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Alt  09.11.2013, 12:32   # 1
kuching
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Fernsehserien sind die besseren Spielfilme??!!

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diane-kruger-the-bridge.jpg   Hank Wade - Ted Livine.jpg   Charlotte - Annabeth Gish.jpg   thomas m. wright.jpg   Marco Ruiz.jpg  

Vorbemerkung

Eine gewagte These, dummes Geschwätz oder doch wenigstens zum Teil richtig? Jedenfalls lässt sich sagen, dass es seit einiger Zeit ein paar sehr gut gemachte Serien gibt, die nicht von zweitklassigen Autoren, Regisseuren und Schauspielern produziert wurden und, es gibt zumindest in den USA einen Trend hin zu Kabel-Produktionen. Woran liegt das wohl? Ein Zitat dazu (Quelle mir unbekannt):

Solche Filme wie «The Bridge» oder zum Beispiel auch «Breaking Bad» werden einfach nicht mehr im Kinoformat gemacht. Die amerikanischen Studios machen Blockbuster und Komödien, die sich gut verkaufen, aber intime Charakter-Dramen werden nicht mehr fürs Kino gemacht. Es gibt einen riesen Trend zum Kabel. Für normale Fernsehserien werden ungefähr neun Monate im Jahr gedreht für 22 Episoden, wir machen 13 Folgen und arbeiten vier Monate, also quasi wie bei einem Film.

Es gibt also nicht wenige Fälle, in denen die üblichen 100 – 120 Minuten auf der Kinoleinwand nicht ausreichen um einen Charakter vollständig zu entwickeln und zu vermeiden, dass die Figuren etwas holzschnittartig daher kommen. Ein weiterer (Zeit-)Vorteil ist sicher, dass sich parallele, weitere Erzählstränge einbauen lassen, die nicht nur angerissen werden können, sondern eine eigene Geschichte in der Geschichte darstellen. Ganz besonders geglückt ist das meines Erachtens nach in der dänischen Polit-Serie „Borgen“ (lief bei uns auf Arte), die neben der reinen Story des Aufstiegs einer Politikerin z.B. auch die Geschichte „Was ist seriöser politischer Journalismus?“ einbaute. Da bietet die Serie genug Zeit, das nicht nur mal eben so kurz anzureißen, sondern wirklich zu beleuchten.

Ähnliches ist auch bei "The Bridge – America" gelungen. Ein paar (gute) Serien werden nun nicht verhindern, dass ich weiter mit Begeisterung ins Kino gehen werde. Es gibt Stoffe und deren Bilder, die einfach nur im Kino funktionieren, die eine große Leinwand und eventuell ein größeres Budget brauchen, die eben gemacht sind für 120 oder von mir aus auch für 180 Minuten, wenn sie denn nicht durch den Schnitt noch „verstümmelt“ werden („Apokalypse Now Redux“ , die Langfassung von Francis Ford „God“ Coppola, gewinnt z.B. durch die Sequenzen mit den Franzosen und der unrühmlichen Szenen mit den Playboy-Bunnies noch einmal so richtig an Schärfe).

The Bridge – America

Die Serie ist eine Adaption der dänisch-schwedisch-deutschen Produktion „Die Brücke – Transit in den Tod“ in der die Öresund-Brücke die Rolle spielt, die hier in der amerikanisch Fassung eben „The Bridge of the Americas“ (Plural!) ist. Produzenten: Meredith Stiehm („Homeland“) und u.a. Lars Blomgren (dänisches Original)

Auf jeden Fall passt der eigens für die Serie geschriebene Song von Ryan Bingham „Until I´m one with you" bestens für den Schauplatz in den USA.



Leider ist im Netz nirgends der Vorspann untermalt mit dem Song zu finden. Schon im Vorspann beginnt der Zuschauer etwas zu ahnen von den großen Gegensätzen an der Grenze, allein diese Umsetzung ist schon das Zuschauen wert.

Die Geschichte

Auf der „Bridge of the Americas“, genau auf der Grenze zwischen Ciudad Juárez und El Paso wird eine – wie sich kurze Zeit später herausstellt – zweigeteilte Frauenleiche gefunden: der Oberkörper einer amerikanischen Richterin, die streng gegen die mexikanischen Einwanderer vorgeht und der Unterkörper einer der vielen vermissten mexikanischen Frauen, die vor Monaten bereits spurlos verschwunden ist. Der mexikanische Ermittler Marco Ruiz (Chihuahua State Police) und Sonya Cross (El Paso PD) ermitteln zusammen und suchen nach dem Mörder, der ein Serienkiller ist – allerdings nicht nach dem üblichen Muster.

Neben der eher konventionellen „Whodunit?“-Geschichte spielt die politische Dimension des Falles eine besondere Rolle und es ist als ein absoluter Glücksgriff der Produzenten, dass sie die adaptierte Geschichte eben an diese Grenze gelegt haben. Bis heute sind Hunderte Frauen in Ciudad Juárez vermisst und ermordet worden, meistens junge Frauen, die in den grenznahen Fabriken internationaler Konzerne arbeiten.

Zitat aus Wiki:

Als Hintergrund für die Frauenmorde gilt allgemein der von Ciudad Juárez von den Gangs organisierte internationale Menschenhandel mit jungen Frauen für die Prostitution. Die Frauen werden dabei nach der Entführung zumeist geschlagen, mit Drogen hörig gemacht und ihren Familien entwöhnt. Frauen, die sich auch dann noch nicht auf ein neues Leben als Prostituierte einlassen wollen, werden getötet und entsorgt, insbesondere um die anderen Frauen abzuschrecken.
Andererseits kommen viele Frauen auch als Drogenkuriere um, wenn sie von konkurrierenden Kartellen aufgegriffen werden. Oft werden in Mexiko noch viele Jahre später Massengräber mit den Leichen lange vermisster Personen gefunden. Verbreitet ist bei Drogenkartellen auch die völlige Auflösung der Leichen in Säure, wie z. B. hundertfach durchgeführt durch das verhaftete Tijuana-Kartellmitglied Santiago Meza Lopez.
Aus Sicht der mexikanischen Justiz gibt es keine spezielle Frauenmordserie. Es gibt nur die sehr zahlreichen weiblichen Opfer im mexikanischen Drogenkrieg, die im Hinblick auf die Vermisstenzahlen bis heute nicht nachgelassen haben. Seit die Jugendstrafen für Mord ab 2012 verdreifacht wurden, ist die Zahl der Frauenopfer drastisch zurückgegangen.


Wenn eine Amerikanerin ermordet wird, wird alles getan um das aufzuklären, keiner interessiert sich für die vielen jungen Frauen auf der anderen Seite, die ermordet, entführt, geschändet werden. Das ist so etwas wie die Quintessenz dieser Serie. Natürlich kommen die korrupten mexikanischen Polizisten nicht gut weg. Allerdings, und das sei ausdrücklich erwähnt, die amerikanischen Polizisten bekleckern sich auch nicht Ruhm, ja, sie sind sogar teilweise beteiligt an den Vorgängen jenseits der Grenze. Es ist also keine klassische „Wir-gegen-die-Geschichte“, eher wird hier der Finger in die Wunde gelegt, dass es keinen wirklich interessiert, was da vor sich geht: „How long can El Paso look away?“

Die Grenze, die Brücke und die Wüste spielen eine nicht zu unterschätzende „Hauptrolle“ in der Serie. Die Farben sind satte Braun- und Gelbtöne, die mexikanischen Parts werden zumeist im Original gesprochen und deutsch untertitelt. 13 Folgen à ca. 45 Minuten bedeuten viel Zeit die Charaktere zu entwickeln und fortzuführen, nicht wenige Sequenzen sind kammerspielartig, tot gequatscht wird nichts und wir erfahren einiges über die Vergangenheit und das Innenleben der Protagonisten.

Die Charaktere

Sonya Cross (Diane Kruger) leidet unter dem Asperger Syndrom, einer leichten Form des Autismus. So zeigen vom Asperger Syndrom Betroffene kaum eigene Emotionen, können sich nicht in die Gedankenwelt anderer Menschen hineinversetzen und auch nicht an deren Mimik die jeweilige Gefühlslage ablesen: sie sagen, was sie denken. Es wird in der Serie nie eindeutig gesagt, dass sie diese Erkrankung hat, alles deutet aber daraufhin (Diane Kruger hatte am Set einen Berater, der unter dem Asperger Syndrom leidet). Ihr „väterlicher“ Mentor Lt. Hank Wade beschützt und „betreut“ sie und ist auf eine besondere Weise mit dem Schicksal von Sonya und ihrer Schwester verbunden. Alles das ergibt sich im weiteren Verlauf der Serie. Sonya ist eine akribische und detailverliebte Arbeiterin und hat von daher mit

Marco Ruiz (Demián Bechir) so manches Mal ihre Schwierigkeiten. Marco ist ein (der letzte?) aufrechte Bulle auf der mexikanischen Seite, ein gemütlicher Brummbär mit Familie, der die Finger von den Röcken nicht lassen kann und sich in dem Feld der Korruption und unseriösen Angeboten zu behaupten versucht.

Lt. Hank Wade (Ted Levine) ist der gütige Polizeichef, menschlich, kollegial, beschützend, bedächtig, das große Ganze im Blick habend und zugleich der Mentor von Sonya. Er weiß wie es läuft und er behält den Überblick. Jedenfalls ist er das krasse Gegenteil der mit Klischees beladenen Vorstellungen über einen texanischen Polizisten. Die gibt es nämlich auch in der Serie.

Charlotte Millwright (Annabeth Gish) ist ein ehemaliges Escort-Girl aus Florida, deren Mann stirbt und ihr ein Anwesen hinterlässt. Auch sie muss erkennen, dass das Leben nun besondere Herausforderungen an sie stellt und sie mit „Aufgaben“ konfrontiert, die sie so nicht erwartet hatte. Ihr Anwesen spielt eine besondere Rolle in diesem Grenzgebiet und ist ein weiteres Detail an dieser so mörderischen Grenze.

Ihr zur Seite steht in erster Linie ihr Angestellter Cesar (Alejandro Patino), die gute und wissende Seele des Hauses, der die Entwicklung von Charlotte nicht unbedeutend mit voran treibt.

Daniel Fry (Matthew Lillard) ein versoffenes und zynisches Journalisten-Arschloch und seine junge lesbische Partnerin Adrianne Perez (Emiliy Rios) bilden ein weiteres Paar in der Serie und versuchen den fürchterlichen Vorgängen an der Grenze nachzugehen.

Und da wäre dann noch der unglaublich verschrobene Steven Linder (Thomas M. Wright), ein Helfer der besonderen Sorte, anrührend und mysteriös zugleich, der eine dermaßen präsente und zugleich extrem reduzierte Performance abliefert, dass er für mich – trotz weniger Auftritte – der eigentliche Star der Serie ist. Er verliebt in Eva Guerra (Stephanie Sigman).

Alle „Paare“ sind gegensätzlicher, wie sie es nicht sein könnten, sie kommen sich aber näher, peu à peu und doch nicht zusammen. Dennoch sind es ihre inneren Beziehungen, die sich im Laufe entwickeln, die eben den weiteren Reiz der Serie an sich ausmachen. Wir haben viel Zeit uns auf die Charaktere einzulassen, der Fluss in der Serie ist in gemäßigtem Tempo, die Entwicklung der Protagonisten ist nachvollziehbar und langsam erkennen wir auch die andere Seite der Personen. Sie entwickeln sich fort von ihrer etwas eindimensionalen Einführung in die Geschichte, werden vielschichtiger und lassen so manches Mal eine Seite erkennen, die zunächst nicht zu erwarten war. Das gilt selbst (in Maßen!) für den Kartellboss Fausto Galvan (Ramón Franco). Einzig der mexikanische Polizeichef Capitan Robles (Juan Carlos Cantu) und sein Pendant Hank Wade sind in ihren Rollen „bad guy – good guy“ relativ festgeschrieben.

Natürlich gibt es auch Schwächen in der Serie: verschiedene Regisseure für die Folgen, ein schwächerer Showdown (nicht das Ende der Serie!) und die ein oder andere kleine Länge. Dennoch gibt es eben auch Bilder von epischer Schönheit. Wenn Steven nach Eva sucht und mit anderen mexikanischen Frauen im Wüstensand nach einem möglichen Grab stochert, der Blick der mexikanischen Mutter, die vergebens am Bus auf die Tochter wartet, der Besuch von Sonya bei einem psychisch schwer kranken Mann in der Gefängnisanstalt, der unbeholfen immer die gleichen Bilder malt, die Mauer, an der die „Steckbriefe“ der verschwundenen und vermissten jungen Frauen hängen, das ist – obwohl Fernsehen – ganz großes Kino! Ein paar wenige deftige Gewaltszenen und 2 fürs amerikanische Fernsehen ungewöhnlich deftige Sex-Szenen gibt es auch.

Die Serie wurde von Fox-Channel (Kabel Deutschland) ausgestrahlt, zunächst wöchentlich eine Folge und am letzten WE in einem Rutsch alle Folgen nochmal durch. Man sollte sich - sofern möglich – diese Serien zusammenhängend ansehen, man „vergisst“ sonst zu viel zwischendurch. Die Serie wurde in USA und Deutschland nahezu zeitgleich ausgestrahlt. Sie wird von Fox sicher nochmal wiederholt und demnächst wohl auch auf DVD erscheinen.

Die zweite Staffel ist bereits in Auftrag gegeben, Beginn der Dreharbeiten demnächst.
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Alt  22.10.2017, 18:36   # 73
kuching
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The Son - AMC

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The Son_2.jpg   The Son_3.jpg   The Son_4.jpg   The Son_5.jpg   The Son_1.jpg  

Die Serie lief bei uns auf TNT im Frühjahr dieses Jahres. Der amerikanische Fernsehsender AMC ist bekannt für qualitativ hochstehende Serien wie z.B. „Breaking Bad“, „The Walking Dead“,“ Mad Men“ usw. Hier wird mit „The Son“ allerdings meiner Meinung nach nur höchst durchschnittliche Serienkost gezeigt und das ist schade.

Im Mittelpunkt der Verfilmung von Philip Meyers gleichnamigem Bestsellerroman, der auf Deutsch als "Der erste Sohn" erschienen ist, stehen drei Generationen der Familie McCullough: der Patriarch Eli (Pierce Brosnan), sein Sohn Pete (Garrett Droege) und dessen heranwachsende Tochter Jeannie (Sidney Lucas). Eli ist das, was man einen harten Hund nennt: Mit eiserner Hand führt er seine Farm und seine Familie. Wenig Respekt zeigt er für seinen Nachbarn, den mexikanischstämmigen Don Pedro Garcia (Carlos Bardem) und für Mexikaner im Allgemeinen. Als sein Ölförderturm niederbrennt, lässt er kurzerhand Garcias der Tat bezichtigten Schwiegersohn entführen und foltert ihn später eigenhändig. Mehr auf Diplomatie und Vernunft aus ist Pete, der jedoch auch nicht lange fackelt, als der Entführte ihn angreift. Enkelin Jeannie tritt in den ersten Folgen nur kurz als intelligentes, aber auch auf großmäulige Art selbstbewusstes Mädchen in Erscheinung, das Arbeiter von oben herab behandelt. Richtig sympathisch ist einem jedenfalls niemand aus dieser reichen Familie.

Parallel dazu wird die Geschichte des jungen Eli erzählt, der ein Jahr nach dem amerikanisch mexikanischen Krieg bei einem Indianerüberfall von Comanchen entführt und dort versklavt wird. Im Laufe der Zeit wird er mehr und mehr zu einem vollwertigen Mitglied des Stammes als Ziehsohn des Häuptling Toshaway.

Dieser Part der Geschichte ist der eigentlich interessantere Teil, der zwar auch nicht frei von Klischees ist, aber trotzdem die Wandlung, die Anpassung des jungen Weißen an ein anderes System sehr schön zeichnet. Wahrscheinlich soll diese Geschichte auch zeigen warum der alte Eli mittlerweile ein ziemlich gnadenloser Mann geworden ist. Bis auf die durchaus gelungene Erzählung der eher gegensätzlichen Eli und dem feinfühligeren Sohn Pete bleiben die Handelnden und deren Geschichte jedoch weitgehend stereotyp und eindimensional, leider.

Natürlich wird es eine 2. Staffel geben, die dann hoffentlich besser ist.

Dass eine ausgezeichnete Ausstattung, Setting und namhafte Schauspieler mittlerweile in den USA zum Serienstandard gehören, daran sind wir gewöhnt. Aber das allein reicht dann doch (noch) nicht aus.

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Alt  01.10.2017, 07:29   # 72
kuching
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Bankerot - Dänemark (deutscher Titel: „Helden am Herd“) – ARTE

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Bankerot_1.jpg   Bankerot_2.jpg   Bankerot_3.jpg   Bankerot_4.jpg   Bankerot_5.jpg  

Immer wieder frage ich mich, warum nur die Skandinavier (und da zähle ich jetzt DK einfach mal dazu) es immer wieder schaffen, eigentlich schwierige oder dröge oder sperrige Stoffe mit einer sehr viel weiter südlich vermuteten Leichtigkeit zu erzählen. Es ist ein Phänomen und egal um welches Sujet es sich handelt – Noir, Drama, Polit – es ist (fast) immer ein Genuss zuzusehen, wenn man denn sich auf das sehr gemächliche Tempo einlässt und dabeibleibt.

Thomas (Martin Buch) ein alkoholkranker, legasthenischer Sommelier wohnt mit seinem Sohn in einer Bruchbude. Sein Sohn ist, seitdem er den Tod der Mutter mitansehen musste, verstummt. Dion (Esben Dalgaard Andersen), ein früher Freund von Thomas, wird auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen und hat noch Schulden bei einem Mafioso („Zahnfee“, denn er schlägt gerne den Schuldnern mit einem Kuhfuss die Zähne aus). Dion überredet Thomas aus der Bruchbude ein Restaurant zu machen, schließlich ist er ein begnadeter Koch und muss seine Schulden begleichen. Als würde das noch nicht reichen, tritt auch noch die naive Hannah mit einem knallroten Mantel in das Leben der beiden Freunde (sie besucht Selbsthilfegruppen von Verwitweten, denn schließlich sind diese wirklich frei, also ohne Frau).

Viele weitere bis ins kleinste Detail sehr sicher und auf den Punkt besetzte und erzählte Nebenrollen runden das Ganze ab. Natürlich werden die Hürden immer höher, die Schwierigkeiten immer größer, alles erscheint immer auswegloser und doch ist, bei aller Tristesse (gerade auch bei den Farben des Sets), immer Hoffnung da auf ein Happy End. Aufgegeben wird nicht und seien die Verwicklungen und Wendungen auch noch so entmutigend.

Es ist hart genug für eine Mafia-Story, witzig und skurril genug für eine schwarze Komödie und weich genug für eine Romanze. Aus vielen Zutaten wurde ein Feinschmecker Menü mit einer „Textur“ geschaffen, die mich verzückt hat.

Die Macher Kim Fupz Aakeson, Henrik Ruben Genz, Annette K. Olesen und Mikkel Serup sind allesamt „Berlinale“ erfahren. Da kommt also das Kino in Form einer kleinen Serie auf den Bildschirm und das so stark und kräftig und dann doch wieder so subtil, dass es einen fesseln muss. Das ist kleines und doch so großes Kino!

Einen deutschen Trailer habe ich nicht gefunden, der dänische Clip gibt aber die Atmosphäre bestens wieder.

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Alt  30.09.2017, 21:50   # 71
kuching
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Berlin Station - Epix

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BerlinStation_2.jpg   BerlinStation_1.jpg   BerlinStaion_3.jpeg  
Ein Mann läuft, nachdem er auf dem Gebäude Potsdamer Platz 1, einem stilsicher an die Art Déco Hochhäuser in den 20er Jahren in den USA erinnernd (Architekt Hans Kollhoff), auf der Aussichtsplattform etwas gesucht hat und nun das Gebäude schleunigst verlassen muss, über den Potsdamer Platz und wird in den Rücken geschossen. Ein Mann tritt auf ihn zu, untersucht ihn und fragt, wo „er es denn versteckt habe“. Der Angeschossene lächelt nur…

Szenenwechsel: eben dieser angeschossene Mann geht durch einen Bach in einem Dschungelgebiet in Panama, 2 Monate zuvor…

Schönes Bild, dieser Hinweis auf die Panama Leaks, man weiß nun auch ohne ein Wort um was es geht: der Angeschossene ist Daniel Miller (Richard Armitage), ein Analyst der CIA, der alsbald in die „Berlin Station“ versetzt wird um dort nach einem Leck zu suchen. Ein CIA-Mitarbeiter veröffentlicht über die Berliner Zeitung pikante und geheime Details über die Arbeitsweise der CIA.

Es ist, bei allem Wohlwollen und Gefallen an der Geschichte, doch eine recht konventionelle Spionage- oder Geheimdienst-Story geworden, die mit schönem Berliner Lokalkolorit versehen durchaus ihre Reize hat. Man hat hier Wert auf Authentizität gelegt und eben kein „Postkarten-Berlin“ gezeigt. Eher die tristen Ecken in Kreuzberg und dem Wedding, Platten und der nunmehr völlig heruntergekommene Teufelsberg, die alle haben Ihre Auftritte. Grau und braun, düster und wenn, dann nur mit fahler Sonne präsentiert sich ein unprätentiöses Berlin. Wenig Anklänge an das hippe Berlin…

Und ja, der CIA, der Mossad und natürlich der BND, die haben so ihre unterschiedlichen Ziele und versuchen diese jeweils auf ihre Art und Weise zu erreichen. Doppelagenten, das übliche Verwirrspiel, ein bisschen Sex mit der Deutschen aus dem Osten und nun beim BND, der Station-Leiter Steven Frost vögelt seine Assistentin, wird aber von seiner Frau dennoch, als es später eng wird, weiter unterstützt. Ein bisschen Waterboarding, ein paar Anklänge an das „Stockholm-Syndrom“, ein arabischer Mädchenhändler(?), der junge Frauen zum IS rekrutieren will oder vielleicht war es doch der rumänische Geheimdienst?

Und mittendrin Daniel Miller und sein alter Partner Hector DeJean (Rhys Ifans u.a. „Notting Hill). Hector der undurchsichtige und etwas zwielichtige Agent, der auch mal eben mit einem schwulen Saudi rummacht, weil die Infos, die müssen fließen. Die deutsche Riege ist auch nicht zu verachten (Bernhard Schütz, Mina Tander, Claudia Michaelsen und Sabin Tambreau – beide u.a. „Ku´damm 56“).

Letztendlich, wenn man genau aufpasst, wird doch schon deutlich vor dem Ende klar, wer denn der Whistleblower Thomas Shaw ist, aber wer erinnert sich schon immer an jede Szene?

Es ist nicht unspannend erzählt, man mag sich schon mit den Figuren indentifizieren und Berlin gibt einen passenden Rahmen ab. Man darf nur nicht zu viel erwarten, es ist zweifelfrei sehr ordentliche Unterhaltung, aber eben nix Neues im Westen.

Titelsong von David Bowie: I´m afraid of americans

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Alt  12.07.2017, 16:48   # 70
kuching
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4 Blocks – auf TNT (wird derzeit wiederholt)

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4-blocks.jpg   4-blocks_1.jpg   4-blocks_2.jpg   4-blocks_3.jpg   4-blocks_4.jpg  

Vorbemerkung

Eine neue deutsche Serie und dazu eine große Herausforderung, berührt sie doch ein Thema, das manchmal rational, viel häufiger jedoch emotional „diskutiert“ wird und letztendlich eines ist, bei dem alle mitreden können und wollen, weil es einerseits die Urängste vor Gesetz- und Hilflosigkeit und andererseits einfach die Schlagzeilen beherrscht, jedenfalls zuverlässig von Zeit zu Zeit.

Amerikanische Serien über die „Gesetzlosen“ gibt es zuhauf. Da es weit weg von uns spielt, ist es wesentlich leichter, Klischees erst gar nicht an sich heranzulassen, eventuell sogar „Sympathien“ für die „Gesetzlosen“ zu empfinden und den gnadenlosen Blick auf die Deformationen in der Gesellschaft sogar zu genießen. Mag man die Schauspieler, man beurteilt die filmische Erzählung, Optik, die Produktion und freut sich ehrlich über den Showrunner, der das alles im Griff hat und uns im besten Fall ein paar tolle Stunden Unterhaltung auf höchsten Niveau beschert.

Und nun Neukölln und/oder Kreuzkölln, der Görlitzer Park, die Sonnenallee, die Karl-Marx-Straße, der „Kotti“? Ein Glas wohlschmeckender, bestens gekühlter Weißwein und einen Espresso nach dem Verzehr einer schönen Portion spagetthi al pesto auf der Couch sitzend und mit wohligem Schauer die Serie anschalten, geht das überhaupt? Es kommt darauf an….

Handlung

4 Blocks handelt und spielt in Neukölln. Ein libanesischer Familien-Clan, deren Hauptprotagonisten sehr lange vor der aktuellen Flüchtlingskrise nach Deutschland kamen (in den 80igern, damals wohl vertrieben von christlichen Milizen und die in Deutschland nur zu einem kleinen Teil als anerkannte Flüchtlinge Asyl erlangten), leben als „Geduldete“ in Berlin und dürfen nicht arbeiten („Jeder Asylant hat mehr Rechte als wir“). Trotzdem fahren sie AMGs und wohnen in besonders schönen Berliner Wohnungen, haben riesige Flat-Screens und natürlich alle schöne Frauen. Die Berliner Polizisten kommen eher blass und unterprivilegiert daher. Kein Wunder, sind die Libanesen doch groß im Schutzgeld-, Drogen-, Prostitutions- und Automatengeschäft unterwegs. Die jungen Mitglieder des Clans schauen derweil, dass die Afrikaner, die den Stoff im „Görli“ verticken, auch anständig arbeiten. Dabei wird sich auch schon mal über Jogis „falsche 9“ und „Müller ist kein richtiger Stürmer“ unterhalten und das Adidas-Shirt der deutschen Nationalmannschaft scheint überaus beliebt zu sein.

Ali –„Toni“ Hamady, der Boss des Clans (gespielt von Kida Khodr Ramadan) will sich eigentlich mit Frau und Kind ins Privatleben zurückziehen. Nach 26 Jahren winkt endlich der deutsche Pass, er will sich ein Mietshaus kaufen und richtig bürgerlich werden. Da wird bei einem Polizeieinsatz sein Schwager Latif (Wasiem Taha alias Rapper „Massiv“) hochgenommen, das Rauschgift beschlagnahmt und er muss wieder ran und die Probleme lösen, vor allem Nachschub besorgen. Das ist alles andere als leicht und selbst ein weiterer Clan kann da nicht helfen („Wir haben damals in Beirut den Bürgermeister gestellt, ihr habt nur die Ziegen gehütet“). Eine Rockergang macht Ihnen auch noch Revier und Geschäft streitig und zu alledem ist auch noch ein Polizist eingeschleust worden (Vince, gespielt von Frederik Lau).

So nimmt das Unheil seinen Lauf. Alis Bruder Abbas (Veysel Gelin) überaus aggressiv, ist sowie schon der Meinung, Ali sei zu weich geworden. Seine Frau Kalila (Maryam Zaree) macht auch noch Druck und traut Ali und seinen Versprechungen von einem Ausstieg nicht mehr…

Schlussbemerkung

Die Umsetzung ist für eine deutsche Serie phänomenal gut gelungen. Da stimmt der Sound (den liefern Veysel und Massiv), die Dialoge, die Schauspielerwahl ist sehr stimmig und Berlin respektive Neukölln an der Grenze zu Kreuzberg bildet den für die Geschichte würdigen und atmosphärischen Rahmen. Die Schlussfolge bietet den passenden Höhepunkt und genug Spielraum für eine Fortsetzung.

Diedrich Diederichsen schrieb in der ZEIT:

Zitat:
Den deutschen Blick auf das arabische Leben in Berlin und den männlichen auf die Gangsterbräute erst mit ein paar Stereotypen bedienen, diese dann wieder dekonstruieren und dabei noch klar erkennbare Figuren herstellen, die nicht zu holzschnitthaft ausfallen sollten – das macht viel Arbeit.
Und diese Arbeit hat sich gelohnt. Es ist natürlich nicht das gesellschaftspolitisch erklärende oder verbrämte Einwanderungsdrama, nicht das „Zeigefinger heben“-Feature im politischen Diskurs, es ist eben doch „nur“ eine Mafia oder Familien-Clan-Geschichte, die aber dennoch nicht aus der Zeit fällt oder im leeren Raum schwebt, sondern zum Teil sehr fein gezeichnet der politischen oder gesellschaftlichen Sprengkraft ihren Platz lässt: sei es bei den Anleihen an der Böll´schen „Anekdote über die Arbeitsmoral“ oder beim Vorwurf an den jungen und hippen Kneipier, der nur englisch spricht und kann, „…er solle gefälligst deutsch reden, man sei ja schließlich in Deutschland…“ bis hin zur Aussage, dass „..wir nicht für Deutsche arbeiten…“.

Es ist wie es ist… Die Serienmacher haben sich auf die „Mafia-Geschichte“ konzentriert ohne den Rest zu verschweigen. Jeder mache sich sein eigenes Bild und bei alledem darf nie vergessen werden: dies hier ist alles nur Show im TV. Für das wirkliche Leben hat Mark Twain einen passenden Spruch:

“Truth is stranger than fiction, but it is because fiction is obliged to stick to possibilities; Truth isn't.”

Die 2. Staffel ist schon bestellt…



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Alt  03.07.2017, 12:56   # 69
kuching
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American Crime – Der amerikanische Alptraum

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American Crime.jpg  
Natürlich, wie der Name schon sagt, ist ein scheußliches Verbrechen der Aufhänger der Serie, nur dass dieses Mal nicht die Ermittler und deren kaputte Seelen im Mittelpunkt stehen, sondern die, die mit dem Verbrechen als Opfer, Angehörige oder vermeintliche Täter in Verbindung stehen. Es wird ein schonungsloser Blick auf deren Leben inmitten von Rassismus, Genderwahn, Drogen und den eigenen gescheiterten Lebensläufen geworfen. Es ist das Amerika vor Trump und wenn man sich das so ansieht, dann könnte man – vielleicht - eine Ahnung bekommen, warum nur um Himmels willen die Verzweiflung so groß gewesen sein muss irgendeinen zu wählen, nur um überhaupt was zu ändern und sei auch das alles nur vergebene Mühe.

Es ist nur deprimierend, scheinbar ausweglos und auch wenn sich Einzelne noch so sehr bemühen amerikanischer und weißer zu sein als die Etablierten, sie laufen ab einem gewissen Punkt nur gegen die Wand. Verbitterung und Hilflosigkeit allerorten und als die schnelle und einfache Lösung eben doch nicht die Lösung oder besser gesagt, die Erlösung ist, scheinen auch die Reste von vielleicht zufriedenem Leben in sich zusammen zu fallen.

“Weren’t you very desirous to be done with your father and your racist mother? It’s a show. It’s over now.”

Es ist ein schonungsloser, ja fast selbst zerfleischender Blick auf God´s Own Country, da ist kein Glamour, keine First Nation Attitude, nur noch Leere, absolute Leere. Und wieder einmal hat ein – dieses Mal sehr bekannter US-Fernsehsender, ABC – den Mut gehabt eine solche Serie in Auftrag zu geben. Wäre so etwas in Deutschland möglich, zur Prime Time in ARD oder ZDF? Nein, wohl nicht… Vielleicht auch deswegen, weil man in der amerikanischen Serie eben nicht den Zeigefinger heben will: lasst die Bilder sprechen, sie sagen mehr als 1000 Worte. So wird auf die soldatische und unehrenhafte Vergangenheit des toten Ehemanns eingegangen, aber eben nicht mit anschwellender, bedeutungsschwangerer Musik und überdeutlichem Hinweis auf die Bilder. Nein, die Photos werden fast beiläufig in der Hand des Vaters gezeigt, 3 bis 4 Stück, die er sich ansieht und dann verbrennt. Mit dieser kurzen Sequenz ist alles gesagt und gezeigt, es muss nichts mehr erklärt werden, wir wissen Bescheid.

“If we as a people cannot forgive, then we as a people are cursed to hate.”

Die Moral von der Geschichte? Es gibt keine Moral mehr, sie hat ausgedient, ist gekündigt worden… Nur das nackte Überleben zählt noch in diesem Dschungel und irgendeiner muss doch Schuld haben und bezahlen, nur nicht ich und wenn doch, was hätte ich tun sollen, wenn alle anderen auch so sind und ich es einfach nicht schaffe stärker zu sein. Und die, die sich vielleicht doch mehr lieben als die anderen verlogenen Leute um sie herum, die haben von vorneherein eigentlich keine Chance. Das Leben aller betroffenen Personen bekommt eine grundsätzliche und unumkehrbare Wendung. Auch wenn für einen Teil Flucht eine Lösung zu sein scheint, so merkt der Zuseher doch oder er befürchtet sogar, das wird das Ende noch nicht sein.

“If the only reason I’m fighting is to save me.”…“Well I don’t know how to be good to myself like that anymore.”

Das ist auch kein Spoiler, das kann nicht „verraten“ werden, es ist der Gang dieser Geschichte, wie vorbestimmt… Es gibt keinen Ausweg, jedenfalls für die meisten in der Erzählung. Es ist wie das Ende der scheinbar heilen Konsens-Welt des zivilisierten Mittelstands, die da gerade beginnt zusammen zu krachen. Man kann ihnen nicht einmal die große „Vorwurfskarte“ hinhalten. Sie sind Gefangene ihrer Biographien, sie „können“ nicht anders und letztendlich scheitern alle Versuche das Seelenheil zu erlangen. Keiner kommt unbeschädigt raus aus der Geschichte, bis auf vielleicht eine Person – aber dazu mehr später unter „Spoiler“.

Wieder einmal ist den Amis ein ganz großer Serienwurf gelungen und wieder einmal waren Leute aus Hollywood nicht unmaßgeblich beteiligt. Die Qualität der Erzählung solcher Geschichten ist nach wie vor – fast – unerreicht und führt uns dann zu meinem Eingangsposting zurück: die besseren Geschichten werden zurzeit im TV erzählt. Natürlich läuft auch dort im Seriensegment viel belangloses Zeugs aber immer wieder gibt es Großartiges zu sehen.


Produktion und Idee stammen von John Ridley (Oscar fürs Drehbuch zu „Twelve Years A Slave“).

Nachdem ihr Sohn und Kriegsveteran Matt bei einem Einbruch ermordet wird und seine Ehefrau Gwen schwer verletzt wurde, suchen die geschiedenen Eltern Barbara Hanlon (Felicity Huffman, „Desperate Housewives) und Russ Skokie (Timothy Hutton, Oscar für „Eine ganz normale Familie“) nach Gerechtigkeit für den Verlust ihres Sohnes. Auch die Schwiegereltern von Matt, deren Tochter Gwen im Koma liegt, suchen einen Weg, um mit der schwierigen Situation zurechtzukommen. Als die Polizei vier Verdächtige festnimmt, kommen ungeahnte Geheimnisse zum Vorschein, welche die beiden Familien der Opfer vor weitere Bewährungsproben stellen. Derweil kämpfen die Verdächtigen und deren Angehörige gegen Rassendiskriminierung, das amerikanische Justizsystem und die Ressentiments der Opferfamilien.





Achtung Spoiler!!!

Hector der illegale Mexikaner, der glaubte er könne einen Deal machen, um dann doch wieder zurück nach MEX zu müssen, kommt scheinbar als einziger „Gewinner“ aus der Geschichte raus.

Es wird nie klar, wer denn jetzt eigentlich das Verbrechen begangen hat und imho spricht einiges dafür, dass es Hector war, anderes wiederum aber auch nicht. Aubrey war es meiner Meinung nach nicht, auch wenn sie angeblich „Täterwissen“ hat. Sie gesteht nur, weil sie Carter retten will. Carter, der in der letzten Folge seiner Schwester etwas ins Ohr flüstert, worauf diese sehr bestürzt reagiert, könnte natürlich – und das ist dann auch die wahrscheinlichste Lösung – der Täter sein. Das würde auch das „Täterwissen“ von Aubrey erklären…


Spoilerende
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Alt  09.06.2017, 07:59   # 68
kuching
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„Mörderisches Tal - Pregau“ und „Hindafing“ – zwei Mal mit Maximilian Brückner

Ein wirklich guter Schauspieler ist er ja schon, der „Maxi“ Brückner, damals recht unsanft aus dem Saarland-Tatort geworfen und auch hier in den beiden Miniserien gibt er sein Bestes. Moderner Heimatfilm als Serie aufgeblasen oder die Neue Deutsche Serienwelle?

Jedenfalls sind beide Werke für das, was im deutschsprachigen Raum größtenteils sonst so produziert wird, doch recht gelungen und völlig frei von den üblichen Super-Peinlichkeiten, wäre da nicht wieder der – wenn auch „versteckte“ – Hinweis auf die großen Vorbilder der skandinavischen oder amerikanischen Serien Highlights. Ich kann das nur wiederholen: man sollte sich das endgültig sparen. Diese beiden Miniserien sind das nicht, was man wohl gerne hätte: die deutsche Antwort auf den schon längst in voller Fahrt rasenden Serienzug. Beide Serien spielen in der Provinz. „Pregau“ in einer kleinen Stadt in der Steiermark (Eisenerz) und „Hindafing“ ist im weiteren Donautal, irgendwo an der Grenze Oberbayern/Niederbayern, ebenfalls im „nowhere“ angesiedelt.

Die jeweilige Hauptfigur (Maximilian Brückner) darf ordentlich aufs Gas drücken, mir war das manchmal ein bisserl zu viel, vor allem bei 4 langen oder 6 kürzeren Folgen, weil die Hauptfigur eben nur eine Aufgabe hat: retten was zu retten ist und dabei natürlich nur immer tiefer in den Schlamassel gerät. Alles das ist doch vorhersehbar, die Wendungen schmal und wenn, dann etwas zu dick aufgetragen. Was ich kritisiere ist: es fehlt eine ordentliche Portion Lakonismus, etwas was ich an der Serie „Patriot“ so bewundere.

Mörderisches Tal – Pregau

Hannes Bucher, der örtliche Kriminalinspektor, aus seiner alten Dienststelle weg gemobbt, versucht mit seiner Frau Maria (mit Ursula Strauss sehr gut besetzt) einen Neuanfang. Marias Familie hat das Sagen in Pregau und liefert sich mit einer anderen Großfamilie den „Kampf“ um die Vorherrschaft im Ort. Eine Tierkörperverwertungsanstalt, eine Ortsumgehung, uralte Feindschaften und mittendrin Bucher, der einen folgenschweren Fehler begeht:

"Wenn ich diesen einen Fehler nicht gemacht hätte, dann wären niemals so viele Menschen gestorben", sagt er zu Beginn der Serie und so geht es für ihn nur noch darum das Passierte zu vertuschen und das Nachfolgende in den Griff zu bekommen. Armin Rhode darf dazu noch einen Nebenrollen-Sonderling mit der ihm eigenen Präsenz und Kraft spielen.

Nicht schlecht gemacht das Familiendrama für Erwachsene, aber nach 4 Folgen war es dann auch wirklich genug….




Hindafing

Alfons Zischl ist Bürgermeister in Hindafing, mit seinem Windpark pleite gegangen und sieht nun mit einem aus der N*S*-Zeit stammenden Bau einer Konservenfabrik die Chance auf ein modernes Öko-Donaueinkaufszentrum, bis ihm dann die Flüchtlinge, seine notorische Pleite, der andauernde Kokskonsum, Fracking, Tierabfälle aus der Ukraine beim örtlichen Schlachter, ein schwuler Pfarrer und ein türkisch-stämmiger Polizist, deutscher als das, was man sich als deutschen Beamten vorstellen könnte, in die Quere kommen.

Zischl sitzt in einem Boot mit Löchern auf einem See und versucht mit den Fingern diese Löcher zu stopfen, so habe ich das irgendwo gelesen und das trifft es ganz gut. Zwischen arrogantem Arschloch und jammerndem kleinen Kind, die ganze Bandbreite deckt Maximilian Brückner ab, durchaus virtuos, aber auch hier gilt: nach sechs Folgen war es wirklich genug. Dennoch eine grundsätzliche Empfehlung: bitterböser Witz, das gibt es ordentlich, kleine feine Anspielungen auch und wenn man sich beim teilweisen „over acting“ etwas zurückgenommen hätte, dann wäre daraus eine uneingeschränkte Empfehlung geworden.

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Alt  02.04.2017, 18:51   # 67
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Kurze Reviews – „Fortitude“ und „Trapped – Gefangen in Island“

Beide Serien spielen im hohen Norden: „Fortitude“ auf einer Insel (Inselgruppe Spitzbergen) in der Arktis und „Trapped“ eben auf Island. Beide Serien kann man als „Scandic Noir“ bezeichnen und der heimliche Hauptdarsteller ist – natürlich – die Natur.

Fortitude

Die Serie (Staffel 1, Staffel 2 läuft derzeit auf Sky) hat deutliche Mystery-Elemente, ein Teil der Handlung sei hier beschrieben (aus Wikipedia kopiert):

Nach dem Angriff eines Eisbären auf den an einen Sendemast geketteten Geologen Billy Pettigrew liegt dieser schwer verletzt im Schnee und wird bei lebendigem Leib aufgefressen. Der renommierte, aber schwer krebskranke Tierfotograf Henry Tyson beobachtet die Szene und versetzt Pettigrew vermeintlich unabsichtlich den Gnadenschuss. Wenige Monate später entdecken die spielenden Kinder Liam Sutter und Carrie Morgan ein Mammutskelett am zurückgegangenen Gletscher, in welchem Fortitudes Gouverneurin Hildur Odegard ein Eishotel errichten möchte, um den Tourismus zu fördern und Fortitude vom Bergbau unabhängiger zu machen. Kurze Zeit später wird der Wissenschaftler und Umweltschützer Charlie Stoddard brutal ermordet. Durch diese Vorkommnisse sieht die Gouverneurin ihre Pläne, den Ort für den Tourismus zu öffnen, in Gefahr. Der aus London eingeflogene Ermittler Eugene Morton soll zur Aufklärung des Mordes den hiesigen Polizeichef Dan Andersen bei den Ermittlungen unterstützen.

„Fortitude“ ist alles in allem eine gut gespielte und mit einem anständigen Plot versehene Serie, der die Mystery-Elemente guttun. Spannend ist es allemal, auch wenn es imho ein paar Längen hat. Etwas eindimensional wirkt auf Dauer die doch sehr karge Winterlandlandschaft, das muss man schon mögen. Die Figuren sind jedoch sehr fein und mehrdimensional gezeichnet und es ist keine Serie, die man mal so nebenher schaut.






Trapped – Gefangen in Island (lief vor kurzem im ZDF)

Hat mir nicht so wirklich gefallen, ich habe mich schon etwas quälen müssen. Die Geschichte ist eher herkömmliche Krimikost. Regie und Idee: Baltasar Kormakur, ein nicht unbekannter Regisseur.

Die Einwohner des Fischerdorfes sehen sich sowohl mit mysteriösen Todesfällen als auch einem eisigen Schneesturm konfrontiert, der das Dorf über Tage von der Außenwelt abschneidet. Gefangen in dieser Ausnahmesituation kommen Wahrheiten ans Licht, die das Leben aller Beteiligten verändern.

Wenn auch hier die Natur nicht eine so breite Präsenz hätte und zum Beispiel in einer „normalen“ skandinavischen Stadt spielen würde, hätte ich es beinahe banal gefunden. Die Serie hat aber gute Kritiken bekommen, nur ich konnte mit ihr wenig anfangen…

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Alt  23.03.2017, 21:54   # 66
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Vikings 1- 4 von Michael Hirst

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Ragnar Lothbrok.JPG   Lagertha.JPG   König Egbert von Wessex.JPG   Floki.JPG   Bjorn einer der Söhne Ragnars.JPG  

Es ist und bleibt natürlich nur Fernseh-Unterhaltung und kein Geschichtsseminar, was uns Showrunner Michael Hirst da in 4 Staffeln präsentiert hat. Es bleibt aber, vielleicht auch gerade deswegen, ein sehr angenehmes Gefühl zurück. Nichts zum „Niederknien“, jedoch gehobene Unterhaltung in prächtiger Ausstattung mit zum Teil sehr guten Schauspielern und jeder Menge ausführlicher Kampfszenen. Wer hier geschichtliche Genauigkeit erwartet sollte es lieber lassen, wer sich aber gerne gut unterhalten lassen möchte, dem kann ich die Serie empfehlen.

Bisher wurden 4 Staffeln gedreht, die fünfte ist beauftragt bzw. in Produktion. Die Serie betrachtet den Beginn der Wikingerzeit im Frühmittelalter und thematisiert sowohl die nordische Mythologie (ja auch der Blutadler kommt vor, Menschenopfer usw.) als auch die Berührung mit dem Christentum und der sich daraus ergebenen Zwiespälte und Widerstände sowie natürlich die Raub- und Beutezüge nach England, Paris und ins Mittelmeer. Und wie es sich gehört, ordentlich gevögelt wird auch.

Die Hauptpersonen sind Ragnar Lodbrock, König von Kattegat, die Schildmaid Lagertha und die Söhne Ragnars sowie der geniale Schiffsbauer Floki und viele mehr. Die ganze Serie wird aber sicher von Ragnar getragen, verkörpert von Travis Fimmel, der ihm genau das Ausmaß an Vielschichtigkeit gibt, das seine Faszination ausmacht. Ragnar Lodbrok ist eine Figur aus der nordischen Sagenwelt. Ob wer wirklich gelebt hat ist nicht sicher. Die Figur der Lagertha ist an eine nordische Kriegerin angelehnt. Verkörpert wird sie von Katheryn Winnick.

Wie immer sei auf die ausführlichen Reviews bei http://www.serienjunkies.de/vikings/ verwiesen und bei Wikipedia findet man auch so einiges zum Nachlesen. Zusätzlich findet man bei ganz einfacher Suche auch sauber aufgelistete „Fehler“: einer davon ist, dass die Wikinger wohl grundsätzlich immer mit Helm kämpften, was sie in der Fernsehserie nicht tun… Na ja, das war wohl der Optik wegen und ist für mich eine kleinkrämerische Feststellung: natürlich ist das hier eine eigene Kunstform, die mit der Wirklichkeit nicht Schritt halten muss. Wozu auch? Wie es ganz genau und hundertprozentig richtig war, kann eh keiner in aller Zuverlässigkeit beurteilen. Es ist, wenn auch an Geschichte stark angelehnt, eben doch Fiktion.

Vikings ist eine der Serien, die mit zunehmender Staffelanzahl/-dauer besser wird. Die Staffel 4 ist besonders lang: 20 Folgen à ca. 45 Minuten und die 2. Hälfte dieser Staffel ist für mich der Höhepunkt der Entwicklung, wenn auch mit einer – sicher ganz und gar nicht überraschenden – Entwicklung, die die Gefahr birgt, dass die Stringenz verloren geht, die Pole der Serie sich verschieben und zwar so, dass der Reiz weg sein könnte.

Achtung Spoiler!!!

Die Serie steht und fällt imho mit Ragnar Lodbrok, der von Travis Fimmel ganz wunderbar verkörpert wird. Allein die Folge, als er gefangen genommen wird, der Dialog mit König Egbert von Wessex und das Ende sind absolut sehenswert. Dem steht das Ende von Egbert wenig nach, ebenfalls unter die Haut gehend inszensiert. Da sind doch so manch andere Figuren ein wenig holzschnittartig ausgefallen.

Nun denn, in der letzten Folge der Staffel 4 tritt ganz am Schluss schon Jonathan Rhys Meyers als Bischof Heahmund auf, ein alles andere als gewöhnlicher Geistlicher. Das wird dann vielleicht doch ganz spannend zu sehen sein, wenn er auf einen Sohn von Ragnar trifft: „the ruthless and boneless“ Yvar.

Ende Spoiler!!!

Alles in allem mehr als nur gelungen und ich freue mich schon auf Staffel 5, die wohl auch wieder 20 Folgen haben soll…

Trailer Staffel 1:



Trailer Staffel 4:

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Alt  01.03.2017, 09:09   # 65
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Power – Staffel 1-3 (in Deutschland u.a. auf AXN)

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Ghost - James St. Patrick.jpg   Tommy Egan.jpg   Angela Valdes.jpg   Tasha St. Patrick.jpg   Kanan.jpg  

„Ghost“ James St. Patrick (Omari Hardwick) und Tommy Egan (Joseph Sikora) kennen sich seit der Kindheit, sind fast wie Brüder in einer üblen Gegend aufgewachsen und nun ganz dick im Drogengeschäft. „Ghost“ hat einen hippen und angesagten Club in New York, das „Truth“, über den das Drogengeld gewaschen wird. „Ghost“ und Tommy sind Partner im Drogenhandel. Tasha ist Komplizin der beiden.

Staatsanwältin Angela Valdes, die Jugendliebe von „Ghost“, tritt zufällig nach 15 Jahren wieder in sein Leben. „Ghost“ ist zwar mit Tasha verheiratet und hat mit ihr 2 Kinder, die Ehe ist jedoch nicht mehr als glücklich zu bezeichnen. „Ghost“ beginnt mit Angela wieder eine Beziehung, die natürlich mehr als nur ein wenig heikel ist, ist sie doch im Dezernat gegen den Drogenhandel eingesetzt.

„Ghost“ versucht mehr und mehr aus dem Drogenhandel auszusteigen und investiert weiter in neue Clubs, argwöhnisch von Tommy beäugt.

Soweit die grundsätzliche Geschichte der 3 Staffeln bisher. Diese Konstellation ist ja nicht so unreizvoll, in allen Beziehungen hakt es irgendwo und alle tanzen quasi auf der Rasierklinge. Die Drogen-Staatsanwältin mit dem Dealer, der endlich seriös werden will, die betrogene Ehefrau als wandelnde Zeitbombe und der durchgeknallte Ire, der nichts anders kann als Drogenhandel.

Es wird sehr viel gevögelt, nicht wenig gekokst und andauernd gemordet. Die verschiedenen Drogenkartelle sind hübsch und beinahe Trump-mäßig besetzt: Mexikaner, Südamerikaner, Albaner, Russen und Chinesen. Nachdem aber die Geschichte über 3 Staffeln gehen muss – 2 weitere sind wegen des großen Erfolgs in den USA schon beauftragt – dreht sich das alles leider auch mehr oder weniger im Kreis. Wenig neue Entwicklungen sind möglich und das Ganze noch weiter auf die Spitze treiben geht fast nicht mehr.

Einiges passiert auf erstaunliche Weise sehr schnell und leicht, anderes wiederum ist ziemlich zäh. Die Figuren entwickeln sich nicht wirklich weiter, ein ewiges Karussell. Nicht unhübsch inszeniert, tolle Ausstattung – aber eben auch oft sehr flache Dialoge.

Hm… „nette“ Unterhaltung ohne Anspruch….
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Alt  22.01.2017, 17:57   # 64
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Ray Donovan - Showtime (Staffel 1-4)

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Liev Schreiber.jpg   Jon Voight.jpg   Eddy Marsan.jpg   Dash Mihok.jpg   Paula Malcomson.jpg  



Obwohl auch im ZDF bzw. in ZDFneo laufend, findet „Ray Donovan“ in der deutschen Kritik fast nicht statt. Zu Staffel 1 gab es ein paar Zeilen der großen Blätter, eher durchwachsen, seitdem aber herrscht da fast Ruhe. 4 Staffeln wurden gedreht und gezeigt und die Staffel 5 ist schon in Auftrag gegeben. In den USA ist sie also sehr erfolgreich.

Ich finde, sie ist eine der meist unterschätzten Serien. Jedes Mal habe ich mich auf die neue Staffel gefreut und wurde nicht enttäuscht.

Die Donovans, eine irisch stämmige Familie aus South Boston hat es nach L.A. verschlagen, genauer gesagt wohnen sie Calabasas, einem noblen Vorort von L.A. Ray Donovan (Liev Schreiber) ist ein sogenannter „Fixer“, einer der die Probleme der Reichen und Schönen in L.A. möglichst diskret aber dennoch kompromisslos lösen soll. Beauftragt wird er von den Anwälten “Ezra Goldman“ (Elliot Gold) und „Lee Draxler“ (Peter Jacobson = Dr. Taub aus Dr. House).

Verheiratet ist Ray mit Abby in einer eher schlecht zu nennenden Ehe. Sie haben 2 Kinder „Bridget“ und „Connor“. Ray hat noch zwei Brüder: „Bunchy“ (Dash Mihok) ist alkoholkrank und emotional noch nicht erwachsen, „Terry“ (Eddie Marsan) betreibt ein Box-Gym und ist nach kurzer aktiver Karriere an Parkinson erkrankt. Und da gibt es noch den Halbbruder Daryll….

Einer der Gründe für den Umzug nach L.A. war die Inhaftierung des kriminellen Vaters, „Mickey Donovan“ (Jon Voight), der Hauptgrund war aber ein lange zurückliegendes Ereignis, das die Familie immer noch traumatisiert. Bei den Schlagworten, „irisch“ und damit „katholisch“ und „South Boston“ sollte klar sein worum es geht: Missbrauch durch einen katholischen Priester.

Neben allen Geschichten der einzelnen Staffeln und der Auseinandersetzung von Ray mit Mafia und anderen Schwerstkriminellen, ist es doch ein klassisches Familien-Drama mit dem roten Faden des Kindesmissbrauchs durch die katholischen Priester. Das Ganze wird umso schwieriger und explosiver, als Mickey vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird und nach L.A. kommen will, um wieder zusammen mit der Familie zu leben, was vor allem Ray um jeden Preis zu verhindern sucht.

Es ist, ohne allzu große Übertreibung, ein kleiner L.A. Noir geworden und obwohl die meiste Serien-Zeit bei Tageslicht spielt, ist alles ist düster, sehr dunkel, mit wenig Hoffnung auf langfristige Besserung. Die Serie „Ray Donovan“ könnte auch gut als „hard-boiled“ Fiction durchgehen. Familiäre Abgründe zuhauf, es wird gekokst, gemordet und betrogen und trotz allem versucht Ray die Familie zusammen zu halten, er ist das eigentliche Oberhaupt, der, der nicht nur die Schönen und Reichen retten soll, sondern auch immer die Familie. Dabei würde er selbst oft Hilfe brauchen, nur es ist zumindest bis zur 3. Staffel niemand da, der das übernehmen könnte und der ihm helfen seine Schuld erlassen zu bekommen.

Neben großartigen Staffelfinalen (vor allem Staffel 3!) überzeugen vor allem die interfamiliären Beziehungen, wobei die beiden Kinder Bridget und Conner (nur eine Lachnummer) nicht den richtigen „Anschluss“ an die Geschichte finden. Die Nebenstränge mit Abby, Bunchy, Terry und Mickey sind aber allemal überzeugend, nebst vielen kleinen Einfällen, die nochmal das Salz in der Suppe sind. Einige logische Ungenauigkeiten und auch kleine Längen seien verziehen.

Nach dem Ende der 4. Staffel, als eine nicht geglaubte Harmonie Einzug gehalten hat, kann und muss die 5. Staffel das Finale furioso werden…ohne Big Bang kann das nicht ausgehen.

Ausführliche Reviews gibt es bei den Serienjunkies:

http://www.serienjunkies.de/ray-donovan/




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Alt  09.01.2017, 08:29   # 63
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Golden Globe Awards - Serie "Atlanta"

Fast ein wenig unbeachtet vom Abräumer-Musical (Kino)-Film "La La Land" hat es in der Kategorie "Serie Comedy/Musical" Donald Glover tatsächlich geschafft, den Preis für den besten Hauptdarsteller und die beste Serie zu gewinnen.

In meinem Posting #61 war ich ja schon sehr beeindruckt und schwer begeistert. Ich kann Euch nur empfehlen die Serie zu besorgen und anzuschauen...

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Alt  07.01.2017, 18:44   # 62
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Blutsbande - Staffel 1

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Blutsbande_Oskar.jpg   Blutsbande_Lasse.jpg   Blutsbande_Jonna.jpg   Blutsbande_Liv.jpg   Blutsbande_Kim.jpg  

Ana-Lisa Waldemar führt zusammen mit ihrem Sohn Oskar und dessen Frau Liv eine etwas altbackene Pension auf eine der Aland-Inseln, gelegen zwischen Schweden und Finnland mit eigener Flagge und zu Finnland gehörend (die Einwohner sprechen aber schwedisch). Anna-Lisa, verwitwet, bittet ihre beiden anderen Kinder mittels einer Postkarte zu Beginn der Sommersaison auf die Insel in die Pension: sie müsse ihnen etwas Wichtiges mitteilen. Lasse hat ein schickes Restaurant in Stockholm, leidet aber unter finanziellen Schwierigkeiten. Zudem bringt er seine Tochter Kim mit auf die Insel. Er lebt getrennt/geschieden von seiner Frau. Jonna hat in Stockholm eine vielversprechende Theaterkarriere begonnen.

Für jedes ihrer drei Kinder hat Ana-Lisa eine kurze, etwas mystische Mitteilung. Zu Oskar sagt sie: „Du musst verzeihen.“ Lasse bekommt zu hören: „Pass auf die anderen auf“ und zu Jonna sagt sie: „Du bist nicht ich.“

Kurze Zeit später nimmt sich Ana-Lisa das Leben und hinterlässt den Dreien eine Aufgabe, ohne deren Lösung sie das gemeinsame Erbe nicht antreten können…



Es entwickelt sich, zunächst eher langsam, ein klassisches Familien-Drama auf der Insel, die Beziehungen aus der Vergangenheit kommen nach und nach zum Vorschein und – keine Überraschung – die Familie hat einen fetten (oder mehre?) dunkle Fleck(en), die nun eher ungewollt zum Vorschein kommen…bei den noch Lebenden. Ana-Lisa hat das wohl so gewollt…

Eine Mischung aus Drama und Scandic Noir, eher Drama als Noir, gefilmt und untermalt mit Aufnahmen aus der wunderschönen Natur. Im Original heißt die Serie „Dicker als Wasser“ und Wasser spielt hier eine nicht unwichtige Rolle, ebenso ein Brief aus vergangener Zeit.

Es ist, trotz viel gezeigter Natur, eine Art Kammerspiel, die Masken fallen nach und nach. Alles das ist sehr gefällig umgesetzt, Entwicklungen sind nachvollziehbar und doch ist es imho ein wenig zu lang. Nicht dass ich mich gelangweilt hätte, aber anstatt 10 Folgen à 60 Minuten hätten es z.B. 6 oder 7 Folgen auch getan. Manches wirkt leicht als „Füllmaterial“ und endet im dead end. Nichtsdestotrotz war es sehr gute Fernsehunterhaltung, ohne dass man nun in Begeisterungsstürme ausbrechen müsste.

Die erste Staffel wurde kürzlich nochmal auf arte gezeigt, die 2. Staffel beginnt nächste Woche, ebenfalls auf arte, am Donnerstag den 12.01.2017, um 21:00 Uhr.
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Alt  02.01.2017, 21:24   # 61
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Atlanta

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A_1.jpg   A_2.jpg   A_3.jpg   A_4.jpg   A_5.jpg  

Donald Glover (Idee und Hauptrolle) spielt Earnest „Earn“ Marks, den ehemaligen und abgebrochenen Princeton-Studenten, der bei seiner ehemaligen Freundin Van (Zazie Beetz) Unterschlupf findet. Beide haben eine gemeinsame Tochter. Alfred „Paperboi“ Miles (Brian Tyree Henry), sein Cousin, ist ein nach Ruhm strebender Rapper, der allerdings das Gemüt eines Teddybären hat und lieber kiffend auf der Couch liegt und nachdem sich das mit dem Ruhm und der Kohle eben nicht so leicht bewerkstelligen lässt, vertickt er halt Drogen.

„Earn“ will eigentlich nur Van ab und zu zum Essen einladen, ein zumindest halbwegs ordentlicher Vater sein (wenn er sich nicht gerade selbst wieder im Weg steht) und „Paperboi“ managen. Der Weg dorthin ist steinig und wird begleitet von Abzockereien, Verhaftungen und allerlei anderer Schmach und das obwohl „Paperboi“ nun einen kleinen Hit gelandet hat. Aber Geld, das fließt erst einmal nicht.

In 10 kurzen Folgen ist ein kleines Meisterwerk gelungen, lakonisch, mit teilweise bitterbösem Humor, lässig, traurig und alles das zugleich. In 10 x 25 Minuten wird die Welt vieler Schwarzer gezeigt, ohne Zeigefinger zu erheben, ohne Anklage, einfach nur ein, nein viele Bilder aus der Welt jenes Hood in Atlanta ganz ohne Spike Lee Ghetto-Ästhetik.

Ob es nun der verzweifelte Versuch ist, ohne Kind ein Kindermenü bei McDonalds zu bestellen oder sein Handy nicht gegen Geld im Pfandhaus zu verticken, sondern in einer schwierigen Kettentauschaktion zu versuchen noch mehr herauszuschlagen um dann doch wieder nichts zu haben oder der Typ, der seine Ethnizität zu wechseln versucht, weil er sich schon immer als „Weißer“ fühlte und nun mit blond gefärbten Haaren im TV auftritt oder die Freundin von Van, die es „geschafft“ hat in die Welt der Reichen, aber nur nicht so gern nach London fliegt, weil dort die teuer und mühsam geglätteten Haare durch die Feuchtigkeit und Regen wieder kraus werden könnten oder Earn, der bei einer Verhaftung noch nicht „im System“ ist und im Gefangenraum ausharren muss und sich aufgrund der „Show“ eines Geisteskranken eine lustige, lockere Atmosphäre entwickelt, bis es auf einmal und nicht unbegründet zu einem Gewaltexzess durch die Wärter kommt, nach dessen Ende sich wieder die lakonisch, lässigen Gespräche entwickeln…Alltag also und kein Jammern…machen wir einfach weiter…

Die ganze Serie ist voll von solch kleinen „Nadelstichen“, teils völlig skurril, teils sehr amüsant, teils bitterböse. Es ist kein großes Tempo in der Serie, eher langsam und bedächtig wird das Brennglas auf die Szenen gerichtet, es ist alles irgendwie Alltag und fast alles kommt einem so alltäglich vor, so als könnte, ja als müsste es genauso sein. Es ist sehr schwierig für mich als deutschen und weißen Zuseher alles das zu entschlüsseln, was da an Codes und Anspielungen über den Bildschirm läuft.

Aber eins hat es sicher vollbracht: die Typen, die wachsen einem ans Herz. Man kann gar nicht anders als sie mit ihren ganzen Schwächen und Misserfolgen zu lieben und sich mit ihren wenigen kleinen Erfolgen zu freuen.

Donald Glover als Hauptdarsteller und die Serie selbst sind für die Grammys nominiert. Sie werden wahrscheinlich nichts gewinnen, aber die Nominierung ist schon eine große Ehre. Mit ganz einfachen und unspektakulären Mitteln und fast spartanisch haben sie gezeigt, wie großartig Fernsehen (manchmal) sein kann.

Lief vor kurzem nochmal auf FOX Channel und wird sicher irgendwann erneut wiederholt.



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Alt  23.12.2016, 11:51   # 60
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The Knick - Steven Soderbergh

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The Knick_1.jpg   The Knick_2.jpg   The Knick_3.jpg   The Knick_4.jpg   The Knick_5.jpg  

Es hieß immer: wenn Steven Soderbergh ruft, dann kommen die Stars. Zu bewundern in vielen seiner Filme, sei es die Ocean´s Trilogy, Traffic, Out of Sight, Contagion, Erin Brokovich, die beiden Filme über Che Guevara, Haywire usw. Ich weiß noch gut, wie stark mich sein erster Flim, „Sex, Lies and Videotapes“ im Kino beeindruckt hat. Er sagte, er wolle sich vom Kino zurückziehen, zu sehr seien die Arbeitsbedingungen belastend und die Diskrepanz zwischen den Künstlern und den Produzenten würden immer größer.

Nun also „The Knick“, eine zehnteilige Fernsehserie, von der es bisher 2 Staffeln gibt und die erste lief vor kurzem wieder einmal im ZDF, spät in der Nacht.

The Knick, das ist das Knickerbocker Hospital in NYC, Downtown, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Ärztekunst noch wie die Arbeit in einer Metzgerei aussah und genauso sind auch die Bilder aus den vielen Szenen im Operationssaal. Also nichts für schwache Nerven, die Kamera bleibt drauf, kein verschämtes Wegsehen…

Dr. John W. Thackery, gespielt von Clive Owen, ist der Chefarzt im Klinikum, der sich gerne abends in einer Opiumhöhle zudröhnt und ansonsten ebenso gerne wie zwanghaft kokst. Kokain war damals Betäubungsmittel und Schmerzmittel zugleich und eben auch noch in der Coca-Cola enthalten, wie eine sehr schöne und dramatische Sequenz später einmal zeigt. Wirtschaftliche Schwierigkeiten hat das Krankenhaus aufgrund seiner „ungünstigen“ Lage Downtown, Reiche und Wohlhabende ziehen weg nach Uptown. Die Krankenhausverwaltung, im Wesentlichen dargestellt von Jeremy Bob als Herman Barrow, hat also veritable Schwierigkeiten. Der Krankenhausmarkt war also auch damals schon eine Art Wilder Westen (was heute in den USA auch nicht anders ist): fressen und gefressen werden. Ein weiterer Nebenstrang ist das Engagement von Dr. Algernon Edwards (André Holland), der zwar Absolvent der Harvard-University ist, aber eben auch schwarz und der heimlich im Untergeschoss des Knickerbocker Schwarze umsonst behandelt, die sonst keine Chance auf eine anständige Genesung hätten.

Wie in jeder guten Serie, hängt die Lust am weiteren Anschauen immer auch von den Nebensträngen ab, die hier gern etwas ausführlicher hätten sein können, aber dennoch den Reiz der Serie erst ausmachen. Da gibt es viele sehr schöne Sequenzen, sowohl hart wie auch zart. So zum Beispiel, als die heimliche Geliebte von Edwards standesgemäß heiratet und er in einer Art Selbstgeißelung den Boxkampf mit einem ungleich größeren und stärkeren Gegner sucht um wie erwartet beinahe „vernichtet“ zu werden.

Es ist teilweise der blanke Irrsinn, der da noch durch die Therapien wabert. Einer Geisteskranken werden alle (gesunden) Zähne gezogen, um somit Bakterien und Sepsis vorzubeugen… Generell nimmt die Serie in der letzten Folge nochmal so richtig Fahrt auf: der Wahnsinn geht wiederum auf die Überholspur und endet mit einem genialen Cliffhanger:



Achtung Spoiler!!!

Dr. Thackery begibt sich endgültig in eine Entzugstherapie. Der behandelnde Arzt erklärt ihm, dass er den Entzug mit einem neuen Medikament von Bayer begleiten wird, das die schlimmsten Folgen abmildern soll: „Das Medikament ist von Bayer, die auch Aspirin erfunden haben, Sie brauchen sich also keine Sorgen machen…“ Die Kamera zeigt einen zufrieden einschlafenden Thackery und schwenkt dann auf das kleine Fläschchen auf dem Nachttisch, zoomt heran, bis die Schrift zu lesen: Heroin. Blende und aus…

Spoilerende!!!



Ich kann die Serie uneingeschränkt empfehlen: Ausstattung, Kamera, Schauspieler, Geschichte mit Nebensträngen – alles erste Sahne.

Damit kann man auch wieder den Bezug herstellen zu meinem Eingangsposting. Serie ist – sofern mit hohem Anspruch an Qualität hergestellt – mittlerweile zu einer echten Alternative zu Kino geworden, mit dem Unterschied, dass man hier und jetzt einfach Zeit hat gute Geschichten zu erzählen. Und die Kino-Regisseure kommen zum Fernsehen…

Mit einem Augenzwinkern und etwas Phantasie könnte man „The Knick“ als so etwas wie das Prequel zu „Dr. House“ sehen, die m.E. nach die Mutter aller Klinikserien ist und imho sowieso (fast) unerreichbar scheint.


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Alt  19.12.2016, 19:24   # 59
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Tempel – Deutsche Miniserie auf ZDFneo

Auf sechs Folgen à 30 Minuten, dicht komprimiert, wird dem Zuseher ein kleines (oder doch großes?) Drama aus dem Wedding präsentiert. Gentrifizierung gegen alte Strukturen und mittendrin Mark Tempel, Altenpfleger, Ex-Boxer, verheiratet mit einer an den Rollstuhl gefesselten Frau, die aber noch so gar nicht aufgegeben hat und einer 16jährigen Tochter, die auch schon mehr als nur flügge ist.

Eins schönes, die Atmosphäre treffendes Zitat aus der Serie, gesprochen von Jakob (Thomas Thieme), dem Zuhälter und Box-Club-Besitzer:

"Der Kiez? Der Kiez ist wegsaniert! Guck dich doch um! Nur die arschlosen körnerfressenden Yoga-Fotzen, das ganze Yuppie-Pack. Immer schön gesund. Ficken und Koksen nur noch an Feiertagen. Kann doch keine Sau von leben!"

Mark soll einer alten krebskranken Frau Sterbehilfe leisten, der man das Fenster zugemauert hat, um dem „Entmietungsplan“ zu beschleunigen. Zur annähernd gleichen Zeit wird seine Familie vom Entmietungsmob bedroht und die Wohnung nebst der Geige der Tochter zerstört. Um sie zu ersetzen, beginnt er wieder zu boxen im Stall vom Zuhälter Jakob. Ein Malheur, ein Unglück passiert, ein Mensch stirbt, der Bruder vom bösen Kiez-Gangster Milan (Aleksandar Jovanovic), der schließlich dafür zu sorgen hat, dass die Entmietungen schnell von statten gehen.

Und so nimmt das Drama seinen Lauf im Kiez. Schnell merkt der geneigte Zuseher, dass das alles nicht so gut enden kann, irgendwann werden alle was verloren haben…

Dazwischen die passenden Bilder in Cinemascope, trotz der Kürze 2 Handlungsstränge und genügend ruhige Momente, herzergreifende Szenen und rohe Gewalt.

Das ist für deutsche Verhältnisse mehr als nur gelungen, das war richtig gut.

Die Folgen sind noch in der ZDF-Mediathek zu sehen…

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Alt  14.12.2016, 19:23   # 58
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Marseille

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Marseille_1.jpg  
Ach ja, ein französisches „House of Cards“ ist sie nicht geworden, die Serie „Marseille“ mit Gérard Depardieu als Bürgermeister Robert Taro, der nach 20 Jahren Bürgermeisterschaft nun eigentlich seinem Ziehsohn Lucas Barres (Benoît Magimel) die Stadt überlassen wollte, als dieser – böser Bub – ihm eine empfindliche Abstimmungsniederlage bei der Neugestaltung eines Hafenteils zufügt. Nun stellt er sich eben der Wiederwahl gegen jenen Lucas Barres, der wenig Skrupel zu haben scheint. Aber da geben sich beide Protagonisten wenig…

Nun ja, es wird gekokst und viel gevögelt, schöne Frauen und eine Menge Alphatiere sind zu sehen, das Velodrome bietet ein paar schöne Stimmungsbilder, wie überhaupt Marseille oft aus Drohnenperspektive zu sehen ist mit einer Mischung aus Bildern der Reichenviertel und des „Felix Pyat“ einem der ärmsten Viertel Marseilles. Maghreb und Mafia, Koks und Macht, Gier und Rache und oft enttäuschte Liebe… Eigentlich ein irrer Cocktail und die Geschichte, die da ihren Lauf nimmt, ist so schlecht nicht entwickelt, allerdings in meinen Augen doch etwas zu gefällig umgesetzt.

Alles in allem aber ganz nett anzuschauen, nicht so gut und intensiv wie „House of Cards“ oder „Borgen“ aber immer noch um Längen besser als das hölzerne und wenig elegante „Stadt der Macht“ aus Deutschland. Und Eleganz, das können die Franzosen…

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Alt  03.10.2016, 22:43   # 57
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The Night Manager – Romanvorlage: John le Carré; Regie: Susanne Bier

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Zur Zeit des Arabischen Frühlings im Januar 2011 arbeitet der Brite Jonathan Pine (Tom Hiddleston) als Nacht Manager in einem Luxushotel in Kairo. Sophie Alekan, die Geliebte Freddie Hamids, des Angehörigen eines mächtigen ägyptischen Familienclans, übergibt dem Hotelmanager zu ihrer Sicherheit die Kopien einiger brisanter Dokumente, die ein illegales Waffengeschäft des Hamid-Clans mit einem britischen Geschäftsmann namens Richard Onslow Roper (Hugh Laurie) belegen. Pine erkennt die Brisanz der Dokumente und spielt sie der britischen Botschaft zu. Doch die britischen Behörden greifen nicht ein. Statt dessen erhält Roper eine Warnung über den Geheimnisverrat. Kurze Zeit später ist Sophie ermordet.

Vier Jahre später arbeitet Pine in einem Schweizer Hotel als Nachtmanager. Den Tod Sophies, der er vor ihrer Ermordung noch nahegekommen ist, hat er noch immer nicht verwunden. Da steigt eines Nachts jener Mann in seinem Hotel ab, dessen Namen er vier Jahre zuvor in Kairo gehört hat: Richard Onslow Roper. In seinem Gefolge befindet sich seine junge Geliebte Jed Marshall (Elizabeth Debicki), die Pine augenblicklich fasziniert.

Abermals wendet sich der Nachtmanager an die britischen Behörden, doch dieses Mal erreicht er direkt Angela Burr (Olivia Colman), die Leiterin einer kleinen, neu gegründeten Konkurrenzabteilung zum MI6, die sich seit langem gegen politische Widerstände bemüht, dem Waffenhändler Roper das Handwerk zu legen.

Burr entwickelt die Idee, Pine als Spitzel in Ropers inneren Zirkel einzuschleusen…

(aus Wikipedia kopiert)

Was habe ich mich gefreut auf diese Mini-Serie ( 6 Folgen à 60 Minuten, im ZDF wurden immer 2 Folgen zusammen gefasst und somit die Serie an drei Abenden ausgestrahlt) und letztendlich bin ich doch ziemlich enttäuscht worden.

Gewiss, schon der Vorspann verspricht Bond´sche Opulenz, der Hauptdarsteller Tom Hiddleston könnte auch – nach Daniel Craig - der nächste Bond sein und Hugh Laurie taugt allemal als Bösewicht, egal wo. Schöne Frauen sind auch dabei, Busen und Po sieht man und gevögelt wird auch: Frau an der Wand, Bein auf Kommode abgestützt und Mann steht vor ihr, kräftig stoßend. Schön, dass Susanne Bier auch auf Kleinigkeiten achtet und man den nackten und knackigen Arsch von Tom Hiddleston sieht. Okay, nur wie oft habe ich das schon gesehen? Wo sind die Brüche, wo wird das Eindimensionale mehrdimensional?

Die Story über den ehemaligen Soldaten, der sich in den Zirkel des bösesten und gefährlichsten Manns der Welt fast wie von selbst einschleusen lässt, sich natürlich in die Geliebte des Bösen verliebt, die (absichtlich?) fast hausmütterlich erscheinende MI6-Agentin (einzig, dass sie schwanger ist, ist ein netter Gag und die Colman ist schon sehr gut!), die uralte Geheimdienst-Folklore mit Treffen auf der Parkbank, die „dummen“ Araber usw…. Na ja, alles sehr schön fotografiert an schönen Orten mit schönen Menschen, aber ziemlich langweilig. Dabei hätte doch der Name Susanne Bier (Oscar für „In einer besseren Welt) als Regisseurin mehr versprochen oder ist es einfach nur die Vorlage des 20 Jahre alten Buchs?

Ein sehr herkömmlicher Geheimdienst-„Thriller“, bei dem fast alles vorhersehbar ist: banal. Da ist ja die US-Paranoia in „Homeland“ noch tausend Mal spannender…

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Alt  01.10.2016, 13:15   # 56
kuching
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Die Erbschaft - dänisches Familiendrama

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Veronika, eine berühmte Künstlerin, die bis zu ihrem Tod noch auf ihrem herrlich vergammelten Gutshof große, moderne Kunst erstellt, stirbt und hinterlässt ihr Vermögen nicht ihren Kindern Gro (Tyne Dirholm) einer Kuratorin, Frederik (Carsten Bjørnlund) einem Anwalt oder Emil (Mikkel Bøe Folsgard) dem „Taugenichts“ der Familie, sondern überraschend ihrer unehelichen Tochter Signe (Marie Bach Hansen), die als Floristin in einem kleinen Blumenladen arbeitet.

Gro, die aus dem Gutshof ein Museum machen wollte, Frederick, der das Anwesen haben will, weil es einst seinem Vater gehörte und Emil, der unbedingt Geld benötigt, um sich aus einem Schlamassel in Thailand heraus zu kaufen, müssen nun mit Signe klar kommen, die natürlich gar nicht weiß wie ihr geschieht.

Alle Figuren sind bis in die kleinste Nebenrolle sehr fein gezeichnet, die Umgebung meist düster – wie so oft in skandinavischen Serien – und die Schauspieler allesamt famos. Allen voran Tryne Dirholm als Gro, der ich noch stundenlang zuschauen hätte können.

Das Drama nimmt seinen Lauf, es wird gesoffen, gekifft, Intrigen angezettelt, mit allen Mitteln gekämpft und ein wenig kann ich schon vorweg nehmen ohne zu viel zu verraten: als echter Gewinner ohne böse Blessuren kommt keiner aus der Sache raus.

Wieder einmal ist es den Dänen gelungen eine Top-Serie zu fabrizieren. Alles nicht so super spektakulär und doch fast immer auf den Punkt gespielt. Da sitzen die Dialoge, da gibt es keine Logiksprünge die einen nur den Kopf schütteln lassen, alles ist sehr menschlich – auch und gerade in den Abgründen der Protagonisten – und damit einfach rund und sehr sehenswert.

Lief auf arte und wieder sicher mal wiederholt.

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Alt  01.10.2016, 09:58   # 55
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Quantico

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Quantico_Alex.jpg   Quantico_Ryan.jpg   Quantico_Chaleb.jpg   Quantico_Nimah und Raina.jpg   Quantico_Shelby.jpg  

Da werden sich die Geister scheiden, ich fühlte mich aber trotz aller Schwächen ganz gut unterhalten! Mit 22 Episoden für die erste Staffel - à 45 Minuten – war sie aber imho einfach zu lang. Das führte dazu, dass es X-Wendungen in der Geschichte bei der Auflösung bzw. vermeintlichen Auflösung gab und man dann spätestens nach rund 2 Dritteln der Serie „wusste“ wie der Hase läuft und dass es schließlich zum Schluss wirklich nur der oder die sein konnte.

Attraktive Menschen, immer vorteilhaft fotografiert, sind in Situationen unterwegs, in denen die Leute normalerwiese so nicht aussehen. Was mir aber gefallen hat war die Erzählstruktur:

Vorausblende:

Eine Bombe geht an der Central Station in NYC hoch und eine Agentin, Alex Parrish, erwacht aus der Bewusstlosigkeit: soeben hat der größte Anschlag in den USA seit 09/11 stattgefunden. Dem FBI wird schnell klar, dass dieser Anschlag aus den Reihen der Rekruten verübt wurde.

Rückblende:

In vielen Rückblenden wird nun die Ausbildung der Rekruten zu FBI special agents aus dem FBI Ausbildungslager Quantico erzählt. So nach und nach erfährt man die Geheimnisse der einzelnen Protagonisten, daneben bilden sich Beziehungen und werden wieder verworfen und auf das Zeigen der Abläufe und Inhalte der Ausbildung wird ebenfalls viel Wert gelegt.

Gleichzeitig läuft die Entwicklung der Geschichte zum Anschlag auf die Central Station weiter und auf die weitere Zeit danach bis zur Drohung eines weiteren Anschlags und der Auflösung der Geschichte (whodunnit?) mit einem netten Teaser für eine 2. Staffel.


Alles also einigermaßen verwirrend und Freunde von mir sind mittendrin oder zum Ende hin ausgestiegen, ob der wahrhaft großen Anzahl von Wendungen in der Geschichte, die aber dann – siehe oben – doch nicht mehr so überraschend waren. Wenn man die (Haupt-) Personen grundsätzlich sympathisch findet, das Ganze möglichst zusammenhängend anschaut und an die filmische Umsetzung nicht zu kritisch ran geht, dann ist das solide Unterhaltung – ohne weiteren Diskussionsbedarf in vertrauter Runde. Natürlich ist das alles irgendwie ziemlich „unlogisch“ und wiederum sehr amerikanisch im Bezug auf die allgemeine Paranoia der US-Gesellschaft plus einer Darstellung des FBI, das einem Werbevideo entsprungen sein könnte.

Viele „ja, aber“, gewiss! Insgesamt jedoch ordentliche Unterhaltung mit wohl grausamen Quoten im deutschen TV (ProSieben).

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Alt  29.08.2016, 18:12   # 54
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The Night Manager - ab heute 22:15 ZDF

Das ZDF hat sich die Free TV Rechte gesichert und zeigt ab heute die Miniserie, immer montags um 22:15.

Die Kritik war etwas gespalten, hier die SZ mit eher positiver Meinung plus trailer:

http://www.sueddeutsche.de/medien/ne...el-1.2924400-2

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Alt  14.05.2016, 16:35   # 53
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Homeland - Staffel 5 (Showtime)

Da ist sie nun zu Ende gegangen, vor ein paar Tagen im deutschen Free TV, die 5. Staffel von Homeland und es bleibt zurück – ein wenig Enttäuschung.

Die 5. Staffel spielt in Berlin und alles wurde auch in Berlin und Babelsberg gedreht, selbst die Außenaufnahmen in „Genf“ spielen an einem Flugplatz in der Berliner Heide und „Amsterdam“, das ist dann mal eben im Holländischen Viertel in Potsdam. Außenaufnahmen in Berlin selbst gibt es zuhauf, viel S-Bahn, U-Bahnhöfe, Bahndämme usw. alles sehr pittoresk und für uns Deutsche oder zumindest die, die öfter mal in Berlin waren, mit hohem Wiedererkennungswert, Deutsche Schauspieler spielen sehr viele mit, in den etwas mehr tragenden Rollen sind dies Sebastian Koch, Alexander Fehling, Nina Hoss und Martin Wuttke.

Es geht – natürlich – wieder um Dschihadisten, die einen Anschlag auf eine große europäische Stadt planen (na, welche wohl?) und dieses Mal aber auch um den neuen „Kalten Krieg“ und der ist in Berlin so gut aufgehoben wie sonst nirgends, plus Flüchtingsproblematik, Syrien usw. Alles doch recht aktuelle Zutaten und die „Lieblinge“ von Homeland, Carrie Mathison (Claire Danes), Saul Berenson (Mandy Patinkin) und Peter Quinn (Rupert Friend), die sind auch dabei. Nicht zu vergessen und großartig auch Mirinda Otto als Allision Carr.

Alles bestens also, wenn denn die Staffel 5 so ab gut der Hälfte der 12 Folgen à 50 Minuten nicht so stark abbauen würde. Man hat hier mit dem Dreh der ersten Folgen begonnen und zwischenzeitlich das Drehbuch für die letzten Folgen zu Ende geschrieben. Es gibt eine Menge Ungereimtheiten, die zum Teil schon fast lächerlich wirken. Nur ein Beispiel: schaut Euch mal die letzten Minuten vor dem geplanten Anschlag an…

Die letzte Folge der Staffel ist – wie bei Staffel 4 auch – nur noch eine Anschlussfolge, nachdem die Geschichte eigentlich zu Ende ist. Der „Cliffhanger“ zum Schluss kann ja wohl nicht ernst gemeint sein, vieles ist einfach etwas unausgegoren. Schade, schade…

Nichtsdestotrotz bietet die Staffel 5 (die man auch ohne die vorherigen zu kennen einfach anschauen kann) immer noch relativ hohes Unterhaltungsniveau, sie fällt aber zu den vorangegangenen Staffeln einfach zu sehr ab. Und, Homeland ist wohl nix für deutsche Zuseher, die Quoten waren sehr schlecht.

Einen sehr schönen Artikel zu „Homeland“ vom großartigen Diedrich Diederichsen in „Die Zeit“ möchte ich Euch nicht vorenthalten:

Zitat:
Gotteskrieger im ÖPNV

Die US-Serie "Homeland" spielt jetzt in Berlin. Was erzählt der amerikanische Blick über Deutschland?

Von Diedrich Diederichsen

Ein Mann verlässt den U-Bahnhof Eisenacher Straße in Berlin-Schöneberg und tritt auf die Grunewaldstraße, welche er zügig durchmisst. Er erreicht einen Nachtclub, in dessen Hinterzimmer er dann den Zentralrechner der Berliner CIA-Niederlassung hackt. Bei der aktuellen, fünften Staffel von Homeland, die seit vier Wochen zu sehen ist, interessiert einen denn auch weniger der CIA-Hack als der Umstand, dass dieser Nachtclub tatsächlich an der Grunewaldstraße liegt und dass man tatsächlich am besten mit der U7 bis Eisenacher Straße fährt, um ihn zu erreichen. Das ist schon ganz schön naturalistisch, wenn man bedenkt, wie oft man sonst in Film und Fernsehen aus New Yorker Kneipen auf Straßen von Toronto tritt oder eine Verfolgungsjagd in Long Beach unvermittelt auf dem Santa Monica Boulevard endet. Mit Berlin geht Homeland fast aristotelisch um.

Das Augenmerk dieser Staffel liegt beim deutschen, zumindest Berliner Zuschauer eher auf den Bildern dieser Stadt, die man ja nicht so oft aus der Perspektive einer amerikanischen Topserie zu sehen kriegt – und weniger auf den üblichen fintenreichen Scharmützeln zwischen Terrorscheichs und innerlich zerrissenen CIA-Agentinnen. Auch wenn sich der Fokus auf die Stadt im Laufe der Staffel in dem Maße verliert, wie sich der Plot verdichtet: Homeland liebt an Berlin vor allem den öffentlichen Nah- und Fernverkehr, städtische Bahndämme und Hochbahntrassen. Ob in Kreuzberg, Neukölln, Prenzlauer Berg oder am Hackeschen Markt: Immer ziehen S- und U-Bahnen, die schmucken gelben Trams oder ICEs der verschiedensten Generationen strukturierende Linien durchs Chaos der Berliner Architektur. Nicht für landmarks – nur einmal ist kurz das "Brandenburg Gate" zu sehen – und signature buildings, für einprägsame establishing shots oder pittoresken Berliner Hipsterkitsch interessiert sich die Kamera; sondern für eine Stadt des wohlgeordneten Gewusels, dem dann das ungeordnete Gewusel von Flüchtlingen in libanesischen Camps gegenübergestellt wird.

Die "new Germans" sind dem alten CIA-Fahrensmann Saul Berenson indes ein Rätsel: Früher seien sie so versessen aufs Kämpfen gewesen, heute seien sie so soft und ritten immer auf ihrem Rechtsstaat rum. Amerikanische Internetkommentare ergehen sich zustimmend in großer Zahl über die verdammte europäische Softness und ihr Menschenrechtsgedusel. Ein geheimes deutsch-amerikanisches Programm war bei dem Schöneberger Hack aufgeflogen. Weil die Deutschen so strenge Datenschutzgesetze haben, können sie die Dschihadisten nicht beobachten, die alle Augenblicke Kreuzberg hochjagen wollen. Also muss der BND, geleitet vom brillant fahrigen Martin Wuttke, doch meistens sehr amtlich von Nina Hoss vertreten, mit den Amerikanern zusammenarbeiten. Nach dem Hack und der Veröffentlichung der geheimen Zusammenarbeit müssen die Amerikaner ihren Botschafter abberufen, um die verletzten Deutschen zu beruhigen – nicht sehr plausibel, da bekanntlich kein Portier und keine Reinigungskraft die Abhörzentrale am Pariser Platz wegen der Snowden-Enthüllungen räumen musste.

Überhaupt ist das verantwortungslose Gutmenschentum mal wieder an allem schuld: Der deutsche Philanthrop mit ****-Großvater, Otto Düring (Sebastian Koch), für den die CIA-Aussteigerin Carrie Mathison (Claire Danes) mittlerweile arbeitet, gibt seine Millionen nur an muslimische Organisationen – und die bedrohen halt meistens den Staat Israel. In der aktuellen Flüchtlingssituation holen diese humanitär-besoffenen Deutschen nun auch noch stapelweise Gotteskrieger in ihr öffentliches Nahverkehrsparadies. Die CIA kommt mit dem Stopfen der Sicherheitslücken durch großzügig präventives Hinrichten von Kopftuchfrauen kaum hinterher – der sexy-dämonische Quinn (Rupert Friend) operiert statt in Afghanistan nun in den Dunkelzonen von Kreuzkölln.

Deutschland ist aber eben nicht nur der Ort der Handlung, es ist auch der Drehort, und Verschränkungen zwischen dem einen und dem anderen sind ganz offensichtlich erwünscht. Eine Soundcollage aus vorwiegend deutschen O-Tönen, darunter höchst aktuelle Merkel-Sätze, untermalt den Vorspann. Und dass auch das in Babelsberg nachgebaute libanesische Flüchtlingslager auf deutschem Boden steht, hat dann zu den Graffiti-Streichen geführt, die so geräuschvoll wie PR-trächtig durch die Presse gingen. Geheuerte, der arabischen Schrift mächtige Graffiti-Experten hatten sich als Aktivisten entpuppt und statt nichtssagender Glaubensbekenntnisse arabische Schmähungen der Serie an die Wände gesprüht, darunter die, dass Homeland rassistisch sei. Auch wenn man die holzschnittartige Darstellung des muslimischen Feindes nicht unbedingt rassistisch nennen muss: Bös und verkürzt ist sie, wie immer in Them-and-us- Dramaturgien. Die ist bei aller sophistication durch Empathie-Inseln auch für die Dynamik von Homeland zentral, das seine Position schon im Titel unzweideutig klarmacht; auch wenn Carrie in einem bipolaren Rückfall von den toten Seelen ihrer zahlreichen muslimischen Opfer heimgesucht wird.


Doch erkennbar wichtiger als Ideologie ist der Serie, dass sie Gesprächsstoff generieren will. Auch wenn die viel gerühmten Fernsehserien neuen Typus in letzter Zeit eher durch einen quantitativen als einen qualitativen Boom in Erscheinung getreten sind, bleiben sie konkurrenzlos als kultur- und klassenübergreifende, Nischen und Spezialistentum überwindende Ressource von Konversationsmaterial. Durch nichts lässt sich eine Büroparty ebenso gut wie die ästhetische Seminardebatte beleben wie durch den Austausch von Serienbeobachtungen. Ihre Diagnosen dürfen zwar das in den USA Vorstellbare nicht überschreiten, ansonsten sollen sie aber plural sein und sich auf möglichst viele, nie vollends unmenschliche, gern aber zwiespältige Charaktere verteilen – dieses Rezept haben die meisten Serien verstanden: Multipliziert die Zugänge, aber bleibt im amerikanischen Rahmen! Die Bilder dürfen da schon eher mal über die Stränge schlagen: Sie zeigen ja eine andere Welt. Berlin ist da ganz hübsch zu einem unübersichtlichen Zwischenreich, zur Grenzzone geworden und liefert jene gute alte Intransparenz und shadiness, die zu einem Geheimdienstplot gehört.
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Alt  07.05.2016, 11:08   # 52
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Masters of Sex

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Der Kolleg staggs hat uns ja in diesem Beitrag schon daraufhin gewiesen, ohne nähere Einzelheiten zu erwähnen und dabei hat er uns verschämt (?) verschwiegen, dass Virginia Johnson von einem echten Hingucker gespielt wird: Lizzy Caplan!

Habe gerade die ersten beiden Folgen der 2. Staffel geschaut. Die Kritiker sprechen zum Teil von gepflegter Langeweile. Das kann ich bestätigen mit der starken Betonung auf gepflegt...

Ich bleibe auf alle Fälle dran. Michael Apted führt bei einigen Folgen Regie, Michael Sheen spielt William Masters.
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Alt  06.05.2016, 07:42   # 51
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Drei kurze Rezensionen

Die Stadt und die Macht (ARD)

Mini-Politserie mit Anna Loos, Thomas Thieme und Martin Brambach. Susanne Kröhmer (Anna Loos), die Tochter von „KK“ (Thomas Thieme), zieht in den Wahlkampf für die CDP für Berlin. KK - Karl-Heinz Kröhmer- der mächtige Strippenzieher und Fraktionschef der CDP und der Regiernde Bürgerneister von Berlin – Manfrede Degenhardt , SPU - sowie der mächtige Bauunternehmer Rank Griebnitz (Jürgen Heinrich) haben ein Geheimnis, einen Vorfall aus früherer Zeit. Martin Brambach spielt den Wahlkampfmanager Georg Lassnitz, überdreht und leider insgesamt – trotz furiosem Spiel – zu sehr auf die Kacke hauend.

Polit- und Familiendrama in einem, alles nicht so schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Wer „Borgen“ und „House of Cards“ gesehen hat, der wird den Abfall zu beiden Serien sehr schnell merken: alles wirkt etwas billiger, einfacher und irgendwie so deutsches Schul-Fernsehen: guck, so böse ist die Politik.

Muss keiner schauen….


Peaky Blinders (BBC)

Da konnte ich nur die 2. Staffel sehen über die Gang aus Birmingham, die nun in London versucht Fuß zu fassen. Das Ganze spielt in den beginnenden 20iger Jahren in England: sehr viel Gewalt, Sex und Crime. Toller Soundtrack (Nick Cave, The Stripes) aber leider letztendlich ziemlich hohle Dialoge in dem Kostüm-Mafia-Verschnitt, trotz Tom Hardy und Sam Neill (in Nebenrollen).

Muss auch keiner schauen….


Line of Duty (BBC)

Detective Sergeant (DS) Steve Arnott (Martin Compston) weigert sich, bei der Vertuschung eines missglückten Anti-Terror-Einsatzes zu helfen. Aufgrund der Probleme, die diese gradlinige Einstellung mit sich bringt, lässt sich der Polizist in die interne Anti-Korruption-Abteilung versetzen.

In bisher 2 Staffeln wird der schwierige Kampf gegen die Korruption in den eigenen Reihen geschildert, in beiden Staffeln wird das zähe Ringen sehr unterhaltsam dargestellt den Korpsgeist zu durchbrechen. Wenig klassische Schwarz-Weiß-Malerei, dafür viel akribische Polizeiarbeit.

Mir hat das gut gefallen, sauber-klassische Unterhaltung, Daumen hoch…
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Alt  03.05.2016, 16:40   # 50
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Ku´damm 56 - Ein ganz großer Wurf des ZDF!

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Ku’damm 56 ist ein dreiteiliger deutscher Fernsehfilm über den Aufbruch der Jugend in den 50er Jahren. Idee und Drehbuch stammen von Annette Hess, Sven Bohse inszenierte das Familiendrama in der Zeit zwischen Kriegsende und Wirtschaftswunder. Die Geschichte handelt von einer konservativen Mutter und ihren drei heiratsfähigen Töchtern. Die familieneigene Tanzschule ist der Schauplatz für den Konflikt zwischen der prüden Moralvorstellung, der Sehnsucht nach Werten und der Entdeckung ihrer Sexualität durch die jungen Frauen.

Annette Hess ist die Schöpferin der grandiosen Serie „Weissensee“, für die Produktion zeigte sich u.a. verantwortlich Nico Hofmann („Unsere Mütter, unsere Väter“). Also die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche und gute Mini-Serie, noch dazu wenn Claudia Michelsen, Heino Ferch und Uwe Ochsenknecht mitspielen und in den eigentlichen Hauptrollen, die jungen Männer und Frauen in der Serie.

Berlin 1956:

Tanzschulbesitzerin Caterina Schöllack (Claudia Michelsen) hat drei Töchter, von denen zwei ihrer – vermeintlich - gesellschaftlichen Bestimmung folgen: Helga (Maria Ehrich) hat eine scheinbar glänzende Partie gemacht und wird den Juristen Wolfgang von Boost (August Wittgenstein) heiraten. Die Krankenschwester Eva (Emilia Schüle) hat ihre Zukunft genau im Blick und legt alles daran, von ihrem Chef, Professor Fassbender (Heino Ferch), geheiratet zu werden. Nur Monika (Sonja Gerhardt) ringt als ungeliebte Tochter um die Akzeptanz ihrer strengen Mutter und kämpft gegen die Konventionen der Zeit. Ihre große Leidenschaft ist der Rock`n`Roll…

Aber nicht nur die piefige Atmosphäre ist Gegenstand der Betrachtung, auch die langsam aufkeimende Auflehnung gegen die Eltern, gegen die „Täter, die noch unter uns sind“, das noch ungefestigte „neue“ Deutschland, das Streben nach Abschütteln der noch so frischen Vergangenheit und dem Aufbruch in neue Zeiten, was allzu häufig auch einfach „nur unter den Teppich kehren“ bedeutete.

Ein hoher Anspruch und dem wird diese Mini-Serie voll und ganz gerecht. Hatten mich die ersten 30 Minuten noch zweifelnd gelassen ob ich mir das anschauen will, begann so langsam eine fast seltsame Faszination zu wachsen und als dann alles zu Ende war, hätte ich weiter und weiter schauen können.

„Wer bin ich?“ – „Woher komme ich?“ – „Wohin gehe ich?“

Die drei klassischen Fragen im modernen Erzählkino, immer dann wenn der Mensch an einer Gabelung, vor einer Entscheidung steht und noch nicht weiß, wo es hingeht, sind auch hier das stabile Gerüst der Geschichte um die drei jungen Frauen die unterschiedlicher kaum sein könnten. Gleichberechtigung? Dieses Wort gab es damals noch nicht, die Männer hatten das Sagen. Nicht allerdings bei Caterina Schöllack, die als Mutter mit zum Teil eisiger Kälte regiert: „Kümmer dich um deinen Professor, solange er noch lauwarm ist…“ Und der Tochter, die sich „so schmutzig fühlt“ nachdem sie vergewaltigt wurde, gibt sie den Rat: „Dann geh doch in die Badewanne, auch wenn erst Mittwoch ist.“

Claudia Michelsen spielt die Mutter und Tanzschulinhaberin grandios und herausragend. Es genügt ein kleiner Blick, ein kurzes Hochziehen der Augenbrauen und allen wird klar, wer hier das Sagen hat. Aber auch ihre Biographie ist nicht ohne Makel: wem gehört(e) die Tanzschule wirklich, warum kommt ihr Mann nicht zurück an ihre Seite, obwohl schon entlassen aus der Gefangenschaft? Auch ihr Panzer wird brüchig werden und Risse bekommen und das „Glück“, was sie sich so für ihre Töchter gewünscht und (!) eingefordert hat, das wird sich so ohne weiteres jedenfalls nicht einstellen.

Die drei jungen Männer, die da an der Seite der Töchter sind oder versuchen zu kommen, auch sie haben oder bekommen gebrochene Biographien, der eine mit einem Vater, der einst Rüstung für die Na*zis produzierte und nun für die Asiaten, der andere, der immer erzählt, er habe das Eiserne Kreuz von A*dolf H*itler bekommen und bei dem man dann doch sehr schnell spürt, dass das nur ein ganz kleiner Teil einer ganz anderen Wahrheit ist. Die Teilung der Stadt Berlin ist noch nicht manifestiert durch die Mauer, die noch unsichtbar, aber doch schon innerlich gebaut ist. Der Zuseher weiß, was noch kommen wird und möchte trotzdem weiter teilhaben an der Entwicklung der kleinen Heldeninnen und Helden der damaligen Zeit, die so wenig heldenhaftes an sich haben, dass sie genau deswegen als Identifikationsfiguren so sehr taugen.

Ausgestattet ist die Serie sehr liebevoll und mit vielen kleinen Details, die die 50iger wieder lebendig machen. Kamera und Bild, da gibt es imho überhaupt nix zu meckern, tolle Schauspieler, eine mitreißende Geschichte: ganz großes Kino! Vergleichbar ist diese Mini-Serie meiner Meinung nach mit „Unsere Mütter, unsere Väter“, einem ebenfalls großen Wurf des ZDF, auch wenn es hier in der Presse nicht wenig Kritik daran gab.

Es scheint also doch so, dass das alte betuliche deutsche Fernsehen doch dann und wann große Würfe produzieren kann. Üblicherweise bin ich kein Freund deutscher Serien (oder Mini-Serien), weil ich finde, zu oft fehlt der Mut und die Besessenheit kleine wie auch große Stoffe angemessen zu präsentieren. Da sind uns die Amerikaner, die Skandinavier, die Briten eben noch weit voraus. „Weissensee“ – „Berlin Alexanderplatz“ – „Heimat“ sind solche Produktionen, da konnte das Deutsche Fernsehen auch mal was.

Die Serie Ku´damm 56 hätte das Zeug dazu gehabt, eine große, lange Serie zu werden. Wahrscheinlich hat man dem Zuschauer nicht zugetraut, dass er nach all dem Mist, der da zum Teil so läuft, da auch wirklich dran bleibt. Es gibt in der noch jungen Bundesrepublik noch einige (Geschichts-) Stoffe, kleine Schätze, die man nur heben müsste. Ich denke da an die 68er und die RAF, die Einwanderung im Zuge des Wirtschaftswunders usw.

Man sollte die Hoffnung nicht aufgeben…
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Alt  03.04.2016, 05:13   # 49
wüstenwind
 
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Bosch (2. Staffel)
spannend, wenn auch ganz anders als in der 1. Staffel
Meine Zusammenfassung: viele Polizisten eignen sich nach dem Motto "Gelegenheit macht Diebe" auch zum Verbrecher.


The Night Manager
Ein als Manager im Hotelgewerbe tätiger britischer Herkunft, der nur in den Nachtschichten arbeitet, wird nach dem Mord an einem weiblichen Hotelgast (er hat sich zwischenzeitlich in sie verknallt) letztlich zum Undercover-Agenten für die Briten. Undercover-Agent im Bereich von skrupellosem Waffenhandel.

Spannend jenseits des spannenden Plots: man kennt einen der beiden Hauptdarsteller Hugh Laurie aus der Ärzteserie "Dr. House" - und in Dr. House ist es doch so, dass er ganz klar gut aber doch auch zusätzlich ziemlich böse ist.
In "Night Manager" ist Hugh Laurie dagegen der ganz klar Böse - hat aber offenbar doch für gewisse Regierungskreis auch gute Seiten. Genauso wie der andere Hauptdarsteller (Night Manager), der undercover gegen den Bösewicht ermittelt, ähnlich einem James Bond nicht vor Körperverletzung oder gar einer Tötung zurückschreckt, um in der Sache voranzukommen bzw. um sich selbst zu schützen. Was man ja gemeinhin auch nicht als "gut" abtut.

Gut zu wissen: die Hinkerei und der Stock in "Dr. House" sind offenbar Behinderungen des Characters Dr. House - nicht aber des Schauspielers Hugh Laurie.
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