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Alt  24.10.2017, 08:25   # 201
Epikureer69
Hedonist
 
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Epikureer69 ist offline
@gemmazimma

Ich war, dank Gnade der frühen Geburt, ebenfalls jugendlicher Zeitzeuge der RAF-Zeit.

Kollege el_coyote hat dazu, in seinem Beitrag schon das wesentliche gesagt.

Deine Einlassung, dass die Befassung mit den Ursachen und den Hintergründen rund um die Entstehung dieser Terrorgruppe "hanebüchend und menschenverachtend" sei und damit lediglich eine Angelegenheit von "Sympathisanten" der RAF, finde ich ganz schön "dicken Tobak".

Da ist es kein Wunder, dass Du so ein Problem mit den Medien und ihrer Berichterstattung hast. Die Auffassung die RAF sei einfach wie ein Unwetter über Deutschland hereingebrochen, ohne kausalen Zusammenhang mit anderen gesellschaftlichen Prozessen, ist letztlich eine geschichtsverleugnende, naive populistische Grundhaltung.

Genauso argumentierten, in meiner Jugend nämlich viele Deutsche mittleren und höheren Lebensalters, die das III. Reich erlebt hatten, im Grunde nie N***'s waren, aber dennoch Parteimitglieder und allenfalls als "Mitläufer" aktiv waren. Dieser Personenkreis wollte diesen Teil unserer Geschichte wie folgt verarbeitet wissen: "das waren zwölf dunkle Jahre in denen Adolf und seine Spießgesellen Deutschland einfach, aus dem Nichts heraus, übernommen hatten und Alles so fest im Griff hatten, dass man gar nichts dagegen tun konnte." Schuld hatten nur Adolf und die prominenten Größen, die dann in den Nürnberger Prozessen auch verurteilt wurden. Das war die Aufarbeitung der Geschichte durch viele Deutsche aus der Generation meiner Eltern und Großeltern.

Und auf diesem Boden entstand die APO-Generation und aus dieser wiederum ein militanter Anteil, aus welchem sich wiederum die RAF rekrutierte.

Ist eigentlich in Deinen Augen ein Historiker, der sich bemüht die soziohistorischen Zusammenhänge zwischen verlorenem 1. Weltkrieg, Zusammenbruch des Kaiserreiches, Weltwirtschaftskrise, Weimarer Republik und Aufkommen des N*******sozialismus darzustellen, auch ein "Sympathisant" von Adolf H. ?

Es ist nicht die primäre Aufgabe der Medien, dem "Wutbürger" nach dem "Maul" zu schreiben. Das machen allenfalls populistisch geprägte mediale Erzeugnisse, wie z.B. ehedem der "Stürmer", oder später lange Jahre die "BILD".

Es gibt nämlich in Deutschland mit Sicherheit, was die Flüchtlingsproblematik angeht, nicht nur weltfremde "Guttis", die dann so Platitüden absondern, wie Herr Schulz mit dem "Gold", oder stramme Rechtsausleger, die jeden mit Migrationshintergrund gleich vorverurteilen.

Ich denke, so erlebe ich es auch in meinem persönlichen Alltag im Freundes - und Bekanntenkreis, dass die erhebliche Mehrheit der Bevölkerung wesentlich differenziertere Ansichten zu diesem Thema vertritt. Da gibt es genug, die die Flüchtlingspolitik von Frau Merkel sehr kritisch betrachten, ohne deshalb in xenophobe Pauschalvorurteile abzugleiten. Dann gibt es auch viele die den Grundgedanken dieser Politik in Ordnung finden, aber keine "Teddybärenwerfer" sind und sich dennoch Gedanken zur inneren Sicherheit machen usw., usw.

Es kann also nicht Aufgabe der Medien sein, in dieser frage nur die extremen Poitionen, in die eine oder andere Richtung, abzubilden.

Die zunehmende Radikalisierung vieler Muslime, verbunden mit dem Entstehen von Terrorgruppen (IS), ist genausowenig einfach wie ein Unwetter auf einer grünen Wiese entstanden, wie die RAF oder das III. Reich. Irgendwann wird man die Ursachen dafür ebenfalls sozziohistorisch erfassen und aufarbeiten.

Wer in den Medien stets nur genau seine Meinung lesen will, wird wohl immer mit vielen Inhalten der entsprechenden Veröffentlichungen unzufrieden sein, nicht nur in der Flüchtlingspolitik.
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"Sex, Fußball und Saufen", wobei im höheren Lebensalter die "Kardinaltugenden" zwei und drei, im Leben eines Mannes immer mehr an Bedeutung gewinnen.

"Man sieht den Splitter im Auge des Anderen, aber nicht den Balken im Eigenen."

Dieses Zitat widme ich meinen besonderen "virtuellen Freunden" hier.
Danke von