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Alt  15.03.2018, 10:03   # 298
SalonPatrice
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@ ILatinas

danke zunächst einmal für Deine offenen Worte und die Sicht der Dinge aus Deiner Warte.

Zitat:
So sieht es für viele danach aus, und das nicht ganz unverständlich, als ob man hier etwas als Vorwand für ein eigenes, weitergehendes Ziel verwendet.
Du meinst sicherlich, daß hier "Gewinnmaximierung" im Raume steht.

Es mag verständlich sein, daß, wenn man sich nicht etwas intensiver mit der Materie befasst, man einen solchen Eindruck bekommt.
Allerdings wurde die Problematik jedem Gast persönlich im Hause erklärt. Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Aber gerne gehe ich an dieser Stelle nochmals genauer darauf ein und werde versuchen, die vorliegende Problematik, die sich insbesondere durch die Umsetzung des neuen Gesetzes ergeben hat, aus meiner Sicht darzustellen.

Ich möchte vorausschicken, daß die Servicepreise in meinem Hause seit nunmehr etwa 15 Jahren unverändert sind.

Mit den Vorgaben des ProstSchG ergeben sich sowohl für die Damen, als auch für Betreiber weitreichende Änderungen. Dies dürfte bekannt sein.
Unter anderem schreibt das Gesetz vor, daß die Arbeitsräumlichkeiten nicht mehr zum Zwecke der Nächtigung genutzt werden dürfen. Dies stellt insbesondere Betreiber kleinerer Etablissements vor eine große Herausforderung. Die baulichen Möglichkeiten sind einfach nicht vorhanden, entsprechende Rückzugsmöglichkeiten und einen privaten Charakter derselben zu schaffen. Und genau das fordert das Gesetz.
Was bleibt also übrig? Die Damen werden in ein Hotel zur Nächtigung geschickt.............oder sie sollen sich selbst in einer für sie fremden Stadt und Umgebung darum kümmern? Das wäre ein Ansatz............dieser ist aber praxisfremd und schwer umsetzbar. Viele Betreiber (so höre ich) spielen mit dem Gedanken, eines ihrer Zimmer in eine Art "Schlafsaal" umzuwandeln. Nach meinem Dafürhalten widerspricht dies den Vorgaben des Gesetzes. Aber entscheiden muß dies die zuständige Behörde vor Ort. Hier geht es um die Genehmigungsfähigkeit des jeweiligen Etablissementes.

Wie gehen nun wir mit dieser Problematik um?
Bereits Mitte letzten Jahres haben wir diesen Punkt dahingehend umgesetzt, daß wir ein zusätzliches Appartement in der Nähe angemietet haben. Jede der Damen hat hier ein eigenes und gemütliches Zimmer zur Verfügung. Die Räumlichkeiten wurden aufwändig renoviert und entsprechend ausgestattet.

Die Kosten hierfür werden auf die Damen umgelegt............und zwar ohne Gewinnmaximierungs-Absicht.
Dies kommt unter dem Strich für die Damen wesentlich preiswerter, als die jeweiligen Hotelkosten.

Hierzu muß ich sagen, daß wir einer der wenigen Betrieben sind, die schon lange diese Vorgabe umsetzen.
Mitbewerber warten erst einmal zu, ob die Behörde auf diese Auflage besteht und was passieren wird.
In der Hoffnung, daß alles schon nicht so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde bzw. daß eine Ausnahme zugelassen wird. Die Behörde selbst arbeitet hier sehr langsam.
In der Zwischenzeit läuft dort alles wie gehabt. Die Damen nächtigen weiter in den Häusern, wie zuvor.
So ist zumindest mein Kenntnisstand.

Für die Damen, die bei uns gastieren ergibt sich hier schon einmal ein zusätzlicher Kostenfaktor, den sie anderswo nicht haben. Für mich als Betreiberin ergibt sich aufgrund dieser Tatsache ein klarer Wettbewerbsnachteil. Und warum? Weil ich mich an die gesetzlichen Vorgaben gehalten habe.
"Umsetzung von Recht und Gesetz in Deutschland".

Ich sehe gerade, daß mein Beitrag etwas umfangreicher wird.............aber, Du wolltest Erklärungen.......

Weiterhin kommen Mehrbelastungen in Zusammenhang mit Kosten für Anmeldung und Erlaubnis auf die Damen zu. Wenngleich diese verhältnismäßig moderat ausfallen.

Das größte Problem stellen die zu erwartenden Steuerzahlungen dar. Dies ist auch der Grund dafür, daß viele Dienstleisterinnen Deutschland den Rücken gekehrt haben.
Im Zuge der Registrierung werden die Daten an die Finanzbehörde übermittelt. Es ist zukünftig damit zu rechnen, daß jede erfasste Prostituierte ihre Einküfte steuerlich erklären muß. Dies wurde in der Vergangenheit nicht so gehandhabt.

Neben den Kosten für eine steuerliche Beratung. Viele Damen sind nicht in der Lage eine Steuererklärung selbständig zu fertigen. Hat schon der Deutsche Bürger seine Schwierigkeiten, die Steuergesetzgebung halbwegs zu verstehen
Hierzu ist zu sagen, daß man die Pflicht zur Steuererklärung auch gut finden kann. Schließlich bezahlen alle, die Einkünfte erzielen Steuern. Viele der Mädels finden das aber nicht gut.
Insbesondere deswegen nicht, weil sie (nicht grundlos) damit rechnen müssen, ihre Einkünfte aus den Vorjahren ggf. nachversteuern zu müssen. Tun sie dies nicht, werden sie geschätzt.
Das ist einer der Hauptgründe, warum die Angst im Gewerbe umgeht.

Aber auch hier muß man warten, was de facto passieren wird. Gerüchte werden hier viele gestreut. Mir persönlich ist noch kein Fall von einer entsprechenden Nachversteuerung bekannt geworden.

Und letzlich ist es so, daß natürlich auch die Damen des Gewerbes in den letzen Jahren mit erhöhten Lebenshaltungskosten konfrontiert sind. Wie jeder andere Bürger auch.
Bei einem Arbeiter, Angestellten oder Beamten werden diese erhöhten Kosten regelmäßig durch Lohnanpassungen halbwegs aufgefangen. Dies ist bei den Damen nicht der Fall.

Und auch bei mir nicht.
Ich selbst bin als Betreiberin eines kleinen Hauses auch mit steigenden Heizölpreisen, Strom-und Wassergebühren konfrontiert. Jahr für Jahr. Und auch die Miete wird ständig erhöht.
Dennoch ist es uns gelungen, über einen Zeitraum von fast 15 Jahren keine dieser Erhöhungen weiterzugeben.
Weil wir gerade beim Weitergeben sind.....................jeder Geschäftsmann, jeder Konzern, jedes Unternehmen gibt gestiegene Kosten an den Endverbraucher weiter.
Von der Abzocke an der Tankstelle will ich gar nicht sprechen.
Hier regt sich niemand großartig auf!

Aber sei es, wie es ist. Auch wir müssen natürlich wettbewerbsfähig bleiben und daher wurde der Gedanke dieser moderaten Anhebung (es waren im übrigen 10 Euro) wieder verworfen. In diesem Zusammenhang möche ich mich aber ausdrücklich bei vielen unserer Gäste und Freunde bedanken, die dafür Verständnis aufgebracht haben. Aber leider eben nicht alle.

Zitat:
Ich für meinen Teil halte es für klüger, mein Unternehmen und solche Spendenaktionen explizit zu trennen. Wenn mir ein Anliegen wichtig ist, dann thematisiere ich das und bringe mich da ein. Man kann da auch Informationsbrochüren von entsprechenden Organisationen auslegen. Aber ich sammle nicht bei mir im Haus von meinen Kunden Spenden ein
Warum?
Klar ist es einfacher, sich auf den eigentlichen Zweck der jeweiligen Branche zu fokusieren.
Wenn mir aber ein Anliegen wichtig erscheint, warum soll ich dann nicht die Möglichkeit nutzen und darauf aufmerksam machen? Gerade wenn ich in meinem Unternehmen vielfältigen persönlichen Kontakt mit Menschen habe. Dies ist auch der Grund, warum ich auf unserer Homepage einen Bereich eingerichtet habe (sozialkritische Stöberecke), in dem ich derlei Dinge und auch andere aus meiner Sicht thematisiere.

Ich versuche dadurch die Menschen zu erreichen. Und ich versuche mich im Rahmen meiner Möglichkeiten aktiv einzubringen, während andere Absichtserklärungen abgeben.

Danke übrigens in diesem Zusammenhang an @servusLH für Deine Einlassung.
Genauso ist es nämlich.
Es steht ein Sparschwein da und da kann man etwas einwerfen..........muss es aber nicht. Ausserdem wird auch jeder über den Zweck informiert. Broschüren habe ich schon angefordert.........diese werden dann auch ausgelegt.
Noch kurz etwas zu dieser Aktion....................es kann auch mit Zeit geholfen werden.
Sollte sich jemand engagieren wollen, so hat er die Möglichkeit, ein paar Stunden seiner Zeit einem einsamen alten Menschen für ein Gespräch zu widmen.
Aber wer hat heute denn noch Zeit?

Ich werde im Rahmen dieser Aktion jedenfalls auch zukünftig transparent sein und regelmäßig darüber berichten, wofür die Unterstützung verwendet wurde. Sei es für die Anschaffung eines dringen benötigten Rollators, Rollstuhles etc. oder auch für Lebensmittelgutscheine.
Wie traurig ist es eigentlich, daß bedürftig alte Menschen in diesem Land von privater Initiative unterstützt werden müssen (Stichwort "Tafel")? Aber da soll jeder seine eigene Meinung haben. Angeblich lebt es sich ja auch von staatlicher Unterstützung gut und ausreichend (das musste ich jetzt einfach mal so loswerden)

Ich hoffe, ich konnte etwas Licht ins Dunkel bringen....................jedenfalls "Danke" für die gezeigte Aufmerksamkeit.

Ich wünsche Euch allen eine entspannte Zeit und schöne Momente im Leben...........am besten im Salon Patrice


LG Loreni
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