dass die Tätigkeit als solche identisch ist - egal ob sie bezahlt ist oder nicht. Es geht eigentlich nur darum, wie gern/ungern jemand eine solche Tätigkeit macht. Und wie freiwillig/wie sehr unter Zwang.

In der klassischen Rollenverteilung: er beruflich tätig, sie Hausfrau und Mutter - beides darauf abzielend, gemeinsam über die Runden zu kommen - da hat ihre "private Tätigkeit" des Toilettenreinigens und des gelegentlich Sex zu haben mit dem Ehemann durchaus "berufliche Anklänge".

Wie gern/ungern jemand etwas macht: Durchaus nicht abwegig anzunehmen, dass eine angestellte Toilettenputzkraft diese ehrliche Tätigkeit lieber macht, als in einer Bank den Kunden windige Finanzkonstrukte anzudrehen oder in einem Callcenter verbotene Cold Calls durchzuführen und/oder Telefonkunden irgendwelche Tarife oder Optionen zu buchen, die so gar nicht besprochen waren. Oder sei es auch nur, sich z.B. als Verkäuferin täglich mit vielen Leuten auseinandersetzen zu müssen. Das trifft aber sicher auch nicht auf alle Toilettenputzkräfte zu.

Auch gibt es sicher Frauen, die gerne Sex haben. Nicht alle. Aber eine Frau würde kaum fremdgehen, wenn sie keinen Spaß am Sex hätte - und Fremdgehen kommt so selten ja offenbar nicht vor. Gleichermaßen gibt es im Paysex sicher auch Frauen, die das gerne machen. Und andere, die das nur als kleineres Übel ansehen. Und andere, die das auf keinen Fall wollen - aber durch die Umstände oder durch andere Menschen dazu gezwungen werden.

Sobald jemand durch andere Menschen gezwungen wird, etwas zu tun - da sollte eingeschritten werden. Und nicht nur in der Prostitution. (Wobei sogar der Staat Leute zwingt - z.B. einen unterhaltspflichtigen Vater möglicherweise zum Zweitjob obwohl der das nicht will)
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Alt  18.03.2017, 04:10   # 34
Don Loco
 
Mitglied seit 19. April 2015

Beiträge: 48


Don Loco ist offline
Lieber Wüstenwind,
Es ist eigentlich gar nicht schwierig – Wir haben lediglich 2 Probleme miteinander:

1. Sei mir bitte nicht böse, aber Du vergleichst sowas von Äpfel mit Birnen – Du willst nicht wirklich allen Ernstes eine private Tätigkeit mit einer beruflichen Tätigkeit zum Erwerb des Lebensunterhaltes vergleichen, oder? Das wäre nämlich vollkommen absurd.

Ich koch auch ab und zu mal was, trotzdem (obwohl die Handgriffe ja prinzipiell dieselben sind) ist das was völlig anderes, als tagtäglich unter Hochdruck in einer Großküche als Koch zu arbeiten! Ich will dabei noch nicht mal damit anfangen, Dir den Unterschied von einem privaten WC, welches ja in der Regel eine gewisse Grundsauberkeit hat und einem öffentlichen WC, in dem unzählige wildfremde Leute des öfteren richtig sauigeln, zu erklären.

Nein, es geht schlicht darum: Eine private oder ehrenamtliche Tätigkeit wird natürlich nicht dadurch menschenverachtend, weil ich nichts dafür erhalte, denn 1. stimmt das gar nicht, da ich ja hinterher immerhin ein sauberes Klo, ein gutes Gefühl etc. habe und 2. führe ich diese Tätigkeit frei von ökonomischen Zwängen durch und nicht, um damit meinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Bei einer beruflichen Tätigkeit dagegen sind die Umstände völlig andere.

Nein, tut mir leid, es ist absolut nicht vergleichbar!

2. Reden wir aneinander vorbei – ich bin doch zu 100% bei Dir, dass eine menschenverachtende Tätigkeit unabhängig vom Lohn ist – Ganz ehrlich, ich hab heute lange überlegt, überhaupt eine zu finden – habe dann den Beruf des Henkers (gibt es in den USA ja leider wirklich) gefunden. Menschen (wenn auch kriminelle) ins Jenseits zu befördern finde ich persönlich tatsächlich menschenverachtend – das würde ich niemals, auch nicht für eine Million, machen.

Aber nochmal – hier geht es um Jobs, die per se gar nicht menschenverachtend sind (so empfinde ich WC putzen - wie Du - in keiner Weise als menschenverachtend); die Umstände aber durch eine geringschätzige Bezahlung sehr wohl menschenverachtend werden können.

Nicht die Tätigkeit als solche - die einen permanent am Limit hält, da verantwortungsvoll, gefährlich, ekelhaft etc. - ist menschenverachtend, sondern der Umstand, dass man entweder dazu gezwungen wird oder nur einen unzureichenden Hungerlohn dafür erhält.

Ein letzter Versuch: Baumwollpflücken im 18./19. Jhd in den USA – an und für sich nicht menschenverachtend; Sklaverei hingegen schon. Felder bestellen im Mittelalter – an und für sich nicht menschenverachtend; Leibeigenschaft hingegen schon. WC’s putzen, Altenpflege, Krankenpflege etc. – an und für sich nicht menschenverachtend; als Beruf!!!! für ein paar geringschätzige daher geworfene Euronen (z.B. 5,6,7 €) pro Stunde hingegen schon.

Lieber William Masters:
Das ist sehr interessant - ich glaube, daß Alice und Co. so ticken - was zu diesen Beobachtungen passen würde:

1. Sie hassen die Möglichkeit der Männer, „Frauen zu kaufen“ – ich glaube wirklich, dass diese Feminist*Innen Prostitution in ihrer verqueren Moralvorstellung so sehen. Wenn das so wäre (was natürlich Blödsinn ist – wir kaufen keine Frauen, sondern sexuelle Dienstleistungen), würden Frauen aus ihrer Sicht tatsächlich – wie in der Sklaverei - zu Objekten degradiert. Es ist also in der Tat unerheblich, was Kira (die Sklavin) dazu sagt.

2. Jetzt müssen sie die Mehrheit der Gesellschaft dazu kriegen, das genauso zu sehen und A.S. ist ja definitiv nicht dumm.

3. Viele Frauen hat sie eh in der Tasche, weil die Prostitution aus nahe liegenden Gründen nicht so gut finden.

4. Die etwas minderbemittelten Moralapostel kriegt sie schon damit, einfach zu sagen: Es ist doch eine Sauerei, dass Männer in unserer zivilisierten Gesellschaft ganz legal Frauen kaufen dürfen!

5. Für die intelligenteren benötigt sie dagegen Argumente; die hat sie nicht, daher müssen postfaktische Pseudo-Argumente herhalten (an die sie praktischerweise selber gar nicht glauben muss), wie: legale Prostitution fördert Menschenhandel; alle SDL sind Zwangsprostituierte; alle Prostituierten leiden unter ihrer Tätigkeit; Freier sind Schweine, die Frauen nicht wertschätzen und denen die Umstände egal sind, sie denken nachweislich nur an ihre Befriedigung; Niemand würde seine Tochter auf den Strich schicken etc. etc. Blablabla...
Juristische Argumente dagegen taugen nicht, da sie - wie A.S. natürlich weiß, eher dazu beitragen, die Prostitution zu verteidigen als sie zu verbieten. Gerade ideologische Fanatiker*Innen scheuen den objektiv-sachlichen Dialog, weil ihre Intoleranz dadurch sichtbar wird. Ihnen bleibt ja im Grunde gar nichts anderes übrig, als eine politische Symbolik zu verwenden, die auf Sachlichkeit und Objektivität verzichtet und dagegen auf moralische Emotionen setzt.

6. Die richtig Intelligenten, die diese „Fakten“ kritisch hinterfragen, weil sie recherchieren, reflektieren und querdenken, kriegt sie damit nicht, das sind dann aber nicht mehr sooooo viele.

7. Und von denen geben dann viele irgendwann nach, weil der moralische gesellschaftliche Druck beständig wächst. Nicht jeder hat schließlich die innere Stärke, Prostitution dauerhaft zu verteidigen.

So denke ich tickt A.S.: Sie fängt einfach die konservativen Dummen und wartet dann in aller Ruhe ab, bis deren Druck zum gewünschten Ergebnis führt. Ab und zu noch ein bisschen Öl ins Feuer gießen – Voila! In Schweden hat‘s auf diese Weise ja bereits bestens funktioniert.

lg an Alle
Der Don
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Alt  17.03.2017, 16:28   # 33
William Masters
Sexologe
 
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William Masters ist offline
Alice

Gestern war unser aller Alice mal wieder bei Markus Lanz. Es ging glücklicherweise mal nicht um Prostitution, und wenn sie mal nicht auf Kampagne ist, dann kann sie eine kluge und ausgewogene Gesprächspartnerin sein. Ein Argument ihrerseits war für mich aber doch sehr erhellend: Sie geriet mit Lanz ein wenig aneinander, weil der wissen wollte, ob sie die Sache mit Kachelmann nicht bereue, nachdem der doch nun einwandfrei freigesprochen sei. Nun, 1. beharrte sie darauf, dass der Freispruch aus Mangel an Beweisen ja nur sage, dass man letztlich nicht klären könne, was passiert sei; somit hielt sie natürlich offen, ob er nicht doch schuldig sei. Viel wichtiger war aber das Hauptargument: 2. meinte sie, das Juristische dabei interessiere sie nicht (Lanz dagegen ungewohnt klar: nur das Juristische interessiere!); vielmehr ginge es um die politische Symbolik, soll heißen: es geht gar nicht um Kachelmann und ob er oder ob er nicht, sondern es geht um die Grundhaltung, dass man Frauen stets zuerst unterstelle, sie lögen, hätten es vorgeschoben, verfolgten Eigeninteressen, statt sie als Opfer zu sehen.

Diese erstaunliche Begründung erklärt im Grunde auch ihr Agieren in der Prostitutionsfrage: Es geht gar nicht darum, ob es glückliche Huren gibt, die das gerne und freiwillig tun. Es geht letztlich auch nicht darum, ob das alles Zwangsprostitution ist (lässt sich natürlich besser argumentieren, dass das so sei). Es geht vielmehr um "politische Symbolik", und die besagt in ihren Augen nunmal, dass das Kaufen von Sex durch Männer Frauen zum Objekt mache. Da ist es dann völlig wurscht, ob Kira dasitzt und erklärt, wie wunderbar sie den Job finde.

Daraus folgt dann aber logischerweise auch, dass es überhaupt nicht um Fakten geht! "Das Juristische interessiert mich gar nicht!" Es geht um die politische Kampagne, Fakten hin oder her. Es hängt eben vom "Politikbegriff" ab, wie sie noch meinte. Auch hier herrscht also bereits das "postfaktische Zeitalter": Schauprozesse halt.
__________________
Im Dienst der Wissenschaft
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Alt  17.03.2017, 14:16   # 32
Palimeino
 
Mitglied seit 13. January 2014

Beiträge: 182


Palimeino ist offline
Ich denke auf dauer keinen SEX zu haben ist weder für die Pysche nich gut noch für die Gesundheit. Was machen demnächst aber all diejenigen wenn Prostituion auf dem Rückzug ist wenn jemand alleine lebt.
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Danke von
Alt  17.03.2017, 12:24   # 31
wüstenwind
 
Mitglied seit 4. February 2015

Beiträge: 798


wüstenwind ist offline
@Don Loco
Zitat:
ich hatte in meinem Post ja ausdrücklich die Kombination aus WC putzen und Hungerlohn als menschen-verachtend "gegeisselt".
Wie ist das wenn ich daheim mein WC putze und dafür gar nichts bekomme?

Menschenverachtend?

Oder muss ich mir da nur einen fiktiven ausreichend hohen Lohn vorstellen - so nach dem Motto "Einer Putzkraft würde ich sicher brutto 20 Euro Stundenlohn bezahlen müssen - aus meinem Netto. Deshalb entspricht das dann bei mir brutto sagen wir mal 40 Euro. (Wegen der Lohnnebenkosten entspricht das wiederum sagen wir mal 60 Euro, die mein Arbeitgeber aufwenden muss - aber so weit gehe ich jetzt mal nicht). Und für 40 Euro Stunden Stundenlohn kann ich schon mal die Nase zusammenkneifen und Gummihandschuhe anlegen - auch wenn ich weiß, dass meine Haut darauf sehr empfindlich reagiert.

Eine Tätigkeit die wirklich menschenverachtend ist wird nicht a priori einfach durch einen ausreichend hohen Lohn zu "nicht menschenverachtend".

Ganz offensichtlich gehört Toiletteputzen also irgendwie egal wie die Bezahlung ist nicht zu "menschenverachtend". Ich mach's zwar nicht gern - aber muss halt sein. Genauso wie ich ab und an auf die gereinigte Toilette muss und dann halt in Gottes Namen das Toilettenpapier nutze.


Ist Sex mit meiner Frau ihr gegenüber menschenverachtend, wenn ich sie dafür nicht ausreichend bezahle?
Oder gar mir gegenüber?
Oder ist kein Sex möglicherweise doch menschenverachtend?

Alles ein wenig schwierig.
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Alt  17.03.2017, 11:56   # 30
Palimeino
 
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Beiträge: 182


Palimeino ist offline
Man kommt sich vor wie in Amerika als dort der Alkohol verboten war.Und doch war das da nicht von Erfolg gekrönt. In Schweden so habe ich auch gelesen, läuft das ganze ins leere.
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Alt  17.03.2017, 02:32   # 29
Don Loco
 
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Don Loco ist offline
Fass

Lieber Kuching,

Du musst gar kein Fass aufmachen - ich hatte in meinem Post ja ausdrücklich die Kombination aus WC putzen und Hungerlohn als menschen-verachtend "gegeisselt". Das habe ich (hatte schon viele Jobs) vor meinem Studium auch selber schon gemacht und ja, wenn man nachts 4 verdreckte Toiletten für 7,50 € putzen soll (=Stundenlohn; pro WC 15 Min. Vorgabezeit, egal wie versifft) - dann ist das meiner Meinung nach sehr wohl menschen-verachtend!

Also weder der niedrige Lohn noch das WC putzen per se; sondern die Kombination von beidem.

Übrigens: wenn ich von Prostitution rede, meine ich natürlich immer die legale, in der die Mädels zumindest so freiwillig tätig sind wie wir auch in unseren Jobs (die wir wahrscheinlich zu über 90% auch nicht machen würden, wenn's nichts dafür gäbe). Und in denen die Mädels pro Stunde so viel verdienen, dass ein durchschnittlicher Johannes Böhme (wobei man ihm mit dem Attribut "durchschnittlich" vermutlich einen großen Gefallen erweisen dürfte) ein bisschen blass um die Nasengegend werden dürfte.

In allen Branchen gibt es wohl immer einen kleinen Prozentsatz kriminell veranlagter Personen, die innerhalb dieser Branche Schindluder treiben. Diese werden bereits strafrechtlich bekämpft. Deswegen jedoch eine ganze Branche zu kriminalisieren und zu verbieten, wäre genauso absurd wie den Straßenverkehr per se zu verbieten, weil jedes Jahr 30.000 (meine Schätzung, keine Ahnung, ob die stimmt, ist nur ein Vergleich) Menschen im Straßenverkehr sterben.

Was man dagegen tun sollte, ist, den Straßenverkehr sicherer zu machen - und nicht mal das schaffen wir hier gegen die Autolobby, obwohl Studien eindeutig belegen, dass eine Mindestgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen zu erheblich weniger Verkehrstoten führen würde.

Hm... ist deutschen Männern also der Straßenverkehr wichtiger als der Geschlechtsverkehr?

lg, Euer Don
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Alt  16.03.2017, 20:29   # 28
Gemmazimma
A bissl wos geht imma
 
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Gemmazimma ist offline
Lieber Retter der Menschheit

Zitat:
solange man die Ursache des Problems nicht angeht: die Nachfrage nach gekauftem Sex
Da spielt sich jemand als Retter der Menschheit auf, kennt aber die Menschen nicht und möchte, dass das nach einer 6-stelligen Anzahl von Jahren nun endlich angegangen wird.

Die Ursache ist so alt wie der homo sapiens und all seinen Vorgängern. Man(n) hat Bock, das Weib will nicht oder ist nicht mehr interessant, anderweitige Abhilfe muss bestochen werden, z.B. mit Essbarem oder schönen Fellen, später mit bedrucktem Papier.

Zitat:
Es gibt kein Recht auf körperliche Nähe
Überflüssig zu erwähnen. Im Gegensatz zum Recht auf Erwerb einer angebotenen Sachleistung hat eine SDL das Recht, einen Freier abzulehnen. In der Praxis nicht immer einfach, aber de facto hat niemand das Recht auf Sex mit einer bestimmt Person, auch wenn diese Art Dienstleistung von ihr angeboten wird.

Zitat:
Es gibt zahllose Berichte von Zwangsprostituierten, die mit falschen Versprechen nach Deutschland gelockt wurden
Diese Jahrzehnte alte ungefilterte Standardfloskel wird immer wieder von Neuem hervorgekramt.
Es gibt zahllose Berichte über illegale Autorennen in einigen Großstädten, die schon Menschenleben gekostet haben. Aber wegen einigen unbelehrbaren Autofahrern würde wohl niemand auf die Idee kommen, den Straßenverkehr zu verbieten?

Zitat:
Es gibt solche Gesetze schon in Schweden, Norwegen und Island. Prostituierte dürfen dort legal arbeiten. Aber das Kaufen von Sex ist illegal. Was erst mal paradox erscheint...
ist es auch, Käufer einer angebotenen Dienstleistung zu bestrafen, aber nicht diejenigen, von denen sie angeboten wird. Kein Staat der Welt und auch nicht der Herr Menschheitsbeglücker käme auf die Idee, zwar den Erwerb und Konsum von harten Drogen unter Strafe zu stellen, nicht aber den Verkauf und damit Dealer zu verschonen.

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Alt  16.03.2017, 20:22   # 27
Gemmazimma
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Gemmazimma ist offline
Lieber Herr Prostitutionsgegner

Wieder einmal wird die alte Platte aufgelegt, dass jungen Frauen aus Osteuropa in Deutschland tolle Arbeitsplätze als Sekretärinnen angeboten werden und sie dann aber ausweis- und rechtlos in Kellerverließen angekettet Tag und Nacht Sex mit bösen Männern zum Preis einer Schachtel Zigarette haben müssen.

Damit und mit der Absicht, die Prostitution generell abschaffen zu wollen und für die Freierbestrafung einzutreten, werden alle Männer, die sexuelle Dienstleistungen in Anspruch nehmen, von Ihnen in einen kriminellen Topf geworfen.

Und genau diese scheinheilige Agitation, die uns in einem Gefängnis zu besseren Menschen erzogen sehen wollen, ist für mich menschenverachtend. Wie zu vielen anderen Themen, müssen auch hier zwanghaft Schuldige gesucht werden für was auch immer, wohl angetrieben durch ein nicht anders zu befriedigendes Helfersyndrom.

Sicher gibt es in dieser Branche unfeine 'Strukturen' und Typen, die von den Mädchen aus Osteuropa für bestimmte Nebentätigkeiten in diesem Zusammenhang einen beträchtlichen Teil von deren sauer verdientem Geld abzwacken und sich gerne einen fetten BMW davon leisten, statt sich für einen Hungerlohn auf einer Baustelle abzurackern. Aber wie will man einer Betroffenen verbieten, sich in so einen rumänischen Frauenflüsterer zu verlieben, den unser Gesetzgeber Zuhälter nennt und der oft über mehrere solcher Einnahmequellen verfügt?

Ohne das Armutsgefälle zwischen den Osteuropäischen Ländern und Deutschland, würden aufgrund geringeren Angebots die Preise steigen und diese Arbeit auch wieder mehr einheimische Frauen machen. Der Umsatz von wenigeren aber gut betuchten Kunden würde sich wohl auf weniger Dienstleisterinnen verteilen.

Junge und gutaussehende Frauen aus diesen Ländern haben zumindest die Wahl, in ihren Heimatländern mit 300€ Monatslohn oder weniger auszukommen oder sich nach lukrativeren Möglichkeiten umzusehen. Wobei man davon ausgehen kann, dass sie, wenn sie hierzulande behütet und im Wohlstand aufgewachsen wären, diesen Job bestimmt nicht ausüben würden.

Die Grenze zur Zwangsprostitution ist sicher fließend, wobei der Zwang verschiedene Ursachen haben kann, wie z.B. eine Familie oder Kinder, die durchgebracht werden müssen. Bei einem generellen Verbot bliebe den meisten Betroffenen nur die Armut oder ein gefährlicher Weg in die Illegalität und übrig bliebe mit Sicherheit die Zwangsprostitution.

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Alt  16.03.2017, 17:16   # 26
wüstenwind
 
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wüstenwind ist offline
Tja das Motto manches Gutmenschen ist möglicherweise nicht weit entfernt von einem menschenverachtenden
"Lieber soll sie verrecken als dass sie sich prostituiert."

Der die Prostitution ablehnende Mensch als Retter.
Der Freier als Verdammenswerter.
Vermutlich eine verkehrte Welt aus Sicht einer Frau, die möglicherweise auch noch ein Kind mit durchbringen muss.

Ich will sicher nicht den Freier als uneingeschränkten Heilsbringer darstellen.
Aber er tut möglicherweise letztlich doch mehr für die Betroffenen als solch ein moralinsaurer Zeitgenosse.
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Danke von
Alt  16.03.2017, 16:51   # 25
kuching
Immer auf der Jagd
 
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kuching ist offline
Was mir an dem Artikel von Johannes Böhme ganz besonders und zu allererst missfallen hat, war und ist die abschätzige mit einer gehörigen Portion Verachtung verbundene Meinung über seinen "Dummy" Rene. Die Replik von Sonja Tumbling (als verlinkter Artikel hier im Thread) nimmt den Artikel eh schon ziemlich gekonnt auseinander - zu Recht.

Aber zurück zu den Männern, die sich Sex kaufen:

In der Welt von Johannes Böhme kommt es anscheinend nicht vor, dass der Gang zu Prostituierten nicht nur der Einsamkeit geschuldet ist sondern viele Ursachen haben kann: Fremdgehen ohne "alles zu gefährden", eine Partnerin die keinen Sex mehr will/haben kann, keine feste Beziehung zu wünschen usw. In seiner Welt sind diese Fälle nicht vorgesehen oder aber würden mit einem Achselzucken abgetan:Kismet!

Der Schwachsinn, dass Männer Charme, Humor, Einfühlungsvermögen usw. zeigen müssen, um zum Sex zu kommen ist auch unausrottbar. In meinem nicht mehr so jungen Leben habe ich schon so viele Arschlöcher gesehen, die genau das Gegenteil verkörperten und dennoch immer bestens ankamen und genau so viele Frauen, die sich jammernd ausließen über wieder so einen Typen, auf den sie herein fielen.

Nein, dieser Rene in seiner Idealvorstellung ist wohl so wie sich Herr Böhme die Welt vorstellt, allerdings ist die Welt nicht so. Was ihn aber nicht daran hindert seiner Verachtung Lauf zu lassen. Letztendlich spricht Böhme ein Urteil über 2 Menschen aus: der eine ist ein verbrecherischer, skrupelloser Ausbeuter und Zerstörer und die andere ist die würdelose Frauen, die natürlich geknechtet und geschunden ist. Tja, damit bewegt er sich nicht so weit weg von de Beschreibung der Zustände im finsteren Mittelalter.

Nicht falsch verstehen: das Geschwür Zwangsprostitution ist ekelhaft und gehört ausgemerzt. Auch wenn die Frage nun schwierig wird zu beantworten, wann beginnt der Zwang strafrechtlich zu werden und wann ist es "nur" ausbeuterisches Ausnutzen einer finanziellen Zwangslage oder einfach nur ein (!) Weg um schuldenfrei zu werden oder Kinder und Angehörige zu versorgen oder einfach nur"bequem", so bleibt doch ein etwas bitterer Nachgeschmack übrig. Wir alle wissen nicht ob hinter der perfekten Schauspielerei der geliebten Hure nicht doch nur die blanke Angst vorherrscht und damit, dass wir uns auf unser "Gefühl" verlassen, dass es hier und jetzt schon nicht so sein möge, uns nur selbst belügen, wird wohl objektivierbar kaum zu bewerten sein.

Von daher ist der Weg "alle Freier in den Knast" natürlich einfach und verspricht schnelle Lösung des Übels. Das aber ist es halt eben doch nicht. Der Weg der Legalisierung der Prostitution verhindert jedenfalls in größerem und kaum mehr zu überschauenden Maße die Flucht in die Keller und Hinterzimmer. Legalisierung von Prostitution verhindert zwar nicht gänzlich den Zwang, bietet aber zumindest die Möglichkeit darauf einen Blick zu haben.

Ich möchte nicht das Fass aufmachen und beurteilen ob Klos putzen menschenverachtender ist oder nicht. Die Armutsprostitution aus den osteuropäischen Ländern lässt sich nicht verleugnen. Es bleibt, bei aller Kritik an dem dämlichen Artikel, ein Tanz auf der Rasierklinge. Nur geht der Lösungsansatz von Böhme daneben: es gälte die Verhältnisse in den Herkunftsländern so zu verändern, dass der Schritt in die Prostitution nicht als einzig gangbarer Weg erscheint. Wenn dann, aufgrund einer gewissen Wahlmöglichkeit sein Leben zu gestalten, der Weg in die Prostitution einer von mehreren ist, dann wäre schon viel geholfen.

Das Menschenhändlern der Garaus gemacht werden muss ist unbestritten, allerdings würde ich die in die Gefängnisse stecken anstatt den Freier, während der Händler nur mit den Schultern zuckt und eben so weitermacht.
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Alt  16.03.2017, 13:12   # 24
William Masters
Sexologe
 
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William Masters ist offline
Würde

Danke, Don Loco, auch für das treffende Argument zum Thema Tochter: ich denke auch, dass sich die Überlegungen nicht grundsätzlich von denen unterscheiden, die man auch bei anderen Frauen anstellen würde, denen man wohlwollend gegenübersteht. Am Ende läuft es auf die Frage hinaus, ob man als Sexdienstleisterin arbeiten kann, ohne seine persönliche Würde zu verlieren. Ich denke tatsächlich, dass dies möglich ist und auch so sein sollte, sonst würde ich mich an diesem Geschäft nicht beteiligen wollen. Schön wäre es nur, wenn die Öffentlichkeit das auch so sehen könnte.
__________________
Im Dienst der Wissenschaft
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Alt  16.03.2017, 04:20   # 23
Don Loco
 
Mitglied seit 19. April 2015

Beiträge: 48


Don Loco ist offline
Liebe Kollegen, lieber TeGe:

das sehe ich ganz genauso, wenn hier ein Job menschen-verachtend ist, dann die Toilettenputzerei dank des unzureichenden Minilohns.

Genau mit diesem Argument sieht man ja auch immer wieder schön die perfide Herangehensweise der Prostitutionsgegner*innen:

"Würden Sie wollen, dass Ihre Tochter Sex gegen Geld anbietet?" wird scheinheilig gefragt. Natürlich möchte Niemand (auch ich nicht), dass die eigene Tochter dies tut. ABER: Ich will auch nicht, dass sie bei Sanifair auf einer Autobahnraststätte den Herren die Sch***** hinterherputzt. Oder bei einem Billigdiscounter die Regale auffüllt. Und das alles für einen Hungerlohn. Ganz ehrlich, dann ist es mir noch lieber, sie verdient 8000,- im Monat als Escort-Dame, setzt sich mit 35 zur Ruhe und studiert Philosophie.

Nach deren Logik müssten also im Prinzip alle Jobs verboten werden, die unsere Töchter niemals nicht tun sollten, oder? Tolle Logik...Immer diese Pseudoargumente...

Lieber William Masters,

100% D'accord, da sind mir im Eifer des Gefechtes ein bisschen die Gäule durchgegangen; wissenschaftlich gesehen durfte ich da natürlich nicht pauschalisieren - selbstverständlich sind die Ansichten von Feminist*innen differenziert zu sehen.

Großen Dank übrigens für die liberale Betrachtungsweise - ich sehe mit großer Sorge, dass - auch in anderen Bereichen - Freiheit und Toleranz mehr und mehr an Stellenwert zu verlieren scheinen. Vermutlich ist es leider sehr schwer, den Wert von Rechten zu schätzen, wenn man sie als selbstverständlich ansieht, weil man ja damit aufgewachsen ist.

Aber der Verlust von Freiheit und Toleranz führt unweigerlich in den Totalitarismus, und dieser wiederum zu vielen unschönen Dingen, die wir alle nicht brauchen.

Auch ein Verbot der Prostitution wäre intolerant, da - nimmt man die scheinheiligen Pseudogründe weg - nur eine restriktive Moral übrig bleibt, die man der restlichen Bevölkerung mit Gewalt und unter Strafandrohung aufzwingen möchte.

Tja, traurig, sowas...

lg,
euer Don
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Alt  15.03.2017, 23:05   # 22
ctrz40
 
Mitglied seit 8. January 2014

Beiträge: 11


ctrz40 ist offline
Es fällt halt immer leicht alles über einen Kamm zu scheren, wenn doch die Realität viel komplexer ist. Man könnte auch fragen, ob es menschenverachtend ist, Toiletten für einen Lohn putzen zu gehen, bei dem man am Ende des Monats noch aufstocken muss oder bei dem man sich für jede 50ct "Trinkgeld" am Ausgang bedanken muss. Aber nein, da klopft man lieber auf Bereichen rum, die man offenbar nicht ganz versteht oder mit seinem etwas schwarz/weiß gefärbtem Weltbild in Übereinklang bringen kann.

Tatsache ist aber, dass man als Freier eine gewisse Verantwortung hat. Sowohl was das Verhalten gegenüber den Dienstleisterinnen angeht, als auch beim Sichten des Angebot selbst. Da das hier im Forum sehr häufig (Mina von China Ladies ein aktuelles Beispiel) kontrovers diskutiert wird, kann man schön sehen, dass zumindest ein schwer zu beziffernder Anteil der Freier sich durchaus Gedanken über Themen wie Ausbeutung, Zwangsprostitution und Gesundheit macht.

Letztlich wird Prostitution kaum der Traumberuf irgend eines Menschen sein. Manchen fällt es aber wahrscheinlich deutlich leichter als andere Jobs bzw. sie haben so die Möglichkeit für ihre Verhältnisse gut zu leben. Wieso zum Teufel nicht? Ich hab jedenfalls noch nie ein Date mit einer Dienstleisterin gehabt, wo ich das Gefühl hatte, dass sie sich zu was zwingen müsste. Das setzt natürlich voraus, dass man sich im Vorfeld etwas schlau macht und 100% sicher kann man nie gehen. Aber das ist so ziemlich in jedem anderen Bereich im Leben auch so.

Long story short: Gehen beide Seiten respektvoll und umsichtig miteinander um, kann ich am Geschäft Prostitution nichts verwerfliches erkennen und erst recht nicht denke ich negativ von den Dienstleisterinnen als Menschen.
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Alt  15.03.2017, 21:05   # 21
mr.cock27
 
Benutzerbild von mr.cock27
 
Mitglied seit 29. December 2014

Beiträge: 422


mr.cock27 ist gerade online
Hoffentlich lesen das die Herren und Damen von der Zeit:
http://sonjadolinsek.tumblr.com/post...expolizeistaat
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